Sakristei in Taize
Sakristei in Taize
Jugendliche in Taize 1971
Jugendliche in Taize 1971

12.04.2020

Die Gemeinschaft von Taizé in Zeiten der Corona-Krise "So leer haben wir Taizé noch nie erlebt"

Eigentlich sollten sie in diesen Tagen die Lichter-Feier begehen, viele junge Menschen hatten sich angemeldet – alles abgesagt. Auch im kleinen Ort Taizé in Frankreich steht das alltägliche Leben in Zeiten der Corona-Pandemie fast still.

DOMRADIO.DE: Es ist bestimmt ein ziemlich seltsames Gefühl, den kleinen Ort in dieser Zeit so leer zu erleben, oder?

Frère Thimotee (Taizé-Bruder in Frankreich): So leer haben wir Taizé noch nie erlebt. Also auch generell so leer, wahrscheinlich seitdem Frère Roger hier angekommen ist. Schon seit Mitte März finden keine Treffen mehr statt. Als die öffentlichen Versammlungen mehr und mehr eingeschränkt wurden und absehbar wurde, dass die Grenzen geschlossen werden, da haben wir aufgehört, die Treffen durchzuführen. Selbst die Freiwilligen, die uns das Jahr über helfen, sind heimgefahren, sodass wir jetzt wirklich fast unter uns sind.

Gemeinschaft in kleine Gruppen aufgeteilt

DOMRADIO.DE: Wie viele Menschen sind denn jetzt ungefähr dort?

Frère Thimotee: Wir sind 70 Brüder, eine Handvoll der Freiwilligen sind da geblieben, um mitzuhelfen. Das sind nochmal knapp zehn vielleicht. Auch wir Brüder haben uns in Kleingruppen aufgeteilt, damit man das Ansteckungsrisiko mindert. Diejenigen von uns, die Anfang März noch unterwegs gewesen waren, hatten sich dann vorsichtshalber auch mal zwei Wochen in Quarantäne begeben. Wir gestalten jetzt unser Zusammenleben so, dass wir uns in Kleingruppen von acht bis zehn Brüdern auf mehrere Häuser aufgeteilt haben und da miteinander essen und beten.

Wiedersehen in der leeren Kirche

DOMRADIO.DE: Normalerweise gäbe es ja freitags die Kreuz-Anbetung abends in der Kirche und samstags die riesige Lichterfeier mit vielen tausend Leuten. Wir haben Sie und Ihre Mitbrüder das Fest denn jetzt verbracht?

Frère Thimotee: Zum allergrößten Teil haben wir weiterhin in kleinen Gruppen gebetet, wie wir es jetzt die letzten Wochen gemacht haben. Wir hatten am Wochenende zwei Momente, wo wir einmal mit genügend Abständen auch in der großen Kirche waren. Die Kirche ist ja sehr groß. Da passen zu anderen Zeiten 4.000 Leute rein. Dann ist es natürlich so eng, wie man sich das auch auf absehbare Zeit wahrscheinlich nicht vorstellen kann.

Aber wenn wir da ganz alleine drin sind, können natürlich auch 70-80 Leute in die große Kirche rein. Und jeder hatte mehrere Meter um sich herum Platz, wo wir uns zumindest einmal gesehen haben. Aber ansonsten beten wir weiter in den Kleingruppen.

Einblick in den Alltag übers Internet

DOMRADIO.DE: Für die aktuelle Situation gibt es auch noch ein besonderes Angebot an Übertragungen für Taizé-Fans?

Frère Thimotee: Als die Treffen aufgehört haben, kam natürlich die Frage auf, wie man trotzdem irgendwie miteinander in Kontakt sein und in Verbindung bleiben kann - das war uns wichtig. Es hatten sich ja auch viele Leute für die Wochen rund um Ostern angemeldet.

Dann haben wir überlegt, was man an Angeboten machen kann. Wir haben im März schon angefangen, das Abendgebet jeweils aus einer dieser Kleingruppen, auch über Facebook zu übertragen.

Die Karwoche über hatten wir jeden Morgen auch einen kurzen Bibelimpuls von einem unserer Brüder, um so ein bisschen den Wochenrhythmus mit den morgendlichen Bibeleinführungen, den die Leute sonst hier erlebt hätten, auf die Distanz präsent zu machen. Wir haben viele Rückmeldungen darauf bekommen. Es hat uns sehr gefreut, mit so vielen Leuten verbunden zu sein, selbst wenn jetzt gerade niemand hier ist.

Die Krise anerkennen und sich trotzdem mit sich selbst befassen

DOMRADIO.DE: Viele Jugendliche sind wahrscheinlich sehr traurig, weil sie dieses Jahr nicht kommen können. Gibt es irgendetwas, was Sie den Jugendlichen auf den Weg geben würden?

Frère Thimotee: Das ist schwer zu sagen. Wir sind uns natürlich bewusst, dass es eine herausfordernde Situationen in unterschiedlicher Hinsicht ist, dass Gewissheiten in Frage gestellt sind und dass viele Leute sich ganz konkrete Fragen stellen. Insofern will man auch nicht vorschnell die Krise zu einer Chance umdeuten.

Aber wer weiß, wenn man es einmal gesagt hat, dass die Schwierigkeiten real sind und dass es viele Fragen gibt, vielleicht gibt es ja doch den einen oder die andere, die sich die Fragen stellen können: Was erlebe ich auch neu in dieser Zeit? Was merke ich, dass bei allen meinen sonstigen Aktivitäten runtergefahren wird, eigentlich im Kern meines Lebens wirklich wichtig für mich ist? Vielleicht kann es auch eine Zeit von Neuentdeckungen werden, neben all den Herausforderungen, die natürlich auch da sind.

Das Interview führt Michelle Olion.

(DR)

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