Aufeinander zugehen
Händeschütteln zur Begrüßung

25.07.2020

Kulturwissenschaftler Kaschuba zu künftigen Begrüßungsritualen "Am besten da weitermachen, wo wir aufgehört haben"

Vom Händeschütteln als typisch deutschem Begrüßungsritual hat der Berliner Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba schon vor der Pandemie nichts gehalten. Die Gesellschaft sei deutlich vielfältiger. Der Trend gehe zu mehr körperbetonten Ritualen.

KNA: Herr Professor Kaschuba, etwas mehr als drei Jahre ist es her, dass der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere das Händeschütteln und Gesicht zeigen zu den zehn Punkten einer deutschen Leitkultur zählte. In Corona-Zeiten mutet das eigentümlich an ...

Kaschuba: Ich fand das schon vor drei Jahren nicht wirklich zutreffend. Gerade mit Blick auf die vielen Selfies, die seit ein paar Jahren unzählige Male gepostet werden, kann man zwar sicher sagen, dass wir eine Gesellschaft sind, die entspannte und fröhliche Gesichter schätzt. Beim Händeschütteln zeigt sich aber ganz deutlich der Generationenblick des damaligen Bundesinnenministers.

KNA: Sie spielen auf unterschiedliche Begrüßungsrituale an?

Kaschuba: Unsere Gesellschaft ist deutlich diverser: Da gibt es sicher viele Menschen, die sich die Hand geben - nimmt man etwa Berufsgruppen wie Juristen, Manager und viele andere, Jugendliche schätzen aber eher die High-Five-Geste. Seit 20 Jahren kann man zudem beobachten, dass viele sich zur Begrüßung gerne umarmen, Küsschen geben - vielleicht als übernommenes Begrüßungsritual aus Urlaubsländern wie Frankreich oder Italien. Begrüßungsrituale sind nicht statisch, sie verändern sich. Mein Vater etwa trug einen Hut und hob ihn kurz an, um jemanden zu begrüßen.

KNA: Müssen wir uns denn künftig mit Blick auf Covid-19 auf eine körperlich distanzierte Begrüßung einstellen wie im asiatischen Raum?

Kaschuba: Die körperliche Nähe ist durch Corona sicher erst einmal gestoppt. Ich glaube aber nicht, dass das langfristig anhält. Das Bedürfnis, Vertrautheit und Freundschaft durch Nähe zu zeigen, ist sicher geblieben.

KNA: Also keine Gesichtsmasken mehr, wenn die Krise vorbei ist?

Kaschuba: Wir dürfen nicht vergessen, dass die Masken in Städten wie Peking auch als Schutz vor schlechter Luft getragen werden. Das ist hierzulande glücklicherweise in der Regel nicht notwendig. Wir sollten uns nach Corona wieder von der Maske verabschieden.

KNA: Und das Händeschütteln oder die Umarmung?

Kaschuba: Wir sollten da weitermachen, wo wir vor Corona aufgehört haben. Die Deutschen sind körperlicher geworden, das haben wir in den vergangenen Jahren sicher alle gespürt, und das wird auch im Ausland so wahrgenommen. Unserer Gesellschaft hat das sicher gut getan, dadurch wird auch viel Empathie vermittelt: Der oder die andere ist uns nicht egal.

Das Gespräch führte Birgit Wilke.

(KNA)

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