Forschungsleiter Guido Faccani vor den Medien
Forschungsleiter Guido Faccani vor den Medien
Erkanbald: Sarkophag ist wieder zu
Erkanbald: Sarkophag ist wieder zu

14.11.2019

Forschungsleiter zur Mainzer Erkanbald-Sensation Kriminologische Kleinstarbeit

Archäologen, Anthropologen, Textilwissenschaftler, Historiker und Kriminologen haben lange geforscht, nun ist klar: Im 1.000 Jahre alten Sarkophag der evangelischen Johanniskirche in Mainz liegt ein katholischer Erzbischof. Der Forschungsleiter berichtet.

DOMRADIO.DE: Wer liegt denn nun im Sarkophag?

Dr. Guido Faccani (Forschungsleiter): Es dürfte allem Anschein nach und dem Indizienprozess entsprechend, den wir geführt haben, tatsächlich Erzbischof Erkanbald sein.

DOMRADIO.DE: Indizienprozess hört sich nach Kriminalfall an, nach Kleinstarbeit. Woran hat man das denn festgemacht? Wie haben die Forscher das bewiesen?

Faccani: Die Kleinstarbeit hat tatsächlich etwas Kriminologisches. Es ist einerseits die Archäologie, die betrieben wird und mit Schichten und Funden die Dinge schon mal datiert. Dann ist es weiter die Anthropologie, die Wissenschaft, die sich mit dem Skelett beschäftigt. War es ein Mann? Hat er Krankheiten gehabt? Wie groß war er? Dann ist in unserem Fall die Textilwissenschaft ganz wichtig: Wie schauen die Kleider aus? Was waren das für Kleider? Geben sie Aufschluss über die Funktion der Person, die sie trug? Und dann noch die naturwissenschaftliche Datierung, C-14-Datierung ist da das Stichwort. Nicht zu vergessen schließlich die Geschichtsforschung. 

DOMRADIO.DE: Jetzt weiß man, es ist Erzbischof Erkanbald. Was bedeutet das für die Geschichtsschreibung im Bistum Mainz?

Faccani: Die Geschichte in Mainz wird sich nicht verändern, die ist ja festgeschrieben. Aber wir haben jetzt ein Mosaiksteinchen mehr in der Geschichte von Mainz festmachen und wieder platzieren können. Und das heißt, die Johanniskirche ist durch diese Entdeckung jetzt für das erste Jahrtausend als Kathedrale in Mainz festgeschrieben. Der heutige Dom, die Kathedrale, hat eine Vorgängerin in Sankt Johannis, wo wir diesen Sarkophag geöffnet haben.

DOMRADIO.DE: Das hört sich jetzt alles so selbstverständlich an, dass man diesen Sarkophag geöffnet hat und alles untersucht hat. Gab es eigentlich im Vorfeld Diskussionen darum, ob man den Sarkophag einfach so öffnen darf, zum Beispiel auch wegen der Totenruhe?

Faccani: Die Totenruhe wird streng rechtlich auf 25 Jahre beziffert. Bei Gruften sind es 50 Jahre, danach würde man die rechtliche Totenruhe nicht stören. Es geht mehr um den Respekt, um Pietät im Handeln. Und da haben wir zuerst in langen Diskussionsverfahren geklärt, was die Möglichkeiten und Resultate sind, die wir aus der Öffnung ziehen können. Müssen wir das wirklich öffnen oder können wir es nicht geschlossen lassen? Da wir so viele Argumente gesammelt hatten, die zeigten, dass da ein umwerfendes Ergebnis zu erwarten war, haben wir uns entschlossen, den Sarkophag zu öffnen.

DOMRADIO.DE: Wie hatte man den überhaupt gefunden?

Faccani: Es war ein Zufall. Es wurde mit dem Reparieren einer Heizung begonnen und dann traten ältere Baureste zutage, von denen man schon länger wusste und die auch schon viel diskutiert waren.

DOMRADIO.DE: Was passiert jetzt mit dem Sarkophag?

Faccani: Der Sarkophag bleibt, wo er ist. Die sterblichen Überreste dieses Erzbischofs bleiben auch am Ort. Der Sarkophag ist ja auch schon länger wieder verschlossen. Da kommt nichts raus, da ist auch nichts rausgekommen. Das bleibt alles so, wie es war. Wir haben auch während der Untersuchung die Gebeine weder verschoben noch umgelagert.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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