17.03.2020

Klosterbrauerei Ettal versorgt Umgebung mit Getränken Heimdienste der Klöster waren früher üblich

Viele bieten ihre Hilfe für bedürftige oder besonders gefährdete Menschen an, denen es in der Corona-Krise besonders schwerfällt, ihren Einkauf zu erledigen. So auch die Klosterbrauerei Ettal. Sie liefert aber mehr als nur Bier.

DOMRADIO.DE: Eine Ausgangssperre gibt es in Bayern noch nicht, aber der Katastrophenfall wurde ausgerufen und viele Menschen bleiben jetzt zu Hause, sparen sich also auch den Gang zum Getränkemarkt. Richtig?

Pater Johannes Bauer (Cellerar des Benediktinerklosters Ettal): Das ist richtig. Wir merken es hier deutlich, dass die Straßen wie leergefegt sind, gerade auch in unserer Urlaubsregion. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat ja auch einen hohen Anteil an älterer Bevölkerung, die sich doppelt so schwer tut, ihre Einkäufe zu erledigen.

DOMRADIO.DE: Sie liefern quasi jetzt frei Haus die ganzen Köstlichkeiten, die es im Kloster in flüssiger Form gibt? Das kommt mit Sicherheit gut an, nehme ich an.

Bauer: Wir haben halt überlegt, was wir tun können, um auf diese außergewöhnliche und bisher in der Geschichte unseres Landes noch nie dagewesene Situation zu reagieren. Und da haben wir gedacht, ein Fahr- oder Auslieferdienst, wir nennen es "Heimdienst", ist vielleicht eine Möglichkeit zu helfen, weil gerade ältere Menschen sich schwertun mit dem Einkaufswagen bis zu den meist am Ortsrand liegenden Einkaufszentren zu kommen.

DOMRADIO.DE: Das Ganze ist also nicht ein Marketing-Gag, sondern für Sie als Ettaler Mönche steckt da auch mehr dahinter?

Bauer: Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie wir jetzt zusammenstehen und Solidarität zeigen können. Klar ist, dass wir die Getränke nicht kostenlos liefern können. Aber es geht auch nicht nur um Bier, sondern es geht auch um Mineralwasser und Säfte und so weiter.

DOMRADIO.DE: Seit über 400 Jahren produzieren Sie in Ettal Biere und Liköre. Gab es das früher auch schon, dass die Mönche losgezogen sind und die Menschen mit ihren Kloster-Produkten versorgt haben, wenn es mal brenzlig wurde?

Bauer: Wir hatten zumindest mal in der Vergangenheit einen Heimdienst, den viele Brauereien hatten, den wir dann aber im Zuge der Umstrukturierung unseres Vertriebs in den 1980er Jahren eingestellt hatten. Den haben wir jetzt praktisch reaktiviert. Früher waren die Klöster ja geradezu Versorgungsanstalten für die ganze Umgebung. Zu Ettal gehörten damals im 18. Jahrhundert 3.000 Einwohner, die durch das Kloster versorgt wurden.

DOMRADIO.DE: Jetzt sind Sie als Mönche unterwegs in der Umgebung. Eine sehr schöne Landschaft in Garmisch-Partenkirchen und ums Kloster Ettal herum. Aber es kann ja noch so schön sein. Auch Sie müssen sich jetzt gerade auch schützen vor dem Virus, der überall unterwegs ist. Worauf achten Sie da besonders momentan?

Bauer: Wir haben allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verhaltensregeln gegeben, dass sie zum Beispiel bei der Begrüßung aufs Händeschütteln verzichten und auch, wenn man sich noch so gerne hat, nicht so viel abbusselt bei jeder Gelegenheit, dass man natürlich die Handhygiene verstärkt. Wir haben unseren Fahrern Desinfektionsmittel mitgegeben, dass sie die Hände auf ihren Fahrten und bei den Auslieferungen immmer wieder desinfizieren können, sodass die Ansteckungsgefahr möglichst gering ist.

(DR)

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