Symbolbild Vandalismus in der Kirche
Symbolbild Vandalismus in der Kirche
Stefan Lunte
Stefan Lunte

21.07.2020

In Frankreich werden jedes Jahr 1.000 Kirchen Opfer von Vandalismus Nantes war kein Einzelfall

Im Schnitt gibt es in Frankreich jeden Tag drei Übergriffe auf Kirchen und christliche Symbole. Französische Bischöfe haben lange versucht, diese Vorfälle "unter der Decke zu halten“, vermutet der Experte Stefan Lunte. Was hat Nantes verändert?

DOMRADIO.DE: Wie gefährdet sind die französischen Kirchen?

Stefan Lunte (Französischer Kommunalpolitiker und Mitarbeiter der EU-Bischofskommission COMECE): Es gibt 42.000 Kirchen und Kapellen in Frankreich. Eine große Zahl. Das hat auch mit der hohen Zahl von kleinen Dörfern in Frankreich zu tun. Jedes Jahr gibt es etwa 1.000 Akte, die sich gegen Kirchen, christliche Symbole oder Friedhöfe richten.

Das ist schon eine hohe Zahl, seit 2017 relativ stabil. Im Moment steht natürlich die Kathedrale von Nantes im Vordergrund. Im letzten Jahr war es die große Notre Dame-Kathedrale in Paris. Das beeindruckt und bedrückt die Menschen, die Christen in Frankreich.

DOMRADIO.DE: Jeden Tag werden in Frankreich im Schnitt drei Kirchen geschändet, sagt eine Statistik. Da ist die Rede von Vandalismus an Kreuzen zum Beispiel. Dann gibt es Beispiele auch, wo der Tabernakel geleert wurde, die geweihten Hostien zu Boden geworfen worden sind. Was steckt denn Ihrer Meinung nach hinter diesen Taten?

Lunte: Das ist schwer zu erklären. Es gibt Satanismus-Kulte, es gibt auch ganz extrem anarcho-libertäre Gruppen. Das sind oft dann auch Menschen, die psychologisch vollkommen destabilisiert sind.

Es ist im Einzelfall nicht so richtig immer auszumachen, aber in der Summe ist es vor allen Dingen beeindruckend und bedrückend, wie ich schon gesagt habe. Da geschieht etwas in der französischen Gesellschaft, das lange so nicht richtig wahrgenommen wurde. Und jetzt tritt das natürlich mit diesen Großbränden nochmal ganz deutlich vor Augen. Inzwischen wird es ja auch von der Politik stärker aufgegriffen, als es vorher der Fall war. Da geschieht etwas in der französischen Gesellschaft.

Insgesamt gibt es also eine auch in der Fläche festzustellende Entwicklung. Dieses Land entchristlicht sich. Es gibt auch Menschen, die aus welchen Motiven auch immer, christliche Symbole - Kirchen, Kreuze, Friedhöfe - zerstören, oder sie vandalisieren.

DOMRADIO.DE: Es gibt gleichzeitig auch Berichte, das wollen wir nicht verschweigen, dass zum Beispiel auf einem jüdischen Friedhof auch Schäden angerichtet wurden. Aber tatsächlich richtet sich wirklich viel Vandalismus gegen christliche Kirchen, und man hat das Gefühl, meistens berichtet dann nur die Lokalpresse darüber. Glauben Sie, man versucht, diese Taten kleinzuhalten?

Lunte: Ich kann das nicht belegen, aber ich weiß, dass es auch unter den Bischöfen in Frankreich lange Zeit so eine Tendenz gab. "Das ist wirklich schrecklich. Aber wenn wir das jetzt an die große Glocke hängen, wird es noch schlimmer", weil es ja immer dieses Phänomen gibt, dass sich Leute dann angesprochen fühlen, wenn sie so etwas lesen, das könne man selbst ja auch mal versuchen.

Da war die Strategie ziemlich lange, das unter der Decke zu halten. Aber das funktioniert nicht. Das ist jetzt offensichtlich. Ich glaube, da ist nach diesem Brandanschlag gegen die Kathedrale von Nantes, glaube ich, so ein Ruck durch die französische Kirche, aber auch durch die politische Klasse gegangen, dass da jetzt anders agiert werden muss.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn eine Erklärung dafür, dass es Frankreich besonders hart trifft, oder ist dieses Thema auch in anderen europäischen Ländern auf dem Vormarsch?

Lunte: Das gibt es in allen europäischen Ländern. Aber ich glaube schon, dass Frankreich da besonders betroffen ist. Woran das liegt, darüber kann man natürlich nur spekulieren. Es gibt diese Entchristlichung der Gesellschaft. Die Bedeutung von religiösen Symbolen wird nicht mehr verstanden, oder sie wird bewusst interpretiert aus einer ganz schwarzen, negativen satanischen Weltsicht heraus. Da ist in Frankreich auch im Vergleich zu Deutschland eine andere Stimmung zu spüren.

Das Gespräch führte Verena Tröster.

(DR)

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