Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer
Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer

06.05.2021

Stabwechsel an der Spitze der EKD-Synode 13. Kirchenparlament tagt digital

Acht Jahre lang war Irmgard Schwaetzer Präses der Synode der EKD in Deutschland. In den kommenden Tagen wird ihr Amt neu besetzt. Wofür stand Irmgard Schwaetzer und was muss der oder die neue Präses mitbringen? 

DOMRADIO.DE: Die Synode tagt von Donnerstag bis Samstag. Was passiert da in den kommenden Tagen? 

Benjamin Lassiwe (Journalist): In den nächsten Tagen und auch heute Abend konstituiert sich die neue Synode der EKD, das evangelische Kirchenparlament. 128 Menschen aus ganz Deutschland kommen digital zusammen. Eigentlich sollten sie in Bonn tagen, aber die Corona-Pandemie macht ihnen auch an dieser Stelle einen Strich durch die Rechnung.

Es wird darum gehen, wie die große Vertretung des deutschen Protestantismus künftig aufgestellt ist. Im Zentrum steht natürlich die Wahl eines oder einer Präses, eines oder einer Parlamentspräsidentin im evangelischen Kirchenparlament. 

DOMRADIO.DE: Irmgard Schwaetzer war bisher Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland. Nicht zu verwechseln mit dem Ratsvorsitzenden, der bald ja auch neu gewählt werden soll. Schauen wir zurück, wofür stand Frau Schwaetzer? 

Lassiwe: Irmgard Schwaetzer war aus meiner Sicht ein Gesicht des deutschen Protestantismus. Das hat man damals nicht so wirklich gedacht. In Düsseldorf am Flughafen, als 2013 eigentlich entweder Günther Beckstein oder die bremische Richterin Brigitte Boehme gewählt werden sollte. Dann haben sich aber beide Präses-Kandidaten gegenseitig neutralisiert und man griff auf Frau Schwaetzer zurück. Sie war als Synodale der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische-Oberlausitz nach Düsseldorf gefahren und kam dann als Präses zurück, ohne vorher zu wissen, dass sie dieses Amt übernehmen würde.

Sie hat sich in der Vergangenheit als starke Vertreterin der Laien im Protestantismus profiliert. Auf Irmgard Schwaetzer geht zurück, dass die evangelische Kirche sich im Vorfeld des Reformationsjubiläums sehr deutlich von Luthers Antisemitismus distanziert hat und ein starkes Nein zur Judenmission geäußert hat.

Auf Irmgard Schwaetzer geht aber auch zurück, dass die Synode an Gewicht gewonnen hat gegenüber dem Rat und bestimmte Entscheidungen wie z. B. die Frage, wie es mit den kirchlichen Finanzen künftig weitergeht, jetzt auch beherzt von der Synode angegangen worden sind. 

DOMRADIO.DE: Was hat sie in der Beziehung zur katholischen Kirche erreicht? 

Lassiwe: Irmgard Schwaetzer ist, denke ich, in der Ökumene von allen Partnern, nicht nur von der katholischen Kirche, mit großem Respekt wahrgenommen worden. Die Aufgabe einer Präses oder eines Präses ist in erster Linie nicht die theologische Diplomatie. Das machen die Bischöfe und die Theologieprofessoren. Aber Irmgard Schwaetzer war die Ökumene wichtig. Sie hat sich als glaubwürdige Vertreterin der protestantischen Laien auch an dieser Stelle eingebracht. 

DOMRADIO.DE: Jetzt gibt es eine ganze Reihe von Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt. Wir gucken erst einmal inhaltlich: Was soll die Person denn können? Wofür soll sie stehen? 

Lassiwe: In der Vergangenheit waren die Präsides der Synode meistens ehemalige Politiker, die über eine gute Anbindung an die evangelische Kirche verfügt haben. Beispielsweise war die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, Präses der Evangelischen Synode oder der frühere Bundesminister Jürgen Schmude. Wenn wir noch weiter zurückgehen, kommen wir am Ende bei Gustav Heinemann an.

Das heißt, der Präses oder die Präses muss jemand sein, der mit beiden Beinen in der Öffentlichkeit stehen kann, der das Kirchenparlament in der Öffentlichkeit vertreten kann. Er oder sie muss aber auch jemand sein, der in der Lage ist, eine Sitzung eines Gremiums mit über 100 Menschen gut zu leiten. Es bringt niemandem etwas, wenn man einen Präses oder eine Präses hat, die zwar prominent ist, die dann aber vergisst, den kirchlichen Haushalt abzustimmen. Auch das hatten wir schon in Gestalt eines Vize-Präses. Insofern: Es muss jemand sein, der in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Es muss jemand sein, der in der Lage ist, ein derartiges Gremium zu leiten. 

DOMRADIO.DE: Wer könnte das machen? Gibt es konkrete Favoriten jetzt im Vorfeld? 

Lassiwe: Es werden im Moment zumindest zwei Namen genannt: Der eine Name kommt aus Nordrhein-Westfalen. Das ist die Landtagsabgeordnete der Grünen, Sigrid Beer. Sie wird als eine der möglichen Favoritinnen gehandelt. Das andere ist Nadine Bernshausen, Richterin in Marburg, die dort auch einmal für den Posten des Oberbürgermeisters kandidiert hat. Die beiden sind im Rennen, aber Genaueres wird man tendenziell erst am Samstagmorgen wissen, wenn die Kandidatinnen und Kandidaten, die dann wirklich kandidieren, auch von der Synode vorgestellt werden. Bis dahin bleibt das alles Spekulation. Siehe auch Irmgard Schwaetzer - bei der wusste man am Ende auch nicht, dass sie Präses werden würde. 

DOMRADIO.DE: Abseits dieser wichtigen Wahl schauen wir noch kurz auf den Freitag. Da berät die Synode über den Umgang der evangelischen Kirche mit der Corona-Pandemie. Was ist denn da noch zu erwarten? 

Lassiwe: Ich denke, da wird es vor allem um die Bilanz gehen. Also, wie lief es in der Corona-Pandemie? Was kann man daraus lernen? Welche Dinge kann man mitnehmen in die Zukunft? Diese Abendsitzung am Freitag steht ja auch unter dem Motto "Gottesdienst und Corona". Da wird man natürlich gucken müssen: Was hat sich bewährt, was hat sich nicht bewährt? Welche Rolle hat online gespielt? Welche Rolle haben Präsenzveranstaltungen gespielt und werden künftig Präsenzveranstaltungen spielen? Vielleicht auch die Frage: Wie geht es weiter mit dem Abendmahl, das ja in vielen evangelischen Gemeinden im Moment coronabedingt schlicht nicht gefeiert wird? 

Jede Synode soll eben auch eine inhaltliche Komponente haben. Und würde man diese Debatte am Freitagabend nicht führen, dann würde die konstituierende Tagung eben wirklich nur von der Wahl in Gremien und von strukturellen und organisatorischen Themen leben.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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