Bistum Mainz will Trägerschaft von fünf katholischen Schulen abgeben
Bistum Mainz will Trägerschaft von fünf katholischen Schulen abgeben
Bischof Peter Kohlgraf im Portrait
Bischof Peter Kohlgraf im Portrait
Weihbischof Udo Markus Bentz
Weihbischof Udo Markus Bentz

30.09.2020

Bistum Mainz plant Einschnitte bei Schulen und Tagungshäusern Unvermeidlicher Schritt

Von "schmerzhaften Einschnitten" spricht Bischof Peter Kohlgraf: Das Bistum Mainz werde sich von mehreren katholischen Schulen und Tagungshäusern verabschieden müssen. Nun hat die Diözese ihre Pläne öffentlich gemacht.

Es sind strategische Überlegungen, die vom Bistum Mainz von langer Hand vorbereitet, mit Experten beraten und jetzt öffentlich gemacht wurden: Das Bistum will im Zuge von Einsparungen die Trägerschaft bei fünf katholischen Schulen abgeben und drei Tagungshäuser schließen.

Schmerzhafte Einschnitte

"Es sind schmerzhafte Einschnitte, die wir auf verschiedenen Ebenen des Bistums vornehmen müssen", betonte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Mittwoch vor Journalisten bei der Vorstellung der Pläne zur "Neustrukturierung des Bildungs- und Tagungsbereiches".

Bei Umsetzung der geplanten Maßnahmen rechnet das Bistum nach eigenen Angaben mit jährlichen Einsparungen in Höhe von rund 15 Millionen Euro. Die Diözese, deren Haushalt seit mehreren Jahren defizitär ist, verwies auf massiv sinkende Kirchensteuereinnahmen wegen der Corona-Krise.

Abschied von bisher Gewohntem

"Dieser Abschied von bisher Gewohntem und Selbstverständlichem wird schwer werden", sagte der seit drei Jahren amtierende Bischof. "Aber gleichzeitig gehen wir mit dieser Neustrukturierung einen Weg, der unvermeidlich ist." Und weiter: "Wir gestalten den Wandel unserer Kirche."

Beabsichtigt sei, bei 5 der 18 Schulen des Bistums die Trägerschaft nicht fortzuführen. Das Bistum trete nach ersten Gesprächen jetzt in Verhandlungen mit den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz sowie den Kreisen der betroffenen Kommunen über die Übernahme der Trägerschaften der Schulen.

Der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Udo Markus Bentz sagte zur Strategie des Bistums: "Wir gehen an diesem Mittwoch mit unseren Überlegungen an die Öffentlichkeit, um in Ruhe und mit Transparenz die Umsetzung und die Lösung vieler Detailfragen angehen zu können."

Nach seinen Angaben sind folgende Schulen betroffen: die Liebfrauenschule in Bensheim, die Hildegardisschule in Bingen, die Martinus-Grundschule in Mainz-Gonsenheim sowie das Ketteler-Kolleg und -Abendgymnasium in Mainz.

Für das Theresianum in Mainz solle "eine eigene Trägerkonstruktion geschaffen werden", etwa in Form einer kirchlichen Stiftung. Kriterien für die Auswahl der Schulen waren den Angaben zufolge vor allem betriebswirtschaftliche, personalpolitische, regionale und seelsorgerliche Aspekte.

Das Bistum stehe zu pluraler und hochwertiger Bildung, sagte Bentz. Dies könne die Diözese aber langfristig nicht mehr in dem Umfang wie bisher ermöglichen, sonst lebe sie über ihre Verhältnisse. Es brauche spürbare strukturelle Veränderungen, nicht allgemeine Sparmaßnahmen nach dem Gießkannenprinzip.

Um dauerhaft eine solide Haushaltsplanung vorlegen zu können, müsse das Bistum schrittweise 20 bis 25 Prozent seiner Ausgaben einsparen, sagte Bentz. Bis 2030 bedeute das ein Einsparvolumen von mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr. Dabei gehöre der Bildungsbereich zu den größten Posten im Haushalt: Von den erwarteten Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 232,6 Millionen Euro gingen im Wirtschaftsplan für das Jahr 2020 insgesamt 68,2 Millionen Euro in den Bereich Schulen, Hochschulen und Religionsunterricht.

Auch Tagungshäuser werden schließen

Um Schulen und Tagungshäuser professionell führen zu können, müsse das Bistum sein Engagement "auf ein Maß beschränken, das wir uns auch in Zukunft noch leisten können". Besonders schmerzhaft sei es, dass das Bistum sich "auch von gut laufenden Einrichtungen trennen muss".

Geplant sei, das Haus am Maiberg in Heppenheim zum 31. Dezember 2022 zu schließen. Der Arbeitsschwerpunkt sozialpolitischer und sozialethischer Bildung solle an einem anderem Ort fortgeführt werden. Bereits zum Ende des laufenden Jahres wolle das Bistum das Haus Sankt Gottfried in Ilbenstadt schließen. "Trotz Steigerung der Belegzahlen in den vergangenen Jahren lässt sich das Haus nicht wirtschaftlich führen", so Bentz. Zudem wolle das Bistum das Kardinal-Volk-Haus auf dem Rochusberg in Bingen Ende 2022 schließen.

Geplant sei, die Schwerpunkte der Häuser am Kloster Jakobsberg in Ockenheim zusammenzuführen.

Kohlgraf sagte, heute gehe es um Schulen und Tagungshäuser, aber der Wandel betreffe "alle Bereiche". Beabsichtigt sei, die bisherigen 134 Seelsorgeeinheiten der Diözese bis 2030 in 50 Pfarreien zusammenzuführen. "Die Institution Kirche wird kleiner - an Mitgliedern, an finanziellen Mitteln und auch an Menschen, die sich für ein christliches Profil engagieren wollen", so der Bischof.

Deshalb sei es jetzt die Aufgabe, der Kirche ein Gesicht zu geben, "das in diese veränderte Zeit passt".

Norbert Demuth
(KNA)

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