Katholikenkomitee für Stundung von Kirchensteuern
Auswirkungen der Corona-Krise auf Kirchensteuereinnahmen

30.03.2020

Finanzielle Auswirkungen der Corona-Krise für die Kirche "Für die deutschen Bistümer ist das dramatisch"

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind kaum absehbar. Experten erwarten einen eklatanten Rückgang der Steuereinnahmen. Werden dies auch die deutschen Bistümer zu spüren bekommen? Stichwort Kirchensteuer?

DOMRADIO.DE: Alle Fachleute und die Politik erwarten einen dramatischen wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Krise. Der Bundesfinanzminister geht von einem Rückgang allein seiner Steuereinnahmen um 33,5 Milliarden Euro in diesem Jahr aus, bei den Ländern dürften es noch einmal so viel sein. Wird sich das auch auf die Einnahmen der Kirchen auswirken?

Ernst Dohlus (Journalist und Diplom-Volkswirt): Natürlich. Die Kirchensteuer hängt ja von der Höhe der Lohn- und Einkommensteuer ab. In NRW bekommen die Kirchen acht Prozent des Betrags, den ihre Mitglieder an Lohn- oder Einkommensteuer bezahlen. Man kann davon ausgehen, dass Bund und Länder im laufenden Jahr gemeinsam etwa 35 Milliarden weniger Lohn- und Einkommensteuer einnehmen werden. 57 Prozent der Steuerzahler sind Kirchenmitglieder, zahlen also Kirchensteuer.

Der Rückgang der Lohn- und Einkommensteuer bedeutet damit für die beiden christlichen Kirchen zusammen etwa 1,5 Milliarden Euro weniger Kirchensteuer. Da sie gemeinsam mit über zwölf Milliarden geplant und gerechnet haben, heißt das, dass sie zwischen zehn und 15 Prozent weniger bekommen werden als in den Wirtschaftsplänen vorgesehen.

Für die deutschen Bistümer ist das deshalb so dramatisch, weil die Kirchensteuer knapp 80 Prozent ihrer Gesamteinnahmen ausmacht. Und im Gegensatz zum Staat können die Bistümer nicht unbegrenzt Schulden machen.

DOMRADIO.DE: Ab wann rechnen Sie mit diesem Einbruch der Einnahmen und wie lang wird das dauern?

Dohlus: Das wird voraussichtlich im Mai beginnen, wenn die Finanzämter die von den Arbeitgebern erhaltene Kirchensteuer und den Anteil an den Steuervorauszahlungen überweisen.

Etwa fünf Millionen Selbständige und Kleingewerbetreibende werden im April keine oder weniger Steuervorauszahlungen leisten, an die sechs Millionen Arbeitnehmer – so rechnet das IFO-Institut für Wirtschaftsforschung – werden Kurzarbeitergeld erhalten und damit keine Lohnsteuer mehr bezahlen. Sie alle fallen deshalb auch als Kirchensteuerzahler aus. Das sind die sofortigen Wirkungen.

Am Ende des Jahres wird es weitere Einbrüche geben. Dann wird die Abgeltungssteuer für Kapitaleinkünfte viel weniger Geld in die Kirchenkasse bringen als bisher wegen der Verluste an den Aktienmärkten. Und auch die Bistümer, die ihre Reserven zum Teil auch in Aktien angelegt haben, werden am Aktienmarkt weniger oder keine Dividende bekommen, der Wert ihrer Anlagen wird sinken.

Das Ausmaß hängt vom Aktienkurs ab. Wenn der Dax vom Jahresende bis heute um ein Viertel an Wert verloren hat, und das so bleibt, trifft das ja nicht nur jeden Aktiensparer, sondern auch die Bistümer.

DOMRADIO.DE: Trifft das alle Bistümer gleich? Wie wird es sich im Erzbistum Köln auswirken zum Beispiel?

Dohlus: Das Erzbistum Köln erwartet in diesem Jahr Kirchensteuereinnahmen von 685 Millionen Euro, durch Corona könnten am Jahresende um die 70 Millionen Euro fehlen. Dennoch könnte das Erzbistum Köln dieses Defizit ausgleichen durch seine Rücklagen, Köln ist ja eines der reichsten Bistümer in Deutschland.

Theoretisch könnte es alle geplanten Ausgaben finanzieren. Doch niemand weiß, wie schnell sich die Wirtschaft erholt, wie es im nächsten Jahr mit den Arbeitsplätzen und der Kirchensteuer aussieht.

Vermutlich werden die meisten Bistümer zur Jahresmitte anfangen zu sparen, wo immer das geht. Aber kurzfristig geht bei den Kirchen sehr wenig zu sparen, denn mit dem Geld werden in erster Linie die Priester und Angestellten bezahlt, die Gemeinden unterstützt und Bauvorhaben oder Renovierungen finanziert.

Schwierig wird es in manch anderen Bistümern, beim Erzbistum Hamburg beispielsweise. Dort gibt es keinerlei Rücklagen und Reserven, dort muss wohl eine Schnellbremsung bei den Ausgaben erfolgen oder andere Bistümer müssen helfen.

DOMRADIO.DE: Können diese Ausfälle bei der Kirchensteuer irgendwie kompensiert werden durch andere Einnahmen?

Dohlus: Ich sehe da kurzfristig keine Möglichkeit. Alle anderen Einnahmen, von Staatsleistungen über Zinsen und Mieten bis hin zum Kirchgeld oder Spenden sind im Verhältnis zur Kirchensteuer so gering, dass selbst eine kurzfristige Verdoppelung nichts hilft.

Und solange die katholischen Christen nicht zum Gottesdient gehen können, fallen ja sogar Kollekten aus, die meist bei den Kirchengemeinden bleiben. Aber auch Caritas und Misereor werden den Ausfall der Kollekten zu spüren bekommen.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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