Papst Franziskus schreibt
Papst Franziskus hat ein Schreiben zur Amazonassynode verfasst
 Sr. Anna Mirijam Kaschner
Sr. Anna Mirijam Kaschner

12.02.2020

Nordische Generalsekretärin zum Papstschreiben "Querida Amazonia" "Ein visionäres, prophetisches Dokument"

Keine "Viri Probati", keine Frauenweihe - viele Reform-Hoffnungen auf das postsynodale Schreiben des Papstes wurden enttäuscht. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist das Dokument so wertvoll, meint Ordensschwester Anna Mirijam Kaschner.

DOMRADIO.DE: Manche Reformer sprechen von einer Katastrophe, die Konservativen freuen sich, weil nun doch keine tiefgreifenden Reformen kommen. Wie schätzen Sie das Dokument "Querida Amazonia" ein? 

Anna Mirijam Kaschner CPS (Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz): Das Dokument ist meiner Meinung nach ein visionäres, ja ein prophetisches Dokument. Ein Schreiben, in dem Papst Franziskus seine Vision einer gerechten Welt in Amazonien vorstellt – und dazu zugleich konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.

Die vier großen Überschriften zeigen genau die Herausforderungen, denen sich die Kirche in diesem riesigen Gebiet stellen und mit denen sie arbeiten muss: Die sozialen, die kulturellen, die ökologischen und die kirchlich-pastoralen Herausforderungen. Der Papst schreibt diese Worte aus einer persönlichen Betroffenheit, das ist im Text deutlich zu spüren. Ich denke, die Synode hat ihm persönlich gezeigt, wie ernst die Lage dort ist – und nicht umsonst nennt er das nachsynodale Schreiben "Querida Amazonia – geliebtes Amazonien“.

DOMRADIO.DE: Der Begriff "Viri Probrati" taucht im Text nicht einmal auf, obwohl das Abschlussdokument der Synode das explizit vorgeschlagen hatte. Stattdessen sollen nun für mehr Berufungen gebetet und mehr Missionare in den Amazonas entsandt werden. Aus Ihrer Diaspora-Erfahrung: Ist das der richtige Weg? Oder hätte es die Weihe verheirateter Männer gebraucht? 

Kaschner: Ich denke, es ist sehr weise von Papst Franziskus, die Frage der Viri Probati aus dem Dokument herauszuhalten. Der Fokus der Medien, der Beobachter und der Gläubigen wurde zuletzt auf diese Frage heruntergebrochen und das eigentliche Anliegen der Synode damit in den Hintergrund gedrängt. Indem der Papst dieses Thema jetzt überhaupt nicht erwähnt, stehen die eigentlichen Themen wieder im Vordergrund. Dabei ist diese Frage nach der Weihe verheirateter Männer ja nicht abgeschlossen. Nur im Zusammenhang mit der Amazonas-Synode wird sie nicht beantwortet.

DOMRADIO.DE: Kann man die Lage der Christen am Amazonas mit der bei Ihnen in Nordeuropa vergleichen?

Kaschner: Wenn ich auf die Diasporasituation hier im Norden Europas schaue, ist die zwar im Verhältnis zu Deutschland schon extrem, aber längst nicht so extrem wie im Amazonasgebiet. Auch bei uns ist das Gebet um Priesterberufungen ein ganz wichtiger Teil des geistlichen Lebens in den Gemeinden, aber damit alleine ist es nicht getan. Im Unterschied zu vielen deutschen Gemeinden, die ich kenne, wird das Gebet um Priester- und Ordensberufe hier sehr ernst genommen.

Darüber hinaus gibt es viel Unterstützung für unsere Priester. Ich kann mich an die Zeit erinnern, als in Dänemark die Missbrauchsfälle an die Öffentlichkeit kamen, und der Zölibat der Priester in den Medien als Hauptgrund dargestellt und viele Priester beinahe unter Generalverdacht gestellt wurden. In dem Jahr war die Chrisam-Messe im Dom noch besser besucht als sonst – und als die Priester vor dem Bischof ihr Weiheversprechen erneuerten, gab es spontanen, langen und herzlichen Applaus der Gläubigen. Hier spürte man, dass die Menschen wirklich mit ihren Priestern fühlen, sie ermutigen und unterstützten. Und dies muss neben dem Gebet auf jeden Fall hinzukommen.

Papst Franziskus setzt in der Frage des Priestermangels auf eine missionarische Erneuerung der Kirche, die diese dringend nötig hat – nicht nur in Amazonien. Ich erinnere mich an das Wort von Bischof Wanke aus Erfurt, der sinngemäß gesagt hat: "Der katholischen Kirche fehlt etwas. Ihr fehlt die Überzeugung, neue Christen gewinnen zu können“. Dort wo die Kirche von ihren Gemeindemitgliedern her gesund, lebendig und missionarisch ist, dort können auch Priesterberufungen wachsen.  Die Weihe verheirateter Männer wäre eine "Abkürzung“, die die Verantwortung der Laien nicht ernst nimmt.

DOMRADIO.DE: Der Frauenweihe wird explizit widersprochen im Dokument, stattdessen sollen Frauen darin unterstützt werden ihr eigenes Charisma zu leben und neue, kreative Wege zu finden. Gleichzeitig werden neue Leitungsämter für Frauen im Amazonas angedacht, die nicht vom Weiheamt abhängig sind. Was denken Sie darüber als Ordensschwester? 

Kaschner: Ich bin sehr froh über diese klaren Worte des Papstes zum "eigenen Charisma“ der Frau. In der Diskussion über das Priestertum der Frau, die ja zum Teil sehr vehement geführt wird, und sich auch in der Bewegung Maria 2.0 ausdrückt, empfinde ich den "Weihe-Neid“ der Frauen als entwürdigend. Ich möchte meine Stellung und meinen Wert als Frau in der Kirche nicht davon abhängig machen müssen, ob ich geweiht werden kann oder nicht. Ich denke, dass es unbedingt einer Stärkung der Rolle der Frau innerhalb der Kirche bedarf, insbesondere in Bezug auf die Öffnung von Leitungsämtern und -diensten für Frauen. Hier ist sehr viel Luft nach oben.

Maria Magdalena war nicht im Abendmahlssaal dabei, aber sie hat als erster Mensch den Auferstandenen gesehen und den Auftrag bekommen: "Geh und sag meinen Brüdern…!“ Damit hat sie einen Verkündigungsauftrag erhalten – und Papst Franziskus hat sie entsprechend als Apostelin der Apostel mit einem eigenen Fest geehrt. Hier eröffnet sich für mich auch aus der Bibel abgeleitet die Möglichkeit eines Verkündigungsamtes für Frauen.

DOMRADIO.DE: Besonders in Deutschland und Europa ist die Empörung groß. Dabei richtet sich das Dokument eigentlich gar nicht an uns, sondern an die Christen im Amazonas. Sollten wir uns vielleicht aus der Debatte dann lieber heraus halten? 

Kaschner: Nein, auf keinen Fall. Denn die Christen im Amazonas sind unsere Glaubensgeschwister und Teil der Weltkirche. Was dort geschieht, auch an Elend und Ungerechtigkeit, an Missbrauch und Ausbeutung von Mensch und Natur, an pastoraler Not – all das darf uns nicht gleichgültig sein. Aber wir dürfen diese ernsten Herausforderungen im Amazonas nicht wie Trittbrettfahrer für unsere deutschen bzw. europäischen innerkirchlichen Streitfragen missbrauchen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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