Bischöfliches Ordinariat steht auf einem Schild der Diözese Eichstätt
Bischöfliches Ordinariat steht auf einem Schild der Diözese Eichstätt

04.09.2020

Anhörung zu Vorwürfen gegen Eichstätter Domkapitular geplant Kommt Licht ins Dunkel?

Im Fall des durch Vorwürfe sexueller Übergriffe belasteten Eichstätter Domkapitulars gibt es offenbar neue Entwicklungen. Am Montag soll es zu einer ersten kirchlichen Anhörung im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt kommen.

Dies teilten die Anwälte des Beschuldigers am Freitag in München mit. Zudem habe sich inzwischen ein weiterer Mann gemeldet und eidesstattlich versichert, dass auch er während seiner Tätigkeit im Vatikan von dem Priester zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sei.

Überdies habe man weitere Zeugen gefunden, die den Verdacht bestätigten, "dass Verantwortungsträger in Rom und Eichstätt eine Strafverfolgung des Prälaten, wider besseres Wissen und über Jahre hinweg, verschleppt und seine mutmaßlichen Taten vertuscht haben", so die Anwälte weiter.

Bistum Eichstätt hält sich bedeckt

Das Bistum Eichstätt ging auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nicht direkt auf diese Aussagen ein. Es teilte mit, man habe wegen der Vorwürfe gegen den Geistlichen eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet. Deren Sinn sei es, "erhobene Vorwürfe auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, um danach zu entscheiden, ob ein Verfahren eröffnet wird. Zum aktuellen Stand dieser laufenden Voruntersuchung können und dürfen wir analog zu weltlichen Vorermittlungsverfahren keine öffentliche Auskunft geben."

Das Bistum verwies erneut darauf, dass der Betreffende seine Ämter und Funktionen in der Diözese ruhen lasse. Seine Aufgaben nähmen kommissarisch Vertreter wahr. Diese Maßnahme habe die Bistumsleitung nach Rücksprache mit dem Beschuldigten getroffen.

Domkapitular ein früherer Vatikan-Diplomat

Bei dem Domkapitular handelt es sich um einen früheren Vatikan-Diplomaten, der laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung vom April 2019 gegen einen ihm unterstellten Geistlichen im Vatikan mehrfach sexuell übergriffig geworden sein soll. Der Beschuldiger habe in einem der Zeitung vorliegenden Brief erklärt, er sei häufig "Opfer sexueller Übergriffe" seines damaligen Vorgesetzten geworden und in der Folge psychisch erkrankt. Im Vatikan sei der Fall bekannt.

Laut Bistum wies der Beschuldigte die anonym erhobenen Vorwürfe als falsch zurück.

Die Ingolstädter Staatsanwaltschaft, die unmittelbar nach dem "Bild"-Bericht ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet hatte, teilte der KNA am Freitag mit: "Es wird weiterhin geprüft, ob zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegen."

(KNA)

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