Der Eistruck "ParadEIS" in Berlin
Der Eistruck "ParadEIS" in Berlin
Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch ist an manchen Tagen im Eistruck anzutreffen
Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch ist an manchen Tagen im Eistruck anzutreffen

13.08.2021

Erzbistum Berlin lädt mit Eis zum Nachdenken ein Wie schmeckt dein Glaube?

Der Eiswagen "ParadEIS" tourt zur Zeit durch das Erzbistum Berlin. Dahinter steckt die Berliner Citypastoral. Wie das Konzept funktioniert und ob man beim Eis essen auch über den Glauben nachdenken kann, verrät Pastoralreferentin Carla Böhnstedt.

DOMRADIO.DE: Spielt das Wetter denn mit?

Carla Böhnstedt (Pastoralreferentin bei der Berliner Citypastoral): Das Wetter spielt uns total in die Karten, schon die ganzen Tage. Wir haben riesiges Glück gehabt. Während es in der letzten Woche noch sehr kalt und regnerisch war, haben wir in dieser Woche wirklich über 30 Grad. Und das spült uns ganz viele heißhungrige Menschen an unseren Eisschrank. Von daher könnte es wettermäßig gar nicht besser laufen.

DOMRADIO.DE: Dieser Eistruck "ParadEIS" ist ja ein citypastorales Sommerprojekt im Erzbistum Berlin. Sieht der Wagen aus wie diese Eisbullis, die früher durch den Park fuhren und dann bimmelten?

Böhnstedt: Nein, das ist kein Bulli, sondern eher ein Sprinter. So wie diese Lieferfahrzeuge, die man häufig in den Straßen sieht. Er ist schwarz und hat eine türkisfarbene Aufschrift von der Firma, von der wir uns den geliehen haben. Wir haben unser Design da ein bisschen angepasst. Vor allem aber ist das Besondere an unserem Truck, dass wir auch noch eine kleine Szenerie drum herum geschaffen haben. Das heißt, es gibt vier Beachflags, es gibt vier Liegestühle, es gibt zwei Aufsteller, die unsere Speisekarten enthalten und so haben wir versucht, eine Atmosphäre zu schaffen. Auf diesen Beachflags und Liegestühlen sieht man zum Beispiel jeweils unser Logo. Das ist dann immer eine ausgestreckte Hand, die eine Waffel in der Hand hält. Und als Eiskugel ist dann mal eine Wolke da, mal eine Pusteblume, mal ein Heißluftballon und mal eine Seifenblase.

Das heißt, es soll ein kleines Verfremden des Moments sein, mit dem wir einfach neugierig machen wollen. Das Ganze kann man auch noch als Postkarte mitnehmen. Wir haben eine Wimpelkette an unserem Truck hängen und ich hoffe, dass das einfach eine Atmosphäre schafft, die auch Lust macht auf unser "ParadEIS".

DOMRADIO.DE: Führen Sie da dann auch seelsorgerliche Gespräche?

Böhnstedt: Man merkt, dass die Leute erstmal ganz neugierig schauen, wenn sie sich dem Ganzen nähern und dann häufig fragen: Kann man bei Ihnen ein Eis kaufen? Und dann sagen wir: Nein, kaufen nicht, aber wir schenken es Ihnen. Und dann kommen immer erst überraschende Blicke. Aber wir machen in diesen letzten zwei, drei Tagen die Erfahrung, dass die Leute sich total gut darauf einlassen. Es geht bei unserem ParadEIS-Projekt darum, dass wir Fragen stellen wollen, nämlich die Frage: Wie schmeckt dein Glaube? Beziehungsweise: Was brauchst du unbedingt zum Leben? Worauf könntest du nicht verzichten? Was ist dir so wichtig und wertvoll, dass das das Fundament deines Lebens und deines Glaubens ist?

Anhand dieser Frage haben wir versucht, fünf Eissorten zu kreieren. Wir haben diese Frage vor einigen Wochen Freunden, Kollegen, Bekannten und Verwandten gestellt. Und die Antworten haben wir versucht, in Eissorten zu übersetzen. Da gibt es dann ganz unterschiedliche Eissorten, anhand derer die Leute sich einmal ihren Grundgeschmack des Lebens aussuchen können. Und wenn sie merken, dass sie das gern noch ein bisschen differenzieren würden, kann man immer noch verschiedene Toppings dazunehmen.

DOMRADIO.DE: Welche Eissorten kann man bei Ihnen denn bekommen?

Böhnstedt: Unsere Eissorten heißen Wagemut, Aroma Amor, Trostgold, Eden für Jeden und Traute Nuss. Wagemut zum Beispiel enthält Überraschungskomponenten, aber auch eine Spur von Nichtwissen und von zartschmelzendem Ahnen. In Aroma Amor sind feurige Leidenschaft und erfrischende Neugier drin, eine sinnliche Sinnsuche. Im Trostgold verbinden sich Verlässlichkeit und Zuversicht, die auch in der Dunkelheit einen Lichtstrahl aufscheinen lässt. Das sind erstmal die Eissorten, anhand derer die Gäste an unserem Truck ihre Auswahl treffen. Wir geben ihnen dann die Eissorten, die wirklich dahinter stecken, verraten aber nicht, was es ist, sondern laden die Leute ein, dem ein bisschen nachzuschmecken.

Das ist immer ein ganz witziges Bild, wenn ganz viele Leute vor unserem Truck stehen und dann überlegen: Ist das vielleicht Vanille? Oder doch etwas ganz anderes? Manchmal gelingt es richtig gut, dass sie einen Volltreffer landen und manchmal kommen sie in ganz andere Gefilde. Es ist ganz, ganz spannend, wie sie das interpretieren, was sie auf der Zunge haben.

DOMRADIO.DE: Welche Erfahrungen haben Sie schon mit den Leuten gemacht, die da kommen?

Böhnstedt: Wir machen interessanterweise ganz viele tolle Erfahrungen, weil die Leute eben nicht nur kommen, um sich ein Eis zu holen, sondern weil sie auch wirklich Lust haben, sich auf unsere Fragen – Was brauchst du unbedingt zum Leben? Was ist für dich das Fundament? – einzulassen. Wir hatten zum Beispiel sofort am ersten Tag drei Abiturienten mit dick bepackten Fahrrädern hier, die sagten: Wir brechen gerade auf, einmal um die Welt. Wir wollen ein Jahr lang mit dem Fahrrad unterwegs sein. Sie hatten gerade mal fünf Kilometer geschafft. Die haben sich dann bei uns ein kleines Eis geholt und sind dann in die weite Welt aufgebrochen.

Was ich auch toll fand war, dass wir einen Touristen bei uns am Eistruck hatten, der unser Eis probiert hat und sich auch sehr inspiriert gezeigt hat durch unsere Sorten. Und als er wegging, wurde er von einem anderen Touristen angesprochen, der dann fragte: Sagen Sie mal, gibt es hier Eis? Und er sagte dann: Ja schon, aber die haben hier keine richtigen Sorten, sondern nur Lebenserfahrungen, die Sie wählen müssen. Und der andere Tourist guckte dann ganz irritiert, hat sich aber wirklich überzeugen lassen, näher zu treten und hat sich dann auch von uns bedienen lassen. Solche Begegnungen haben wir hier am laufenden Band und das macht das für uns einfach so kostbar.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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