Pfarrer bedauert Ende von Gebetsruf-Aktion mit Muslimen

"Wir wollten zum Gebet aufrufen, nicht herbeirufen"

In Berlin war es zu Verstößen gegen Corona-Schutzmaßnahmen gekommen. Nun hat der evangelische Pfarrer und Mitinitiator einer gemeinsamen "Gebetsruf"-Aktion von Christen und Muslimen die Beendigung durch die Behörden bedauert.

Muslime in Deutschland (dpa)
Muslime in Deutschland / ( dpa )

"Wir wollten zum Gebet aufrufen, nicht aber zum Gebet herbeirufen", erklärte Reinhard Kees am Dienstag auf Anfrage. "Dass es so viele als Herbeirufen missverstanden haben, ist schade."

Zeichen des Zusammenhalts

Das Interkulturelle Zentrum der evangelischen Genezareth-Gemeinde und die Begegnungsstätte der Dar-as-Salam Moschee wollten mit zeitgleichem Glockenläuten und öffentlichem islamischem Gebetsruf täglich ein "Zeichen des Zusammenhalts in der Corona-Krise" setzen.

Beim Auftakt der Aktion am vergangenen Freitag kamen Polizeiangaben zufolge rund 300 Menschen zu der Moschee in Berlin-Neukölln. Dem Imam, dem Ordnungsamt und der Polizei sei es nur teilweise gelungen, die Menschen dazu zu bewegen, den vorgeschriebenen Abstand zu halten. Das Gebet sei im Einvernehmen mit dem Imam deshalb vorzeitig beendet worden.

Stadtrat spricht Verbot aus

Am Montag untersagte der Gesundheitsstadtrat des Bezirks, Falko Liecke (CDU), der Dar-as-Salam Moschee offiziell, weitere öffentliche Gebetsrufe abzuhalten. Er begründet das Verbot mit den "erheblichen Verstößen" gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Pfarrer Kees sieht die Aktion indes nicht als gescheitert an: "Ich denke, wir haben damit vielen Menschen gezeigt, dass wir als abrahamitische Geschwister zusammenstehen." Er bezog sich dabei darauf, dass Juden, Christen und Muslime sich auf die biblische Gestalt des Abraham als ihren Stammvater beziehen.


Quelle:
KNA