Hände waschen: nicht überall möglich
Hände waschen: In Südafrika ein Problem

18.03.2020

Südafrika während Corona-Pandemie in der Wasserkrise Wie soll man Händewaschen ohne Wasser?

2010 erklärte die UNO Wasser zum Menschenrecht. Doch in Südafrika ist der Zugang immer noch eingeschränkt. Das zeigt sich vor allem in den vielen Townships. Was bedeutet das in Zeiten der Corona-Pandemie?

Khayelitsha, das zweitgrößte Township Südafrikas: Nebenan, in der modernen Metropole Kapstadt, laufen die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus an. Am Sonntag rief Präsident Cyril Ramaphosa den Katastrophenzustand aus. Bisher gibt es "nur" knapp über 60 Infizierte.

Doch die Township-Bewohnerin Nonceba Ndlebe ist besorgt: "Wenn das Virus durch ungewaschene Hände übertragen wird, werden wir alle es bekommen." Gemeinsam mit ihren Nachbarn teilt sie sich drei Gemeinschaftswasserleitungen, wie das südafrikanische Portal GroundUp berichtet. Der Weltwassertag am Sonntag steht am Kap im Zeichen des Coronavirus: Wie regelmäßig Händewaschen, wenn bloß 46 Prozent der Südafrikaner über eine hauseigene Wasserleitung verfügen?

Nur schlammige Brühe aus der Leitung

Die Statistik steht im Gegensatz zu Südafrikas Image als moderner Schwellenstaat mit der zweitgrößten Wirtschaft des Kontinents - und zu der offiziellen Angabe, dass mehr als 90 Prozent Zugang zu Wasser haben. Sichtbar wird das Problem im Township Tumahole südlich von Johannesburg. Auch dort werden die Bewohner von Gemeinschaftsleitungen versorgt. Trotzdem schaffen die meisten ihr Wasser von anderen Quellen mit Schubkarren in Kanistern heran, denn aus ihrer Leitung kommt nur eine schlammige Brühe.

Auch die Zahl der Südafrikaner mit Zugang zu einem Waschbecken mit Seife variiert stark: Sind es im Westkap rund um Kapstadt mehr als 80 Prozent, sinkt die Zahl in der unterentwickelten Provinz Limpopo auf 36. Für die südafrikanische Journalistin Redi Tlhabi ist der Aufruf zum Händewaschen ein "Witz", solange es Gemeinden gebe, "die um Wasser betteln, die vor Gericht um Wasser kämpfen müssen, und deren Gelder für Infrastruktur die Taschen von anderen füllen".

Angesichts des Gesundheitsnotstands versprach Südafrikas Wasserministerin Lindiwe Sisulu nun schnelle Hilfe für die Armenviertel des Landes. Die Regierung will die Townships mithilfe von Wassertrucks und mit Desinfektionsmöglichkeiten versorgen. Doch einige Kritiker zweifeln an dem Vorhaben, funktioniert ja die Versorgung in vielen Landesteilen schon in normalen Zeiten kaum bis gar nicht.

Dhesigen Naidoo ist Geschäftsführer der staatlichen Wasserforschungskommission. Für ihn steht fest: "Südafrikas Wasserprobleme gründen in unserem fortdauernden Unvermögen, das Wasser, das wir bereits haben, erfinderisch, effektiv und wirksam zu nutzen." Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) wirbt regelmäßig damit, dass er Millionen Südafrikanern nach der Apartheid nicht nur Strom und Sozialwohnungen, sondern auch fließendes Wasser brachte. Vor kurzem mussten die Politiker in der Hauptstadt Pretoria jedoch eingestehen: Der Anteil der Haushalte mit verlässlichem Wasserzugang ist im Vergleich zu 1994 gesunken.

Auch eine Dürre hat Südafrika fest im Griff

"Während sich die Wasser- und Sanitärkrise negativ auf das Wirtschaftswachstum und die ökologische Nachhaltigkeit auswirkt, bedroht sie vor allem Gesundheit und Wohlbefinden von armen Südafrikanern", heißt es im kürzlich vorgestellten "Masterplan" von Südafrikas Regierung. Mit ihm will Ministerin Sisulu Südafrikas Wasserkrise bis 2030 beenden. Kostenpunkt: 52 Milliarden Euro, um das alte und marode Wassernetz zu erneuern. Darüber hinaus müssten Südafrikaner ihre Einstellung zur Ressource ändern, erinnern die Verantwortlichen. Denn obwohl es in Südafrika nur etwa halb so viel regnet, verbrauchen seine Bewohner pro Kopf 60 Liter mehr Wasser am Tag als der Weltdurchschnitt.

Hinzu kommt eine Dürre, die Südafrika derzeit fest im Griff hat. Die Kleinstadt Makhanda, ehemals Grahamstown, musste wegen des Wassermangels auf Notbetrieb umstellen. Jeden dritten Tag wird den 70.000 Einwohnern das Wasser abgestellt. Einige Geschäfte und Behörden schlossen vorübergehend. Schulen und Krankenhäuser können den Betrieb dank Hilfsorganisationen aufrechthalten, die Wasser per LKW heranschaffen.

Verschwendung, Klimawandel, marode Rohre. All das spielt eine Rolle in Südafrikas Wasserdilemma, doch Beobachter vermuten noch andere Ursachen. Laut der Enthüllungsplattform Daily Maverick haben die Korruptionsskandale der vergangenen Jahre unter Ex-Präsident Jacob Zuma auch vor dem Wasserministerium nicht Halt gemacht. Milliarden Rand seien auf fragwürdige Weise verschwunden, heißt es.

Markus Schönherr
(KNA)

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