Maßkrüge auf dem Münchner Oktoberfest
Maßkrüge auf dem Münchner Oktoberfest
Auch schon als Kellner auf dem Oktoberfest aktiv: Pfarrer Schießler
Pfarrer Schießler in seinem Element

21.04.2020

Pfarrer Schießler zur Absage des Oktoberfestes Mundschutz und Maßkrug passen nicht zusammen

Normalerweise kommen rund sechs Millionen Besucher aus aller Welt zum Münchner Oktoberfest. So auch Pfarrer Rainer Maria Schießler. Seit vielen Jahren kellnert er gar auf der Wiesn. Doch nun fällt das Volksfest aus. Ein Schock?

DOMRADIO.DE: Kam die Absage der Wiesn für Sie überraschend?

Pfarrer Rainer Maria Schießler (Pfarrer in München): Nein, darum war es ja kein Schock. Hier haben alle damit gerechnet. Als wir diese Fallzahlen der letzten Wochen gesehen haben, die Todeszahlen, die ja immer noch steigen, weil ja dann viele sterben, die sich vor zwei, drei Wochen infiziert haben, da war uns klar, das geht nicht. Ein solches Fest lebt im buchstäblichen Sinne von der Nähe. Man sagt ja, die Wiesn ist die größte Flirtmeile der Welt. Wenn diese Nähe nicht gegeben ist, dann kann man nicht feiern.

DOMRADIO.DE: Wiesn mit Mundschutz und Abstandsregeln ist nicht denkbar?

Schießler: Vor allem muss man bei jedem Schluck aus der Maß den Mundschutz wegtun. In dem Moment ist der Mundschutz schon wieder kontaminiert und man braucht einen neuen. So viel Mundschutz haben wir ja gar nicht. Nein, das ist jetzt ein bisschen witzig, aber es war uns klar, dass ohne Impfstoff nichts geht.

Ich kann nicht die Europameisterschaft und andere Großveranstaltungen absagen und die Wiesn stattfinden lassen. Dann könnte man gleich die ganze Wiesn als Quarantänebereich deklarieren, weil hier keiner uninfiziert rausgeht. Also, der Schock war nicht da. Wir wussten genau, was da kommt.

DOMRADIO.DE: Sie sind nicht so furchtbar traurig über den Ausfall der Wiesn?

Schießler: Nein, mich bestürzen andere Dinge. Mich bestürzen die vielen Toten auf der ganzen Welt. Mich bestürzt, dass man den persönlichen Krankheitsverlauf nie vorhersagen kann. Der eine hat kaum Symptome, der andere leichte, andere sterben. So kann man die ganze Entwicklung auf der ganzen Welt nicht voraussagen.

Mich bestürzt die Frage, was kommt danach? Wie wird sich diese Welt weltwirtschaftlich arrangieren? Wird es Kriege geben? Kriege um Ressourcen? Dann vielleicht Kriege um einen Impfstoff? Das sind für mich die echten Sorgen, aber nicht ein Volksfest. Das können wir nachholen, wenn es wieder einen Grund zum Feiern gibt.

DOMRADIO.DE: Trotzdem werden viele Münchner und Bayern sagen, das sei auch wirtschaftlich ein Millionenverlust. Was sagen Sie dazu?

Schießler: Der wirtschaftliche Schaden außerhalb der Wiesn ist noch viel größer. Schauen wir mal die ganzen Rettungsschirme, die wir jetzt spannen müssen. Was wir bald an Billionen von Steuergeldern hernehmen müssten, um diese Wirtschaft irgendwie am Laufen zu halten.

Wir werden 20 Jahre, heißt es, diese Rezession auffangen müssen. Ich glaube, davon sind die Wiesn nur ein ganz kleiner Teil. Und was die Stimmung für uns Münchner betrifft, wir haben ja etwas, was die Rheinländer nicht so haben. Wir haben unsere Biergärten. Da können wir auch im September noch reingehen.

DOMRADIO.DE: Wir haben auch Biergärten...

Schießler: Ja, wunderbar! Dann skypen wir von eurem Biergarten zu unserem!

DOMRADIO.DE: Sie könnten ja vielleicht, wenn im Oktober und September viel Platz auf dem Wiesn-Gelände ist, einen schönen großen Gottesdienst feiern.

Schießler: Das wäre es! Da war 1960 der eucharistische Weltkongress. Da ging meine Mama hin, da war ich noch unter ihrem Herzen. Es hieß, ich hätte 78 Primizsegen bekommen, bevor ich auf die Welt kam. Wenn das keine pränatale Vorbereitung ist, habe ich mir gedacht...

Nein, die Theresienwiese ist ja eigentlich nur ein Schotterfeld. Und jetzt ist dort bereits diese "Drive-In"-Stelle für Corona-Tests. Als wir nicht wussten, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht und ob wir italienische oder spanische Verhältnisse bekommen werden, habe ich mir die Theresienwiese schon mit einem provisorischen Krankenhaus, wie man es in China aufgebaut hat, vorgestellt. Wer weiß, für was wir diesen Platz noch brauchen.

DOMRADIO.DE: Sie selbst wollten wieder kellnern. Das können Sie jetzt nicht. Haben Sie schon eine Idee, was Sie stattdessen mit dieser freien Zeit machen werden?

Schießler: Es war immer meine Urlaubszeit, aber da muss man erstmal schauen, ob man überhaupt reisen kann. Ich bin ein begeisterter Motorradfahrer und das Ding steht auch nur rum, weil man nicht rumfahren darf, was ich nachvollziehen kann und auch befolge.

Mal schauen, vielleicht ergibt sich ja etwas anderes wie notwendige Arbeitseinsätze, wo man vielleicht Arbeitskräfte bräuchte, wie jetzt zum Beispiel bei der Spargelernte, wo ich jetzt nicht dabei bin. Aber vielleicht gibt es ja im Herbst was. Da ist die Kartoffelernte, vielleicht braucht man mich da, dann mach ich da mit.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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