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Coronavirus-Prävention: Taxifahrer mit Mundschutz in Südafrika
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20.04.2020

Maßnahmen gegen Corona-Krise in afrikanischen Ländern Ausgangssperren führen zu Hunger

Noch scheinen die afrikanischen Länder von der Coronavirus-Pandemie nicht so stark betroffen zu sein. Doch die Maßnahmen in vielen Ländern treiben die ohnehin verarmte Bevölkerung in noch größere Not.

DOMRADIO.DE: In vielen afrikansichen Ländern sind drastische Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen worden. In Südafrika herrscht Ausgangssperre. Wie kommt das Land mit der Corona-Krise zurecht?

Pater Markus Hau (Missionssekretär der Pallottiner): Es herrrscht eine totale Ausgangssperre. Die Menschen dürfen ihr Haus nicht verlassen. Ich habe Kontakt zu unserer Pfarrei in Durban. Die Pallottiner sind ja weltweit miteinander vernetzt. Ich sorge auch immer wieder für diese Vernetzung und für Hilfe. Der Pfarrer in Durban hat mich um Hilfe gebeten, weil die Leute nicht mehr herauskommen - vor allen Dingen in den Townships. Dort leben die Menschen davon, was sie durch einen Tag Arbeit verdienen - bestenfalls. Schon nach kürzester Zeit der Ausgangssperre führte das zu Hunger in den Familien und verzweifelten Situationen.

Er berichtet von Müttern, die ihn anrufen und um Hilfe bitten. Wir und die Pfarreien versuchen den Menschen zu helfen, indem sie das Notwendigste austeilen. Das Problem in Südafrika sind derzeit noch nicht die an Covid-19 Erkrankten, die Zahlen sind noch vergleichsweise gering, wobei Südafrika bislang die meisten Fälle auf dem afrikanischen Kontinent zählt.

Das Problem sind die wirtschaftlichen Folgen, die drastisch sind. Die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, leiden besonders. In Südafrika kommt verschärfend der Fremdenhass hinzu. Die ausländischen Arbeiter bekommen keine staatlichen Leistungen und leiden besonders stark unter dieser Ausgangssperre und Notsituation.

DOMRADIO.DE: Die Pallottiner haben ja auch Kontakte nach Malawi, Nigeria und Ruanda. Wie sieht dort der Kampf gegen dieses Virus aus?

Hau: Die Maßnahmen hängen vom Entwicklungsstand und von der Bevölkerungsdichte ab. Nigeria ist ein Land, das wahnsinnig dicht bevölkert ist, dort leben schätzungsweise 190 Millionen Menschen. Da ist natürlich die Frage, wie überhaupt soziale Distanz gelebt werden kann. Dort leben 30 bis 40 Leute als Familienverbund zusammen. In Nigeria gibt es auch eine sehr strikte Ausgangssperre - allerdings, so höre ich von den Mitbrüdern, wird sie sehr unterschiedlich gehandhabt. In den großen Städten Abuja und Lagos wird die Ausgangssperre sehr strikt eingehalten, auf dem Land dagegen weniger.

Jeder Staat reagiert auch anders auf die Pandemie. Aber letztlich ist die Folge auch hier, dass die Menschen ihr Einkommen verlieren. Es gibt auch in Nigeria kaum Covid-19-Fälle, aber man hat Angst, dass sich das Coronavirus stärker ausbreitet. Man richtet auch sogenannten Isolations-Camps ein. Das höre ich aus den Pfarreien, wo wir aktiv sind. Es werden Schulen und Jugendzentren in abgetrennte Quarantänebereiche umgewandelt, um sich auf den Ausbruch der Epidemie vorzubereiten. In wie weit die medizinische Vorbereitung gelingt, kann niemand sagen. Es gibt kaum Tests und auch keine Beatmungsgeräte. Das ist eine ganz andere Situation.

DOMRADIO.DE: In Afrika haben die Staaten Erfahrung im Kampf gegen das Ebola-Virus. Inwiefern kommt diese Erfahrung den Staaten zugute?

Hau: Ruanda hat sehr früh damit angefangen, das Land zuzumachen. Als in Ruanda die ersten Fälle aufgetreten sind, hat man sofort die Ausgangssperre eingeführt. Bei der Ebola-Epidemie hatte man damals zögerlich reagiert, weil man es nicht besser wusste. Jetzt hofft man, mit einer schnellen Reaktion und der Ausgangssperre den Ausbruch besser zu bewältigen.

Niemand weiß, wie die Situation wirklich ist, aber man hofft, dass man so etwas besser mit dieser Pandemie umgehen kann. Aber auch in Ruanda ist das Problem derzeit eher die wirtschaftliche Auswirkung durch die Maßnahmen als die Auswirkungen durch Kranke oder Infizierte. Ein Mitbruder hat mir erzählt, dass sich die Lebensmittelpreise in Ruanda in den letzten zwei Wochen verdreifacht haben. Da kann man ja erahnen, was das für eine arme Bevölkerung bedeutet, wenn plötzlich die Lebensmittelpreise derart ansteigen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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