Nina Toller
Nina Toller
Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht
Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht

28.04.2020

Bloggerin und NRW-Lehrerin Nina Toller zur Corona-Schulplanung "Dann haben wir wirklich ein Problem"

Ideen für den Corona-Schulalltag gibt es viele. Wirklich umsetzen kann man die kaum, findet die Bloggerin und Lehrerin Nina Toller, die jetzt viele Stunden drei Mal halten muss: Zweimal offline und einmal online.

HIMMELKLAR: Sie sind Gymnasiallehrerin und Bloggerin, betreiben die Internetseite "TollerUnterricht.com", das ist ein schönes Wortspiel. Was ist denn im Moment die Situation bei Ihnen an der Schule?

Nina Toller (Gymnasiallehrerin und Bloggerin): Es entwickelt sich immer weiter. Ich schaue quasi stündlich, was sich entwickelt. Seit dem 23. April dürfen bei uns am Gymnasium in Duisburg die Abiturienten wieder in die Schule kommen – freiwillig. Alle anderen Abschlussklassen, die Zehner beispielsweise an anderen Schulen, müssen ja verpflichtend kommen. Unsere Abiturienten können sich das aussuchen. Wir als Schule müssen immer schauen, was jetzt das Ministerium beschließt. Und das muss natürlich auch abwarten, was es bundesweit für Absprachen gibt.

HIMMELKLAR: Wie ist der Wiedereinstieg an der Schule gelaufen?

Toller: Es wurden uns drei Tage Vorlaufzeit gegeben. Der Schulträger konnte sich darauf vorbereiten, welche Hygienemaßnahmen getroffen werden können, welches Raumnutzungskonzept erstellt werden kann, usw.

Ich war an dem Montag nach den Osterferien ganz überrascht, weil schon diese Abschirmgläser geliefert wurden, sodass das Sekretariat geschützt war. Desinfektionsmittel und Spender wurden auch geliefert und es sollten noch ein paar Masken kommen, um den Infektionsschutz zu wahren.

HIMMELKLAR: Und kann man da auf den nötigen Abstand achten?

Toller: Es sollen so wenig Schüler wie möglich da sein und sie sollen sich so wenig Zeit wie möglich in der Schule aufhalten. Ich habe zum Beispiel einen Englischleistungskurs und bin dann die einzige Lehrerin, die an dem Tag diesen Raum nutzt. Wenn ich dann da raus bin, kommen unsere Putzfeen direkt in den Raum herein und reinigen normal, aber desinfizieren auch alles.

Fast alle Klassen und Kurse bei uns haben aber über 15 Leute. Die müssen also getrennt werden und ich bin quasi im Doppelschichtbetrieb. Dann habe ich die eine Gruppe in der ersten Stunde und direkt in der zweiten Stunde die nächste Gruppe. Und zusätzlich muss ich ja trotzdem Home-Schooling machen. Meine anderen Lerngruppen muss ich ja auch digital versorgen.

HIMMELKLAR: Viel Aufwand.

Toller: Normal ist ja schon lange nichts mehr. Die Lehrer ruhen sich zur Zeit auf jeden Fall nicht aus und haben Ferien, wie das manche Zeitungsartikel zeigen wollen. Wir haben ja gerade Präsenzunterricht mit den Abiturienten und Onlineunterricht mit den anderen Schülern. Das ist schon eine Nummer.

HIMMELKLAR: Und funktioniert es?

Toller: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir vor den Osterferien eigentlich mit allem durch waren. Sogar mit der Wiederholung waren wir schon durch. Wir haben sowieso vorher schon sehr viel mit den Schülern online gemacht. Von daher sind sie daran gewöhnt, online zu arbeiten, sich selbst zu organisieren und das Ganze arbeitsteilig zu machen.

Fachlich und inhaltlich sind die Schüler also komplett vorbereitet gewesen. Ich hatte den Eindruck nach den zwei Tagen Schulöffnung jetzt, dass sie eher da sind, weil sie den sozialen Kontakt auf Abstand suchen und ganz froh sind mal aus dem Haus zu kommen und ihre Freunde auf Abstand zu sehen.

HIMMELKLAR: Funktioniert das denn? Jugendliche wollen sich ja nicht unbedingt an alle Regeln halten …

Toller: Das ist ja die Abschlussklasse und die Schüler sind 17 oder 18 Jahre alt. Die verstehen das. Sie sind mit den Masken gekommen und haben sie während der Unterrichtsstunde wieder abgesetzt. Das fanden sie seltsam. Ich hatte die Maske die ganze Zeit auf und kam mir auch komisch vor. Alle mussten den Mindestabstand mit den Tischen einhalten und saßen dadurch weit voneinander weg. Wenn ich aber etwas erklären wollte, musste ich ja so ein bisschen näherkommen. Dann fanden wir das alle seltsam und mussten so ein bisschen darüber lachen und schmunzeln, aber das ist eben die Situation, mit der wir jetzt klarkommen müssen.

HIMMELKLAR: Was wahrscheinlich ein bisschen komplizierter wird, wenn die anderen Klassen wirklich zurückkommen.

Toller: Auf jeden Fall. Wenn die anderen Klassen zurückkommen sollten, dann haben wir wirklich ein Problem. Das können wir auch von den Räumen her nicht schaffen. Da braucht es mehr Vorlaufzeit.

Als Schule, die das umsetzen soll, fragt man sich: "Wie sollen wir das jetzt machen? In der Realität sieht das bei uns ganz anders aus." Ich habe von Zehntklässlern gelesen, die in die Schule gegangen sind und eine Freundin oder einen Freund getroffen haben. Sie haben gesagt: "Ich habe nur den einen Freund umarmt, sonst niemanden." Man kann nicht einfach eine Regel aufstellen und jeder hält sich dran. Das ist dann wirklich schwierig.

Natürlich hat der Schulträger Desinfektionsmittel geliefert und es sind auch Masken gekommen. Die muss man aber selber zusammenbauen. Bis das zusammengebaut ist, sind da an jeder Ecke schon Keime dran und es nützt nichts mehr.  Im Sinne von: Ja, der Gedanke ist gut, wir bekommen auch Material, aber das was geliefert wird, ist nicht das, wo man in der Realität mit arbeiten kann.

Ich würde mir wünschen, dass man eher von der Gesundheit und dem Infektionsschutz geleitet wird und dass alles realistisch umsetzbar ist.

HIMMELKLAR: Was bringt Ihnen Hoffnung?

TOLLER: Hoffnung hält mich am Leben. Sie hält mich auch mental gesund, denn ich bin sowieso ein positiver und optimistischer Mensch. Das ist wirklich das, was ich lebe und verkörpere. Schon immer. Ohne Hoffnung könnten wir das alle gar nicht durchstehen, bis es wirklich vorbei ist und wieder besser wird.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch. 

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Hinweis:

Das Interview ist Teil des Podcasts Himmelklar – ein überdiözesanes Podcast-Projekt koordiniert von der MD GmbH in Zusammenarbeit mit katholisch.de und DOMRADIO.DE. Unterstützt vom Katholischen Medienhaus in Bonn und der APG mbH. Moderiert von Renardo Schlegelmilch.

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