Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro
"Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler
"Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler

02.06.2020

Amazonas-Bischof Kräutler kritisiert Bolsonaro Wie ein Diktator

Bischof Erwin Kräutler hat den Kurs des brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro in der Corona-Krise erneut scharf kritisiert. Die Krise treffe besonders die Ärmsten, für die sich Bolsonaro nicht einsetze, so der Amazonas-Bischof.

Der brasilianische Präsident nehme durch sein fahrlässiges und menschenverachtendes Verhalten Zehntausende Tote in Kauf, sagte Kräutler der Tageszeitung "Kurier" (Pfingstausgabe).

Brasilien auf dem Weg zur Diktatur

Die Gefahr, dass Brasilien sich zu einer Diktatur verwandle, sei real, so der emeritierte Bischof des Amazonasbistums Xingu. Als Präsident strebe Bolsonaro nach einer Alleinherrschaft, wähne sich über der Verfassung und trete die Gewaltenteilung mit Füßen: "Die Allüren und Manien Bolsonaros erinnern tatsächlich an Diktatoren noch nicht lange vergangener Zeiten."

Im Gegensatz zur brasilianischen Oberschicht, deren Vertreter Bolsonaro sei, treffe die aktuelle Corona-Krise gerade die Ärmsten der Armen, sagte Kräutler, der laut eigenen Angaben seit zwei Monaten "als 'Eremit' im Bistumshaus in Altamira" lebt. Besonders gefährdet seien die Indigenen, für die die Pandemie "zu einem Genozid" werden könne. "Tatsache ist, dass ihr Immunsystem für eingeschleppte Krankheiten besonders anfällig ist. Schon im 16. und 17. Jahrhundert und noch herauf bis ins 20. Jahrhundert starben ganze Völker an Masern, Pocken und anderen Epidemien."

Soziale Distanz als Mittel gegen die Pandemie

Er versuche unter anderem durch Videobotschaften, den Menschen Mut zuzusprechen und sie dazu zu bewegen, zu Hause zu bleiben, so der emeritierte Bischof. Da die Gesundheitsversorgung gerade in den kleinen Dörfern teils sehr schlecht sei, gebe es kaum ein anderes Mittel gegen die Pandemie, als soziale Distanz zu suchen. "Es geht hier tatsächlich um Leben und Tod."

In Brasilien sind nach jüngsten Angaben bereits rund 30.000 Menschen im Zusammenhang mit Corona gestorben. Im globalen Vergleich liegt Brasilien mit inzwischen mehr als einer halben Million Infizierten nach den USA an zweiter Stelle. In vielen Städten des Landes haben die Krankenhäuser ihre Belastungsgrenzen erreicht.

(KNA)

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