Sanierung des Freiburger Münsterturms
Sanierung des Freiburger Münsterturms

12.06.2018

Sanierung des Freiburger Münsterturms abgeschlossen Endlich oben ohne

Wahrzeichen, Werbe-Ikone und Wunder der Architektur: Der Turm des Freiburger Münsters zieht die Blicke auf sich. Jahrelang aber war er von Baugerüsten verhüllt. Dies wird sich aber nun bald wieder ändern.

Noch wenige Wochen, dann kann der Freiburger Münsterturm erstmals seit 2006 ohne Baugerüst bewundert werden. "Eine Mammutaufgabe liegt hinter uns. Jetzt müssen nur noch die Gerüstbauer die verbliebene Konstruktion sicher auf den Boden zurückbringen", sagt Münsterbaumeisterin Yvonne Faller. Mitte September soll es so weit sein. Dann lädt die Münsterbauhütte zum Abschlussfest auf den Münsterplatz ein.

Im Verhältnis zur sieben Jahrhunderte dauernden Geschichte des Freiburger Wahrzeichens sind zwölf Jahre Sanierung ein Wimpernschlag. Und doch wuchs zuletzt bei vielen die Ungeduld, "ihr Münster", ihre Bürger- und Bischofskirche, endlich gerüstfrei erleben zu können. "Natürlich wären wir gerne schneller fertig geworden", sagt Faller. "Aber zu Beginn hätten wir nie gedacht, welche enormen Herausforderungen auf uns warten."

Stabilität des gesamten "Turmhelms" war gefährdet

Das Ausbessern schadhafter Buntsandsteine, filigraner Zierelemente, die Restaurierung von Maßwerken und Figuren - das war Routine. Schockiert waren die Experten, als sie entdeckten, dass das von den Baumeistern im Mittelalter erdachte Ringankersystem Schaden genommen hatte und die Stabilität des gesamten "Turmhelms", der luftig konstruierten 40 Meter hohen Turmspitze gefährdet war. Mehrere Ecksteine, auf denen ein Großteil des Gewichts des insgesamt 620 Tonnen schweren Turmhelms liegt, waren beschädigt. Und die in ihrem Inneren verbauten Metallringe, die als Anker für stabilisierende Metallstangen dienen, durchgerostet.

"Es war der kritischste Moment der gesamten Sanierung", erinnert sich Projektleiter Thomas Laubscher. Erfahrungen von anderen Kirchtürmen gab es nicht, da die Freiburger Konstruktion weltweit einzigartig ist. Erst nach aufwendigen statischen Modellrechnungen und monatelange Debatten konnten Lösungen gefunden werden, um die Stabilität des Turms zu sichern und gleichzeitig keine weithin sichtbaren Eingriffe nötig zu machen. Kurzzeitig war angedacht worden, große Metallseile von außen um den Turm herum zu legen. "Das konnten wir zum Glück verhindern", so Laubscher. Stabilisierende Verspannungen wurden nahezu unsichtbar eingebaut.

Nach Möglichkeit auf moderne Materialien verzichtet

Insgesamt ersetzten die Steinmetze 121 schadhafte Steine und reparierten 225 Steinteile. Dabei musste fast keiner der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Originalsteine ausgetauscht werden. "Die meisten Beschädigungen gab es bei Bauteilen, die bei vorherigen Sanierungen, vor allem in den 1920er und 1960er Jahren, schon einmal ersetzt wurden", so Laubscher. Bis heute sind mehr als 80 Prozent der Buntsandsteine Turmhelms die Originale. "Die Fähigkeiten unserer mittelalterlichen Vorgänger sind verblüffend."

Ein Prinzip der Sanierung war es, wo immer möglich, auf moderne Materialien zu verzichten. Und diese Bewahrung des historischen Schatzes hat nun sogar die Weltkulturorganisation geadelt: Die Deutsche Unesco-Kommission nahm das Münsterbauhütten-Handwerk als Immaterielles Kulturerbe in das nationale Verzeichnis auf.

Spenden und öffentliche Mittel für Erhalt

Die Restauratoren sind sich sicher, dass der Turm für die kommenden Jahrzehnte gut dastehen wird. "In 50 Jahren wäre es sicher gut, mal wieder einen genaueren Blick darauf zu werfen, um erste kosmetische Reparaturen anzugehen. Aber unser Anspruch ist schon, für die Ewigkeit zu arbeiten", sagt Laubscher. Vorausgesetzt, dass Schäden nicht durch Vandalismus entstehen. Zuletzt kletterten Unbekannte nachts auf den Turm und hängten ein Kinderfahrrad und eine Gitarre auf.

Der Respekt für die gotische Kathedrale aber überwiegt. Dies wird auch bei der Finanzierung der Sanierung deutlich: Denn ein Löwenanteil des Gesamtetats von 13 Millionen Euro stammt aus Spenden und Stiftungen. Von Kirche, Stadt und Land kamen rund 5 Millionen Euro. Und Spenden und öffentliche Mittel werden auch künftig dringend gebraucht, wie Münsterbauvereinschef Sven von Ungern-Sternberg betont. "Das Münster in Ehren zu halten und zu erhalten, das ist eine Herausforderung für jede Generation." Nach dem Turm geht es jetzt an den Chor. Geplante Sanierungsdauer: zehn Jahre.

Volker Hasenauer
(KNA)

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