Deutsche Bischöfe
Deutsche Bischöfe
Jan Hendrik Stens
Jan Hendrik Stens
Luis Francisco Ladaria Ferrer
Die deutschen Bischöfe treffen den Präfekten der Glaubenskongregation: Luis Francisco Ladaria Ferrer
Rainer Maria Kardinal Woelki
In Rom dabei: Rainer Maria Kardinal Woelki
Kardinal Reinhard Marx
und auch Reinhard Kardinal Marx

03.05.2018

Kommunionstreit: Deutsche Bischöfe zur Klärung im Vatikan "Der richtige Weg"

An diesem Donnerstag haben sich mehrere deutsche Bischöfe im Vatikan getroffen, um einen Dissens beizulegen. Es geht um eine Handreichung, die den Empfang der Kommunion für nichtkatholische Ehepartner regeln soll. Kann Rom schlichten?

DOMRADIO.DE: Einen Entwurfstext für die eine Handreichung, die den Empfang der Kommunion für nichtkatholische Ehepartner regeln soll, hat die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer letzten Frühjahrsvollversammlung mit Mehrheit verabschiedet. Sieben Bischöfe, darunter auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, haben jedoch Zweifel, ob der vorgelegte Lösungsentwurf mit dem Glauben und der Einheit der Kirche vereinbar sei, und einen Brief nach Rom geschrieben. Um was genau geht es in diesem Streit?

Jan Hendrik Stens (Theologie-Redaktion): Inhaltlich geht es um die Frage, ob und unter welchen Umständen ein nichtkatholischer Ehepartner mit zum Empfang der Heiligen Kommunion gehen darf. Formal steht aber auch die Frage im Raum, ob die Deutsche Bischofskonferenz mit einer solchen Regelung nicht einen Bereich tangiert, in dem zumindest eine Absprache mit der Weltkirche, also der Kurie im Vatikan erforderlich ist. Kardinal Marx sagte ja auf der Abschlusspressekonferenz der Frühjahrsvollversammlung, er sehe das als nicht erforderlich. Kardinal Woelki und die anderen sechs Bischöfe scheinen da anderer Meinung zu sein.

DOMRADIO.DE: Sauer aufgestoßen bei Kardinal Marx und anderen Bischöfen ist allerdings auch, dass der Brief von Kardinal Woelki ohne Absprache, also am Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz vorbei nach Rom geschickt worden sei. Hätte man ein solches Vorgehen nicht vorher absprechen sollen?

STENS: Hier würde ich die Kirche im Dorf lassen. Erst einmal hat jeder Ortsbischof das Recht, sich direkt an die Kurie zu wenden, denn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist gegenüber seinen Mitbrüdern nicht weisungsbefugt. Soweit ich informiert bin, kam die Frage nach der Absprache mit Rom auch in den Beratungen der Frühjahrsvollversammlung vor. Und wie es aus Rom heißt, soll Kardinal Marx bei seinem Besuch mit Heinrich Bedford-Strohm auch angekündigt haben, die Frage des Kommunionempfangs in Abstimmung mit der Kurie zu behandeln. Seitdem war dann nichts mehr zu hören. Insofern wirkt die Aussage von Kardinal Marx vor Journalisten, dass eine Absegnung durch Rom nicht erforderlich sei, schon wie ein Alleingang.

DOMRADIO.DE: Aber hätte man dennoch nicht den Brief von Kardinal Woelki und den anderen sechs Bischöfen vorab in kollegialer Weise besprechen können?

STENS: In der Tat scheinen die sieben Ortsbischöfe das Vorgehen von Kardinal Marx mit einer entsprechenden Retourkutsche quittiert zu haben. Immerhin wurde er über den Brief nach Rom in Kenntnis gesetzt. Marx informierte dann alle anderen Bischöfe über den Vorgang. Fast zeitgleich wurden dann allerdings diese Informationen an den Kölner Stadtanzeiger weitergegeben. Wer auch immer das getan hat, es muss wohl in Erwartung einer bestimmten, kirchenpolitisch gefärbten Berichterstattung geschehen sein. Erst dadurch wurde der Streit öffentlich und die sieben Bischöfe, allen voran Kardinal Woelki, hatten die Buhmann- und Spielverderber-Rolle. Was dann folgte, war eine sehr unschöne Schlammschlacht, bei der mancher Bischof auch durch Mitbruder-Schelte glänzte.

DOMRADIO.DE: Nun soll der Streit durch ein klärendes Gespräch in Rom beigelegt werden. Wer ist daran beteiligt?

STENS: Die Liste der Gesprächsteilnehmer ist im Laufe der Zeit immer länger geworden, was zeigt, wie wichtig das Thema ist und dass man das wohl nicht so einfach im Hauruck-Verfahren durchdrücken kann. Eingeladen zu dem Gespräch hat der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria. Mit dabei ist natürlich auch der Präsident des päpstlichen Einheitsrats, Kurt Kardinal Koch. Hinzu kommen von römischer Seite Pater Markus Graulich, Untersekretär des Rats für die Auslegung der Gesetzestexte und Pater Hermann Geißler aus der Lehrabteilung in der Glaubenskongregation. Von den deutschen Bischöfen kommen neben Kardinal Marx und Kardinal Woelki die Bischöfe von Speyer, Münster, Magdeburg und Regensburg sowie der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer.

DOMRADIO.DE: Das ist ja ein ganz großer Bahnhof. Kann man etwas aus dieser Personenkonstellation herauslesen?

STENS: Die römische Besetzung zeigt, dass hier Glaubenslehre und Ökumene, aber auch das Kirchenrecht betroffen sind. Die deutschen Vertreter spiegeln das Pendant der Bischofskonferenz wider: Die Bischöfe von Speyer und Magdeburg sind die jeweiligen Vorsitzenden der Glaubens- und der Ökumenekommission. Dem Bischof von Münster, Felix Genn, fällt möglicherweise eine vermittelnde Rolle zu. Außerdem ist er derzeit als einziger deutscher Bischof Mitglied der Bischofskongregation des Vatikans. Wohl auf Intervention von Kardinal Woelki ist auch der Regensburger Bischof Voderholzer dabei, der zu den Unterzeichnern des Briefs zählt. Er ist der stellvertretende Vorsitzende der Glaubenskommission in der Deutschen Bischofskonferenz und soll sich wohl auch im Vorfeld als Dogmatiker intensiv mit der Frage nach dem Kommunionempfang auseinandergesetzt haben.

DOMRADIO.DE: Was wird das Ergebnis dieses Treffens sein?

STENS: Darüber kann man im Endeffekt nur spekulieren. Dass Rom hier übernimmt, ist eine logische Folge des Subsidiaritätsprinzips. Wenn ein Problem auf einer unteren Ebene nicht gelöst werden kann, greift die nächsthöhere Ebene unterstützend ein. Insofern ist die Form dieses Gesprächs sicherlich der richtige Weg, den Streit beizulegen. Möglicherweise wird auch über den Führungsstil in der Deutschen Bischofskonferenz gesprochen, über den bisweilen manche ihrer Mitglieder nicht sehr glücklich sind. Ich denke aber, dass am Ende eine Lösung stehen könnte, die in Einmütigkeit verkündet wird und niemand sein Gesicht verliert. Ob das allerdings den Schaden behebt, den die vorangegangene Schlammschlacht angerichtet hat, wage ich zumindest mittelfristig zu bezweifeln.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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