Bündnis: Leistungen kommen nicht an
Symbolbild: Kinderarmut

23.04.2020

Verbände fordern Soforthilfe für arme Kinder Mit mehr Hartz-IV-Haushalten zu rechnen

Arme Familien werden in den Debatten um die Corona-Krise bisher wenig berücksichtigt, kritisieren Sozialverbände. Vor allem die Kinder werden so weiter abgehängt. Hartz-IV-Haushahlte werden infolge der Corona-Krise zunehmen, so die Verbände.

Ein Bündnis von sieben Verbänden und Organisationen fordert angesichts der Corona-Krise als Soforthilfe eine unbürokratische Aufstockung des Hartz-IV-Regelsatzes für Kinder und Jugendliche. Zudem müsse sichergestellt werden, dass alle Schulkinder durch die Übernahme der Anschlusskosten Zugang zum Internet haben und die Anschaffung von digitalen Endgeräten ermöglicht wird, sofern diese nicht vorhanden sind, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Appell. 

Besondere Betreuungsangebote

Ebenso plädiert das Bündnis für eine Erweiterung der Zugangskriterien für die Notbetreuung in Kitas und Schulen. Hier brauche es für Kinder aus armen Familien und Kinder von Alleinerziehenden bundesweit besondere Betreuungsangebote. Unterzeichnet ist die Erklärung von Deutschem Kinderhilfswerk, AWO Bundesverband, Diakonie Deutschland, Kinderschutzbund, Nationaler Armutskonferenz, dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter sowie dem Zukunftsforum Familie. 

Hilfen kommen nicht an

"Arme Familien und ihre Kinder werden in der Debatte bisher noch viel zu wenig gesehen", erklärte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger. Zwar habe die Bundesregierung einige gute und richtige Erleichterungen für Familien beim Zugang zu sozialen Leistungen auf den Weg gebracht, doch kämen sie vielfach nicht bei Familien an, die bereits von Hartz-IV-Leistungen leben. 

Versorgungsnetzwerke weggebrochen

Der Wegfall der Leistungen in Bildung und Teilhabe wie das kostenlose Mittagessen in Kitas und Schulen oder die Nachhilfe sowie anfallende Mehrausgaben könnten durch die Eltern nicht aufgefangen werden, so Krüger. Zudem fielen mit Schließung von Bildungs- und Sozialeinrichtungen wichtige Versorgungsinfrastrukturen für arme Kinder mit einem Schlag weg. "Hier braucht es sofortige Abhilfe und ganz grundsätzlich eine deutlich stärkere Berücksichtigung der Bedarfe und Rechte von Kindern", forderte der Chef des Kinderhilfswerks. 

In ihrem Appell fordert das Bündnis auch "tragfähige Lösungen für die Zukunft". Die Krise zeige in aller Deutlichkeit, dass Bildungs- und Teilhabechancen eng mit dem Geldbeutel der Eltern verknüpft seien. Arme oder von Armut bedrohte Familien brauchten auch nach Überwindung der Krise eine besondere Unterstützung, hieß es.

Mehr Hartz-IV-Haushalte

Infolge der Corona-Krise arbeiten viele Eltern in Kurzarbeit, werden entlassen, haben keine Kinderbetreuung oder stehen als Selbstständige vor dem wirtschaftlichen Ruin. Deshalb rechnen die Verbände damit, dass durch die zu erwartende wirtschaftliche Krise die Zahl der Hartz-IV-Haushalte steigen wird und damit absehbarauch die Zahl armer Kinder in Deutschland.

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