Stefan Weinert
Stefan Weinert
Abschlusskonferenz zur Synode in Trier
Abschlusskonferenz zur Synode in Trier

02.05.2016

Trierer Theologe zieht positives Fazit zur Bistumssynode Konstruktives Miteinander

Gemeindereformen, Perspektivwechsel und der Blick auf die Familien - die Trierer Bistumssynode hatte zahlreiche Themen auf der Agenda. Der Trierer Theologe Stefan Weinert zieht im Interview ein positives Fazit und lobt das synodale Miteinander.

domradio.de: Was steht denn in dem Abschlussdokument, das jetzt in Kraft getreten ist, drin?

Stefan Weinert (Leiter des Bereichs Rundfunkarbeit im Bistum Trier): Eine ganze Menge. Der Bischof wollte konkrete Empfehlungen für den zukünftigen Weg der Kirche im Bistum Trier. Die hat er auch bekommen. Aber die Synode hat auch festgestellt, dass es nicht genügt, da und dort an ein paar Stellschrauben zu drehen. Deshalb ist sie auch noch grundlegender rangegangen. Die Synode sagt, es müssen sich Grundhaltungen ändern. Ganz wichtig sei dabei die Teilhabe aller und die Vielfalt als Geschenk Gottes anzunehmen, ebenso die Geschlechtergerechtigkeit und Optionen für die Armen wahrzunehmen. Zudem müssten sich die Perspektiven ändern - zentral hat sie vier Perspektivwechsel benannt.

domradio.de: "Abschied nehmen" und "Paradigmenwechsel" sind zwei der Schlagworte, die dabei eine Rolle spielen  - und auch, dass die Zeiten der Volkskirche vorbei seien. Sind diese Schlagworte als Perspektivwechsel gemeint?

Weinert: Das Ende der Volkskirche, von denen der Bischof selber spricht, ist sozusagen das Ergebnis der gründlichen Analyse, auf die dann die vier konkreten Perspektivwechsel aufbauen. Nämlich: vom einzelnen her denken - also nicht mehr für den einzelnen denken und ihn in ein katholisches Schema pressen, sondern schauen, wie die Menschen einzeln tatsächlich leben. Zweitens: Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen - also nicht schauen, was dringend erledigt werden muss, und dann sucht man sich vielleicht unter Druck Leute dafür, sondern schauen, was die Menschen bei uns von Gott mitbekommen haben, womit wir dann Kirche entwickeln können.

domradio.de: Bei "Charismen vor Aufgaben" könnte man sich auch denken, man sucht sich Leute mit viel Charisma und sagt denen, sie sollen für einen arbeiten, oder?

Weinert: Nein, eben genau umgekehrt. Man schaut, was die Leute mitbringen und was man damit vor Ort machen kann. Dann gibt es vielleicht auch Aufgaben, die nicht erledigt werden. Es wird also künftig nicht mehr überall alles in den Gemeinden gemacht werden. Die Gemeinden werden künftig deutlich größer sein. Das ist der dritte Perspektivwechsel. Die Gemeinden werden eher netzwerkartig sein, es wird nicht mehr alles überall angeboten, sondern man schaut, wo es beispielsweise einen möglichen Schwerpunkt für Jugendarbeit in so einer großen Pfarrei gibt. Man schaut, wo es einen Schwerpunkt für Spiritualität gibt. Das wird alles vernetzt. Der vierte Perspektivwechsel ist schließlich, das synodale Prinzip bistumsweit zu leben. Das heißt nicht, dass die Synode jetzt Dauerzustand wird. Aber das, was man da erfahren hat, gemeinsam an etwas zu arbeiten, im Austausch zu stehen und dabei auch den Geist Gottes zu erleben, soll insgesamt noch stärker im Bistum Trier Einzug halten.

domradio.de: Spielt der Abschied von kleinteiligen Pfarrstrukturen denn auch eine Rolle?

Weinert: Ja, auf alle Fälle. Abschiede werden allgemein eine Rolle spielen. Es ist klar gesagt worden, dass wir uns von alten Sachen verabschieden müssen, die auch bisher gut waren, aber die Volkskirche ist eben am Ende. Dazu gehört, dass die Pfarreistrukturen weiter werden. Bisher gibt es im Bistum 900 Pfarreien, die aber jetzt schon in 170 pastorale Einheiten zusammengefasst sind. Die neue Richtzahl lautet: etwa 60 Pfarreien neuen Typs. Diese werden größer, raumgreifender sein als bisher. Da wird es natürlich Kirchorte geben. Aber nicht in jeder Gemeinde wird alles angeboten, was ja auch jetzt schon nicht funktioniert, wenn man einmal ehrlich ist.

domradio.de: Was genau wird das für Konsequenzen haben, wenn man es noch weiter denkt?

Weinert: Es sind eine Menge ganz konkreter Empfehlungen gegeben worden. Ich greife einfach zwei heraus: Die künftigen Pfarreien werden beispielsweise künftig Leitungsteams bekommen - mit dem Pfarrer an der Spitze. Das sind Teams, in denen Haupt- aber auch Ehrenamtliche beteiligt sein sollen. Ein anderes Beispiel kommt aus dem Bereich Familie: Natürlich, sagt die Synode, sei die christliche, sakramentale Ehe das Ziel. Dafür wolle man die Menschen auch gewinnen, man wolle dafür werben und die Leute unterstützen. Aber man nehme wahr, dass in der Gesellschaft das Familienbild sehr viel weiter geworden ist. Dazu gehören Patchworkfamilien, Alleinerziehende, aber zum Beispiel auch gleichgeschlechtliche Paare, die elterliche Sorge für Kinder übernehmen. Das alles nehmen wir wahr. Diese Formen sollen da, wo sie Gutes beinhalten, wertgeschätzt werden. Und für alle diese Formen von Familie wollen wir für und mit diesen Leuten zusammen Angebote entwickeln.

domradio.de: Ist das etwas, wovon andere Bistümer lernen können?

Weinert: Das müssen die für sich selber entscheiden. Es war die Synode für das Bistum Trier. Aber Bischof Ackermann hat sehr genau wahrgenommen, dass er gefragt wurde, was man denn im Bistum auf der Synode bespricht und wie das ganze abläuft. Zum Ende der Synode hat er dann sehr selbstbewusst gesagt, man habe erfahren, "Synode geht". Voraussetzung dafür sei, dass man sich gegenseitig vertraut - er als Bischof hat den Synodalen Vertrauen geschenkt, die Synodalen haben ihm Vertrauen geschenkt. Das ist von beiden Seiten auch immer wieder so gesagt worden. Wenn man es so mache, dann sei die Synode eine Möglichkeit, sagt Bischof Ackermann.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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