Kölner Feuerwehr im Einsatz
Kölner Feuerwehr im Einsatz

21.05.2019

"Gemeinwohlatlas" mit schlechtem Zeugnis für katholische Kirche Nur knapp vor dem DFB

Welche Institutionen tragen in Deutschland am meisten zum Gemeinwohl bei? Dazu wurden rund 12.000 Menschen befragt. Das Ergebnis ist gerade für die katholische Kirche desaströs. Auch wenn es bei kirchlichen Organisationen Lichtblicke gibt.

Platz 102 von 137: Die römisch-katholische Kirche trägt nach Meinung der Deutschen im Vergleich der wichtigsten Institutionen des Landes eher wenig zum Gemeinwohl bei. Die Abstände zum in der Rangliste des "Gemeinwohlatlas 2019" direkt dahinter folgenden Deutschen Fußball-Bund sind äußerst gering.

Danach kommen neben weiteren Fußballverbänden und auch -vereinen noch Unternehmen wie Deutsche Bank und Commerzbank, Volkswagen oder Facebook, Twitter und Instagram. Vorgestellt wurde die Umfrage am Dienstag in Berlin.

Kirchliche Organisationen unter den Top Ten

Auf den oberen Rängen finden sich die Feuerwehr und zahlreiche Hilfs- und Rettungsorganisationen wie das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz wieder. Unternehmen wie Carl Zeiss, die Drogeriemarkt-Kette dm und Miele landen - als beste privatwirtschaftliche Vertreter - in den 30ern. Die evangelische Kirche kommt auf einen im Vergleich respektablen Platz 19.

Und immerhin: Die aufgeführten kirchlichen Organisationen wie Caritas, Diakonie, Malteser Hilfsdienst und Brot für die Welt schaffen es zum Teil sogar in die Top Ten.

Von einer Kluft zwischen den katholischen Sozialwerken und ihrem eigentlichen Träger, der Kirche, spricht der Studienleiter hinter dem Gemeinwohlatlas, Timo Meynhardt. Der Wirtschaftspsychologe von der Leipziger Graduate School of Management HHL sagte bei der Vorstellung, in der Schweiz sei das Verhältnis von katholischer und evangelischer Kirche im dortigen Gemeinwohlatlas ähnlich ausgefallen.

Seine Vermutung: "Der lange Schatten aus Rom" in Form von zentralen Einlassungen des Vatikan trage dazu bei, da diese stark die Medien bestimmten.

Für den Atlas wurden knapp 12.000 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland in diesem Frühjahr online befragt. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa führte die Studie im Auftrag der Leipziger Forscher und der Universität St. Gallen durch. In einem ersten Schritt wurden 137 Unternehmen und Organisationen nach Kriterien wie Umsatz, Bedeutung oder Anzahl der Mitglieder ausgewählt.

Im Gegensatz zur ersten derartigen Befragung im Jahr 2015 waren dieses Mal die Kirchen dabei. Auch im ersten Gemeinwohlatlas war die Feuerwehr auf Platz eins gekommen.

Die Forscher formulierten vier Fragen, die die Teilnehmer auf einer Skala von 1 ("stimme nicht zu") bis 6 ("stimme zu") beantworten sollten: Leistet die Organisation im Kerngeschäft gute Arbeit? Trägt sie zur Lebensqualität bei? Zum Zusammenhalt? Und verhält sie sich anständig? Aus den Einzelwerten wurde dann die Gesamtliste gebildet.

Gute Arbeit der Kirche vor Ort in Misskredit geraten

Auch in den einzelnen Bereichen schneidet die katholische Kirche nirgendwo wirklich gut ab. Eher im Gegenteil: Gerade bei der Moral erreiche sie den schlechtesten Wert, wie Forscher Meynhardt erklärte.

Man müsse kein Wissenschaftler sein, um zu sehen, dass die letzten zehn, fünfzehn Jahre durch Skandale dazu geführt hätten, dass die gute Arbeit der Kirche vor Ort in Misskredit geraten sei.

Für Meynhardt besonders auffällig: Das hiesige Verständnis von Gemeinwohl sei eigentlich durch eine Geistestradition geprägt, die die katholische Kirche vorangebracht habe. Die Wissenschaft habe bei der Entwicklung des säkularisierten Gemeinwohl-Denkens immer wieder Anleihen bei der Kirche genommen. Heute nehme diese aber nicht mehr am Diskurs teil, beklagte der Forscher.

Insgesamt sorgen sich der Umfrage zufolge acht von zehn Deutschen um das Gemeinwohl. Zugleich würden aber neun von zehn sagen, dass sie selbst etwas dafür tun wollten, sagte Meynhardt. Eine positive Botschaft für alle Institutionen, die im aktuellen Gemeinwohlatlas schlecht abschneiden, hatte indes Marcel Holick von Forsa: Die Werte seien nicht in Stein gemeißelt, sondern unterlägen auch Schwankungen.

Alexander Riedel
(KNA)

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