Symbolbild Wallfahrt
Symbolbild Wallfahrt
Weihbischof Stefan Zekorn
Weihbischof Stefan Zekorn

01.05.2019

Münsteraner Weihbischof zum Beginn der Wallfahrtssaison Besinnung auf das, was Kirche eigentlich ist

Mit dem Mai beginnt die Wallfahrtszeit. Staubiges Image oder aktueller denn je? Zu Fuß oder mit dem Rad – gemeinsam auf dem Weg zu sein, sei ein Symbolbild, auf dass sich Kirche in Zeiten der Krise besinnen sollte, meint Weihbischof Stefan Zekorn.

DOMRADIO.DE: Sie eröffnen heute im Wallfahrtsort Werl im Erzbistum Paderborn die diesjährige Wallfahrtszeit. Ist das Pilgern zu einem Gnadenbild wie in Werl 2019 überhaupt noch aktuell?

Weihbischof Stefan Zekorn (Bistum Münster): Wenn ich auf die Menschen schaue, die das tun - die vielen Hunderttausende in ganz Deutschland - dann erlebe ich, das Wallfahrten total aktuell sind. Ich erlebe Menschen, wie sie gemeinsam auf dem Weg mit Gott als Ziel sind. Das tut einfach gut.

DOMRADIO.DE: Sind Jugendliche und junge Menschen überhaupt noch für so etwas zu begeistern?

Zekorn: Meine Wahrnehmung ist, dass gerade bei den Fußwallfahrtsgruppen sehr viele junge Leute dabei sind. Die traditionelle Buswallfahrt ist wahrscheinlich nicht so der Stil von jungen Leuten, dagegen aber Fahrradwallfahrten oder Fußwallfahrten. Es gibt inzwischen sogar Inline-Skates-Wallfahrten – da sind viele junge Leute dabei.

DOMRADIO.DE: Was ist die Motivation bei einer Wallfahrt mitzumachen?

Zekorn: Die Erfahrung, die man auf einer Wallfahrt machen kann, lässt sich nicht in einem Satz zusammenfassen. Und es ist auch nicht für alle gleich. Aber ich glaube, dass es eine große Bedeutung hat, gemeinsam unterwegs zu sein. Das Unterwegssein spielt eine wichtige Rolle. Wenn man körperlich unterwegs ist, macht das etwas mit der Seele.

Man tut das gemeinsam und betet dabei. Das verändert und verwandelt und so erleben viele Menschen, wenn sie am Wallfahrtsort ankommen, dass sie eine Zeit erlebt haben, die sie verändert und in die Tiefe geführt hat. Das ist gerade in unserer Zeit, die uns im Alltag schnell oberflächlich werden lässt, ganz wichtig.

DOMRADIO.DE: Wie geht es Ihnen persönlich, was gibt Ihnen eine Wallfahrt?

Zekorn: Mir geht es genauso. Gerade wenn ich eine Fußwallfahrt mache, zum Beispiel von Münster nach Telgte. Dann erlebe ich diese innere Erneuerung. Und ich wünsche mir, dass gerade heute am 1. Mai, wo an vielen Wallfahrtsorten die Wallfahrtszeit eröffnet wird, viele Menschen das erleben - ob sie nun zu Fuß kommen oder nicht.

Ob hier in Werl oder auch an den anderen Orten: Die Gottesdienste werden etwas sein, was den Einzelnen bereichert und einen Kontakt zu Gott schenkt, wie wir ihn unbedingt brauchen.

DOMRADIO.DE: Wir kennen ja die unterschiedlichsten Wallfahrtsorte. Zum Beispiel zum heiligen Jakobus, der berühmte Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Die allermeisten sind Marienwallfahrtsorte wie Lourdes, Fatima, Altötting, Kevelaer oder eben auch Werl. Dort feiern Sie heute die Eröffnung. Woher kommt diese Sehnsucht der Gläubigen besonders der Gottesmutter so nah zu sein?

Zekorn: Weil Maria uns so unmittelbar nahe ist in all unseren Fragen und in unserem Alltag. Ich glaube, das nehmen sehr viele wahr – Maria, die selbst gefragt hat: "Wie soll das eigentlich geschehen?" Viele von uns, die ja notwendigerweise in ihrem Leben fragen, wohin soll es eigentlich gehen? Das ist übrigens das Wallfahrtsmotto diesen Jahres.

Die Menschen fragen sich doch auch: "Wie soll das geschehen, was ich wahrnehme, das ich ersehne". Und Maria ist die, die all das getragen hat, aber im Vertrauen auf Gott und aus seiner Kraft. Ich glaube viele erleben, dass uns Maria eine große Hilfe sein kann, es selbst zu tun. Sie hat nicht immer die konkreten Antworten, aber im Gehen eines Weges mit Gott und im Vertrauen auf seinen Geist, finden sich Antworten.

DOMRADIO.DE: Sie haben es schon gesagt: Das biblische Wort für die Wallfahrtszeit in Werl und an anderen Orten ist "Wohin sollen wir gehen". Es is eine schwierige Zeit für die Kirche, eine Zeit der Krise. Welche Kraft für die Zukunft kann man aus dem Wallfahren ziehen?

Zekorn: Es ist wirklich eine schwierige Zeit für die Kirche. Viele sind mit Recht enttäuscht und erschreckt über das, was an Abgründen sexuellen Missbrauchs deutlich geworden ist. Gleichzeitig nehme ich wahr, dass es einen Riss gibt, der durch die Kirche geht - ein vertikaler Riss durch alle Gruppierungen.

Eine große Mehrheit sagt: "Wir brauchen eine Veränderung der Lehre". Aber die Mehrheit in der Weltkirche sagt: "Nein, genau das brauchen wir nicht". Da stellt sich genau diese Frage: "Wohin sollen wir gehen?"

DOMRADIO.DE: Wohin sollen wir denn gehen?

Zekorn: Ich glaube, das Entscheidende ist beim Wallfahren und beim Beten anzufangen. Meiner Erfahrung und auch die des Evangeliums ist, das die konkreten Antworten aus der Beziehung zu Jesus Christus und der täglichen Nachfolge erwachsen. Das ist es, wozu uns das Evangelium immer wieder einlädt. Wenn uns die vielen Marienfiguren an den Wallfahrtsorten regelrecht Jesus hinhalten, dann zeigen sie uns ihn als die Lösung.

Vielleicht werden manche jetzt sagen "okay, das ist ja keine ganz konkrete Antwort", aber nochma: Ich glaube, die konkreten Antworten ergeben sich aus dem Gebet und der täglichen Nachfolge. In der Kirchengeschichte hat sich gezeigt, wenn wir allzu sehr von uns her Antworten suchen, führt das häufig zu Fehlentwicklungen und manches Mal auch zu Spaltungen.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(DR)

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