Der promovierte Theologe Thorsten Latzel (r.) folgt als Präses auf Manfred Rekowski (l.)
Der promovierte Theologe Thorsten Latzel (r.) folgt als Präses auf Manfred Rekowski (l.)

15.01.2021

Wer ist der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland? "Das genaue Gegenteil von seinem Bruder"

Thorsten Latzel folgt auf Manfred Rekowski als rheinischer Präses. Der Name Latzel ist in Kirchenkreisen vor allem durch seinen Bruder Olaf bekannt. Der Bremer Pastor wurde 2020 wegen Volksverhetzung verurteilt. Wofür steht Thorsten Latzel?

DOMRADIO.DE: Über 100 Stimmen hat Pastor Thorsten Latzel bekommen - doppelt so viele wie seine nächstplatzierte Gegenkandidatin. Dabei hatten viele im Vorfeld die Pastorin Almut van Niekerk als Favoritin gehandelt. Kommt dieses Ergebnis überraschend?

Benjamin Lassiwe (Journalist): Das Ergebnis kommt schon überraschend, vor allem, wenn man daran denkt, dass Latzel ja jetzt auch der erste rheinische Präses ist, der vor seiner Wahl nicht Pfarrer der rheinischen Kirche war. Seit 1945 hat diese Landeskirche noch nie einen Präses gehabt, der nicht aus dem Rheinland kam. Insofern war die Superintendentin aus dem Bonner Raum, Almut van Niekerk, eigentlich die Kandidatin, auf die man gesetzt hatte, eine Frau und eine heimische Kandidatin.

Aber: Am Donnnerstagmorgen gab es Vorstellungsrunden aller drei Kandidaten. Da hat Latzel durchaus überzeugen können mit seiner sehr sachlichen, sehr stark auf Reformen setzenden Art.

DOMRADIO.DE: Aber viele hatten natürlich gehofft, dass es jetzt endlich auch mal eine Frau an die Spitze schaffen würde. Bei denen könnte die Enttäuschung jetzt groß sein, oder?

Lassiwe: Ja, aber das Frauenthema hat bei der Befragung der Kandidaten am Donnerstagvormittag überhaupt keine Rolle mehr gespielt. Man muss ja auch sagen, dass schon bei der letzten Präseswahl Frauen angetreten sind gegen den heutigen Amtsinhaber Manfred Rekowski und auch in der Kirchenleitung der rheinischen Kirche ja viele Frauen sitzen.

Ich kann mir vorstellen, dass sich viele eine Präses erhofft hätten, so wie in der benachbarten westfälischen Kirche oder so wie in der evangelischen Kirche der Pfalz, wo ja jetzt auch im März eine Kirchenpräsidentin ihr Amt antreten wird. Aber am Ende ging es um die Qualifikation der Kandidaten, die dort angetreten sind.

DOMRADIO.DE: Schauen wir auf den Sieger. Wofür steht Pastor Latzel? Den Namen kennen viele ja eher von seinem Bruder Olaf Latzel, der im vergangenen Jahr wegen Volksverhetzung vor Gericht gestanden hat und zwar noch nicht rechtskräftig, aber verurteilt worden ist.

Lassiwe: Thorsten Latzel steht im Grunde genommen für das genaue Gegenteil von seinem Bruder. Latzel tritt ein für eine weltoffene Kirche, er tritt ein für eine Kirche, in der Partizipation großgeschrieben wird, in der sich Ehrenamtliche einbringen können, in der man auch die Voten der Presbyterien hört. Latzel tritt aber auch ein für eine Kirche, die sich reformiert, die sich erneuert. Thorsten Latzel war vor einigen Jahren in der EKD in Hannover als Oberkirchenrat im Reformbüro der EKD beschäftigt. Er hat sich mit kirchlichen Zukunftsprozessen auseinandergesetzt. Er hat zusammen mit einigen Kollegen eine Sammlung von Erfolgsprojekten der evangelischen Kirche betrieben.

Er steckt sicherlich voller Ideen dafür, wie die rheinische Kirche in einer nicht unbedingt einfacher werdenden Zeit aussehen kann. Es hieß auf der Synode: Die Kirche wird älter und ärmer. Er steckt sicherlich voller Ideen, wie die Kirche in so einer Zeit vorangehen kann, wie sie sich neu erfinden kann, wie sie neue Wege gehen kann. Und er ist vielleicht genau deswegen der Kandidat, den die Kirche jetzt braucht.

DOMRADIO.DE: Sie haben es angedeutet: Der evangelischen Kirche geht es da ja gar nicht anders als der katholischen. Immer mehr Menschen wenden sich von ihr ab. Es bräuchte dringend einen Neuanfang. Sie sagen, er hat viele Ideen. Welche Impulse kann er denn geben?

Lassiwe: Ich denke, er wird zunächst natürlich die Kirche kennenlernen müssen, eben weil er nicht aus dem Rheinland kommt. Aber ich denke auch, es wird um die Frage gehen, wo es Doppelstrukturen in der evangelischen Kirche im Rheinland gibt, welche Ideen man haben kann, um die Kirche voranzubringen. Auf der Synode hat er nochmal sehr deutlich betont, dass er vor allem die Generation zwischen 20 und 40 erreichen will.

Das sind die Menschen, die laut Statistik überproportional oft aus der Kirche austreten und das sind zugleich die jungen Familien, die ihre ersten Kinder bekommen, dann aber vielleicht nicht mehr mit den Kindern zur Taufe gehen. Und Kinder, die nicht getauft werden, die werden ja auch später in aller Regel nur unter großen Schwierigkeiten zur Kirche finden.

DOMRADIO.DE: Wie hält es der zukünftige Präses denn mit der Ökumene?

Lassiwe: Da muss ich ganz ehrlich sagen, das war im Grunde genommen kein Thema, wie es ökumenisch weitergeht, denn die evangelische Kirche im Rheinland ist eine ökumenisch offene Kirche. Sie legt großen Wert auf die Beziehungen zu den Katholiken, aber auch zu Orthodoxen und Baptisten. Man kann davon ausgehen, dass das genauso weitergeht. Und da man in der evangelischen Kirche ja auch ein gewisses Interesse an mehr Ökumene hat, wird es perspektivisch vermutlich noch besser.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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