Im Vergleich: Neue Einheitsübersetzung der Bibel...
Im Vergleich: Neue Einheitsübersetzung der Bibel...
...und die neue Lutherbibel
...und die neue Lutherbibel

20.10.2016

Revidierte Lutherbibel und neue Einheitsübersetzung im Vergleich Unterschiedliche Akzente

Zeitgleich bringen die beiden Kirchen ihre neuen offiziellen Bibelübersetzungen auf den Markt. Ein Vergleich zeigt, dass sie ihre Revisionsaufgabe unterschiedlich angegangen sind - jenseits konfessioneller Differenzen.

Kirchenoffizielle Bibelübersetzungen bilden in der Sparte der Übersetzungen eine besonders komplizierte Untergruppe. Sie müssen nicht nur dem Ausgangstext und der Zielsprache entsprechen, sondern auch im Gottesdienst vorlesbar, wenn nötig singbar sein.

Viele Leser sind besonders empfindlich, wenn der vertraute Wortlaut verändert wird. Mit der neuen Katholischen Einheitsübersetzung (EÜ) und der revidierten Lutherbibel haben die beiden Kirchen jetzt die Ergebnisse jahrelanger Arbeiten vorgelegt.

Beide Übersetzungen nehmen neue bibelwissenschaftliche Erkenntnisse auf, etwa dass Paulus im Römerbrief eine Frau namens Junia grüßen lässt - und nicht wie früher gelesen einen Mann namens Junias. Sie verabschieden sich von sprachlichen Marotten der 70er Jahre: Aus "sie waren sehr betroffen" wird "sie waren voll Staunen" (EÜ; bei Luther "entsetzten sie sich" unverändert). Während aber die EÜ "eine Übersetzung ganz nah am Grundtext" bieten will, die "gut lesbar durch moderne Sprache" ist, hat "Luther 2017" nach eigenem Bekunden "die vertraute und eingängige Luthersprache vielfach wiederhergestellt".

Welche Wege schlagen die Übersetzungen ein?

Im ersten Satz der Bibel fügt die EÜ eine Silbe hinzu: "Im Anfang erschuf (vormals: 'schuf') Gott Himmel und Erde" und entfernt sich damit zugleich von Luther, wo es heißt: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde". Dort geht es weiter: "Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser." 1984 lautete es noch: "Es war finster auf der Tiefe", und der Geist Gottes schwebte "auf" dem Wasser. Die EÜ übersetzt hier:

"Die Erde (vormals ergänzt durch 'aber') war wüst und wirr" - um den Klang des hebräischen "tohu wabohu" aufzunehmen - "und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser". In den folgenden Versen des Schöpfungsberichts bleibt Luther 2017 konsequent bei der alten Verbform "es ward", wo die EÜ weiterhin "es wurde" schreibt.

Bei der Erschaffung des Menschen wird in der neuen Lutherbibel das "Weib" zur "Frau": "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau." Die EÜ übersetzt: "Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie." In der alten Fassung hieß es noch: "Als Mann und Frau erschuf er sie"; statt "Bild" hatte es "Abbild" geheißen.

Unterschiedlicher Klang im Neuen Testament

Auch im Neuen Testament haben die beiden Übersetzungen einen unterschiedlichen Klang. So beginnt die Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums bei Luther 2017 mit den vertrauten Worten: "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde." Die EÜ formuliert: "Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen" und bleibt dabei näher am griechischen Text als 1980, als es hieß: "In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen."

Im Vers 5 lässt die Lutherübersetzung Josef jetzt ins "judäische Land" (vormals: "jüdische") aufbrechen, "darum dass (vormals: 'weil') er von dem Hause und Geschlechte Davids war". In der EÜ "zog" Josef "hinauf nach Judäa; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids".

Er wollte sich - heißt es weiter - "eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete". Luther übersetzt: "auf dass (vormals: 'damit') er sich schätzen ließen mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger".

Die Stichproben zeigen, wie sehr im Detail an den Texten gearbeitet wurde und dass bei den Unterschieden nicht konfessionelle Differenzen zum Ausdruck kommen. Luther 2017 entscheidet sich im Zweifel für den vertrauten Wortlaut, auch wenn dies zu Lasten der Verständlichkeit geht. So heißt es etwa im Johannesevangelium statt "Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt" (1984; so auch die EÜ), nun wieder: "Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe". Martin Luther selbst hätte hier womöglich dem Volk "auf das Maul gesehen" und heute anders formuliert.

Norbert Zonker
(KNA)

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