Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung hält ein Teströhrchen.
Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung hält ein Teströhrchen.
Eugen Brysch
Eugen Brysch

23.10.2020

Patientenschützer fordert Umdenken bei Schnelltest-Strategie "Die Länder haben die Pflegeeinrichtungen im Stich gelassen"

Zwei Mal pro werden Fußballspieler auf Corona getestet, so Patientenschützer Eugen Brysch. In Pflegeheimen habe es Monate gedauert, bis es Schnelltests gab. Die Heime überstünden den Winter nur, wenn die Politik andere Prioritäten setze.

DOMRADIO.DE: Sie haben der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt, dass Schnelltests Mogelpackungen seien. Warum denn?

Eugen Brysch (Vorstand Deutsche Stiftung Patientenschützer): Wir dürfen nicht vergessen, dass 900.000 Menschen in unseren Heimen leben. Das ist die verletzlichste, die leiseste Gruppe, die das Leiden oft still hinnimmt. Seit Monaten reden wir viel, aber es wird zu wenig getan, um genau diese Gruppe und ihre Altenpfleger in den Blick zu nehmen.

Die neue Schnellteststrategie, die der Bundesgesundheitsminister auf den Weg gebracht hat, hat leider nicht im Blick, dass diese Menschen täglich besucht werden müssen, dass sie täglich gepflegt werden müssen, dass Ehrenamtliche dazukommen müssen, etwa im Hospizdienst und dass wir in diesen Pflegeheimen auch Therapeuten und insbesondere Angehörige brauchen.

DOMRADIO.DE: Sie stellen sich auch gegen Besuchsverbote. Wie kann man in diesen Einrichtungen denn trotzdem für mehr Sicherheit sorgen?

Brysch: Das ist genau die Frage, mit der wir uns schon seit über einem halben Jahr beschäftigen. Wir haben im März schon gesagt, dass wir endlich Leitlinien brauchen, die klar und deutlich sagen: Wie sieht der sichere Infektionsschutz aus? Was ist mit einer lückenlosen Dokumentation? Wer hat wen wann besucht, wer hat wen wann gepflegt? Wo war der Patient? Wo war der Pflegebedürftige? Wo war der Angehörige?

Jetzt kommen dazu noch die sogenannten Schnelltests: die Tests, die jedem Bundesligaspieler zweimal in der Woche angeboten werden. Wir fragen uns, warum wir für so ein Konzept für Pflegeeinrichtungen mehr als sieben Monate brauchen. Insbesondere, weil wir schon heute wissen, was notwendig ist und wo ein Altenpflegeheim dringend Unterstützung braucht. Wenn sich das Virus eingeschlichen hat, kommt beispielsweise die kommunale Task-Force.

Vergessen wir nicht: Es ist ja nicht so, dass das Virus immer durch die Haupteingangstür in ein Pflegeheim hineinkommt. Auch die Pflegekräfte gehen jeden Tag ein und aus. So verwundert es nicht, dass es nicht selten die Pflegekräfte sind, die das Virus mitbringen. Sie können ja nicht isoliert leben. Deswegen sind die Schnelltests so wichtig, denn die Pflegekräfte müssen ebenso in Blick genommen werden. Auch sie müssen geschützt werden. Denn dann schützen wir unsere Alten.

DOMRADIO.DE: Sie sagen, es muss bundesweit einheitliche Besucherkonzepte geben. Wie genau sollten die denn aussehen?

Brysch: Die Länder haben die Pflegeeinrichtungen im Stich gelassen. Jeder soll vor Ort schauen, wie das klappt. Nun hat uns aber gerade vor wenigen Tagen das Verwaltungsgericht in Minden gesagt: So könnt ihr Länder das nicht machen. Ihr habt eine Verantwortung, und es geht hier um eine hochrechtliche Frage, nämlich die Entziehung von Freiheit; die kann man nicht einfach einem privaten Träger überlassen. Deswegen sind ja solche Einrichtungen auch bewusst mit einem Konzept zu begleiten.

Das Interessante ist, dass das Gericht gesagt hat, dass bei solchen Konzepten Verwaltungen, Kommunalen und Landesverwaltung mitbeteiligt werden müssen. Sonst schießen die Einrichtungen schnell über das Ziel hinaus, man möchte ein Virus schließlich nicht in seiner Einrichtung haben. Deswegen wäre es vernünftig und richtig, dass das, was der Pflegebeauftragte – mittlerweile schon das zweite Mal in zwei Monaten – ankündigt hat, endlich Realität wird, damit jeder vor Ort weiß, dass er die Bestimmungen und Richtlinien nicht nur eingehalten, sondern auch gelebt hat.

Dann ist man auf der sicheren Seite. Dann kommen wir durch das, was wir jetzt auf alle Fälle erwarten: durch einen Herbst und einen Winter, den wir alle nochmal gut und verantwortlich gestalten müssen, bis dann endlich der Impfstoff da ist. Ich wundere mich nur, dass wir da so wenig Priorität sehen. Die Widersprüchlichkeiten der Ärzte und der Politik führen eher dazu, dass die Menschen verunsichert sind und sich die Alten und die Pflegebedürftigen – übrigens auch daheim –isolieren.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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