Auf dem Friedhof soll die Erinnerung wieder lebendig werden
Eine Amsel auf einem Grabstein

21.03.2020

Wie Menschen in Zeiten der Pandemie mit dem Tod umgehen "Corona wird Trauer grundsätzlich verstärken"

Wegen des Coronavirus dürfen Beerdigungen vielerorts nur noch im kleinsten Kreis und unter Einhaltung besonderer Hygienestandards stattfinden. Was macht das mit den Trauernden? Und welche Alternativen gibt es?

Für Susanne Hering steht am Montag die erste Beerdigung an, die von den neuen Regeln in Bezug auf die Corona-Krise betroffen ist. Im Kirchort der Gemeindereferentin, Sankt Hedwig in Wiesbaden, dürfen Trauerfeiern bis auf Weiteres nur noch im Freien stattfinden und sind auf höchstens 25 Trauergäste beschränkt. Das Grünflächenamt der Stadt hat die Kirchen entsprechend angewiesen.

Eine Gedenkveranstaltung im Freien birgt jedoch eine Menge Risiken. Sollte es beispielsweise stark regnen, müsste Hering die Trauerfeier kürzen. Statt mehrerer Stationen, die eine Beisetzung für gewöhnlich hat, gäbe es nur eine kurze Begrüßung, ein Gebet und ein Psalm.

Handschlag zum Beileid entfällt

Anschließend würde schon die eigentlich Beisetzung mit Fürbitten und dem Vaterunser beginnen.

Der Handschlag, um sein Beileid auszudrücken, fällt in Zeiten von Corona jedenfalls weg. Das sei eine "merkwürdige Situation", sagt Hering. Der Stadtdekan von Wiesbaden rate sogar, Trauergespräche nur noch am Telefon zu führen. Davon hält die Gemeindereferentin jedoch wenig: "Das ist eine seelsorgerische Angelegenheit, sowas kann man nicht am Telefon besprechen."

Sie fährt weiterhin zu den Menschen nach Hause, hält sich jedoch an die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen. Sankt Hedwig bietet den Hinterbliebenen zudem sogenannte Auferstehungsfeiern an - also nachgeholte Trauerfeiern oder Massenrequiems an, sobald die Kirchen und Trauerhallen wieder geöffnet sind.

Wie schwer die aktuelle Situation für Hinterbliebene ist, weiß die Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper. "Corona wird sicherlich die Trauer grundsätzlich verstärken, weil alles so unberechenbar und verrückt ist", erklärt sie. Trauer bringe die Welt ohnehin aus den Fugen, weil nichts mehr so sei, wie es war. Durch die Corona-Krise komme eine zusätzliche Unsicherheit in dieser ohnehin schwierigen Lage hinzu.

Wegen der Einschränkungen können viele Menschen nicht so Abschied nehmen, wie sie sich das wünschen. In einigen Regionen dürfen nur noch Verwandte ersten Grades - also Ehepartner, Eltern und Kinder, nicht aber Geschwister oder Enkel - an Trauerfeiern teilnehmen. Auf den 14 Partnerfriedhöfen der Deutschen Friedhofsgesellschaft finden seit Mittwoch gar keine Bestattungen mit Angehörigen mehr statt.

Schroeter-Rupieper rät Betroffenen, sich alternative Formen des Abschiednehmens zu suchen: Sie könnten etwa vor der Beerdigung einen Brief oder Blumen in das bereits ausgehobene Grab legen oder jemanden die Beerdigung filmen lassen für diejenigen, die nicht kommen dürfen.

Neue Formen suchen, um Beileid auszudrücken

Die Trauerbegleiterin ermutigt die Menschen außerdem, nach neuen Formen zu suchen, um Beileid auszudrücken. "Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass wir uns neue Worte einfallen lassen, die sinnvoll sind und zu uns passen", erklärt Schroeter-Rupieper. Instinktiv und rituell werde immer die Hand ausgestreckt oder in den Arm genommen; neue Wegen der Beileidsbekundung müsse man erst lernen. "Die Nähe bekommt man auch durch Worte oder Blickkontakt hin", sagt sie.

Es sei in dieser speziellen Situation besonders tragisch, wenn man nicht mehr wie gewohnt Trost spenden könne durch Umarmungen oder einen Handschlag, sagt hingegen der Pressereferent der Verbraucherinitiative für Bestattungen Aeternitas, Alexander Helbach.

Der Verein appelliert dennoch an die Betroffenen, für die restriktiven Maßnahmen Verständnis zu zeigen. Außerdem verweist Aeternitas auf die Möglichkeit, Beerdigungen über Onlinedienste zu übertragen oder sie - im Falle einer Feuerbestattung - zu verschieben. Die Fristen seien hier zwar je nach Bundesland verschieden, Ausnahmeregelungen aber meist ohne Probleme möglich, so Helbach.

Online-Portale wie "Soulium" könnten in Zeiten von Corona ebenfalls eine Alternative für manche Trauernden sein. Sie bieten die Möglichkeit, online Gedenkstätten anzulegen und sich mit anderen Trauernden auszutauschen. Neben Bildern können auch Videos oder Nachrufe hinzugefügt werden. Kondoliert wird per Direktnachricht: eine weitere Form, während der Corona-Krise einerseits Trauer, andererseits auch Mitgefühl auszudrücken.

Denise Thomas
(KNA)

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