Demonstration am Garzweiler Tagebau: Polizeifahrzeuge stehen hinter dem Ortseingangsschild von Lützerath
Demonstration am Garzweiler Tagebau: Polizeifahrzeuge stehen hinter dem Ortseingangsschild von Lützerath
Demonstration am Garzweiler Tagebau: Ein symbolisch aufgebautes schwarzes Gedenkkreuz vor Lützerath
Demonstration am Garzweiler Tagebau: Ein symbolisch aufgebautes schwarzes Gedenkkreuz vor Lützerath

08.01.2021

Protest gegen Abriss von Lützerath bei Erkelenz Eine Frage der christlichen Verantwortung

Der Ort Lützerath droht wie schon der Nachbarort Immerath dem Tagebau weichen zu müssen. Dagegen wird kräftig protestiert. Auch Marie-Theres Jung aus dem Diözesanrat im Bistum Aachen spricht sich für einen Stopp der Abrissarbeiten aus.

DOMRADIO.DE: Sie müssen uns bitte mal kurz auf den Stand der Dinge bringen. Eine sogenannte Leitentscheidung der Landesregierung NRW ist die gesetzliche Grundlage für den künftigen Braunkohleabbau in NRW. Bis zum 1. Dezember hatten Bürger, Kommunen und Verbände ihre Meinung zu einem Entwurf der Landesregierung abgegeben. Auch Sie haben sich geäußert. Was haben Sie gesagt?

Marie-Theres Jung (Stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrats im Bistum Aachen): Auch wir haben eine Entscheidung eingereicht. Für uns ist dieser Entwurf noch nicht weitreichend genug im Blick auf die jetzt im Kohleausstiegsgesetz formulierten Beschlüsse. In diesem Entwurf ist auch die Erhaltung der Pariser Klimaziele noch gar nicht bedacht. Es dürfte nicht so viel Kohle gefördert werden und verbrannt werden.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie haben Stellung bezogen zur aktuellen Kohle- und Klimadebatte. Was werfen Sie denn der Landesregierung vor?

Jung: Auch die Beschlüsse der Kohlekommission sind noch nicht eins zu eins umgesetzt worden. Und vor allen Dingen gab es ja bereits 2019 vom Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung Berechnungen, dass die Kohle unter den jetzt noch bedrohten Dörfern nicht benötigt würde. Auch ihre Flöze sind wesentlich dünner und nicht ertragreicher. Alle Berechnungen sollten da auch mit einbezogen werden in diese Leitentscheidungen.

DOMRADIO.DE: Die rund 500 Anregungen, die es da gab bis Dezember, die würden jetzt vom Wirtschaftsministerium ausgewertet, heißt es. Gibt es denn noch berechtigte Hoffnung, die Zerstörung der Dörfer, also auch die Umsiedlung, zu verhindern?

Jung: Ja, das hoffen wir, wenn man wirklich diese Berechnungen jetzt auch alle mit einbezieht. Es hat ja auch noch ein Gutachten gegeben, das ja vom Ministerium in Auftrag gegeben worden ist, allerdings dann jetzt ein Jahr verschlossen blieb. Wenn man diese Berechnungen mit einbezieht, dann gibt es durchaus Hoffnungen, dass diese Dörfer und damit auch die großen Ackerflächen mit bester Bodenqualität erhalten bleiben können.

DOMRADIO.DE: Häufig hört man von einem Engpass in der Energieversorgung der Bürger als Argument, diesen Tagebau da voranzutreiben. Das ist für Sie kein Argument. Warum?

Jung: Nein, das wird einem ja oft vorgeworfen, dass man gegen Kohleverstromung ist, aber abends dann das Licht noch anschalten möchte. Aber in Deutschland ist ja auch ein Strom-Exporteur. Wir exportieren Strom in andere Länder. Gaskraftwerke stehen still, weil eine Überkapazität da ist von Kraftwerken. Auch erneuerbare Energien müssen weiter ausgebaut werden und könnten noch weiter ausgebaut werden. Ich glaube, da ist noch viel Potenzial, das nicht genutzt worden ist.

DOMRADIO.DE: Erst in dieser Woche hat es ja wieder Proteste in Lützerath gegeben. Unter anderem die Aktivisten der Klimagerechtigkeitsbewegung sagen: RWE, der große Energieversorger, darf hier eigentlich in den nächsten Jahren gar nicht weiter abbaggern, da die Gerichte noch nicht über die Klage eines Lützerather Bauern gegen eine Enteignung entschieden haben. Also welche Chancen haben die Menschen in Lützerath tatsächlich dann noch?

Jung: Das Gericht hat noch nicht entschieden über diese Enteignung. Man sollte auch erst den wirklichen Beschluss der Leitentscheidung abwarten. Erst ab dann sollte RWE auch Maßnahmen ergreifen. Die Landstraße ist jetzt schon zurückgebaut worden, Bäume sind gefällt worden. Es wird zwar begonnen, wieder Häuser abzureißen, aber es sind ja noch keine klaren Entscheidungen auf dem Tisch. Bis dahin sollte RWE auch aufgefordert werden, diese Arbeiten zurückzustellen.

DOMRADIO.DE: Am Mittwoch hat es einen Sternsinger-Gottesdienst in Lützerath gegeben, um auch wieder Aufmerksamkeit für die Situation vor Ort zu erzeugen. Was können solche Aktionen bewirken? Da werden ja sicherlich noch weitere folgen.

Jung: Es ist natürlich ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die dort enteignet und umgesiedelt werden. Aber es sind natürlich auch Zeichen auf das Thema Klimawandel und Klimaschutz aufmerksam zu machen. Jetzt unter Corona ist natürlich vieles nicht möglich.

Ich denke, wenn die Situation jetzt anders wäre, wären die Protestaktionen auch wesentlich größer und aktiver. Gerade diese gefeierten Gottesdienste, finde ich, sind eine besondere Form, auch noch einmal zu zeigen, in welcher christlichen Verantwortung wir liegen. Überall dort, wo Raubbau an der Natur stattfindet, dort sollten wir aufstehen und dagegen protestieren.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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