Kreuz in der Hand eines Flüchtlings
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Hans-Joachim Ditz, Ökumene-Beauftragter des Erzbistums Berlin
Hans-Joachim Ditz, Ökumene-Beauftragter des Erzbistums Berlin

23.01.2020

Ökumenischer Rat in Berlin-Brandenburg verleiht Ökumenepreis Engagement für Verständigungsarbeit über Grenzen hinweg

Zur Gebetswoche für die Einheit der Christen verleiht der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg den diesjährigen Ökumenepreis. Preisträger sind gleich zwei Projekte: das Ökumenische Europa-Centrum Frankfurt und das Ehrenamtsprojekt "weltweit".

DOMRADIO.DE: Was machen Sie als Ökumenischer Rat Berlin-Brandenburg genau?

Hans-Joachim Ditz (Geschäftsführer des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg): Der Ökumenische Rat Berlin/Brandenburg ist das, was anderenorts Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen heißt. Bei uns nennt sich das Ökumenischer Rat, da die leitenden Personen der Mitgliedskirchen die Ratsleitung bilden und somit die Entscheider direkt mit am Tisch sitzen.

Es gibt eine ganze Menge zu besprechen. Der ökumenische Rat veranstaltet mehrmals im Jahr Gottesdienste und Veranstaltungen zu bestimmten Festen und Feierlichkeiten. Heute findet zum Beispiel der Gottesdienst zur Gebetswoche der Einheit der Christen statt.

DOMRADIO.DE: Wie steht es denn mit der Ökumene in Berlin: Ist das ein fruchtbares Miteinander?

Ditz: Berlin ist kein einfaches Pflaster. Deshalb ist es wichtig, dass die Christen zusammenhalten. Jeder versucht den anderen zu übertrumpfen und auf Kosten der Anderen zu glänzen.

DOMRADIO.DE: Nehmen die Menschen auf der Straße den Unterschied zwischen katholisch und evangelisch überhaupt noch wahr? Gibt es vielleicht für sie nur eine Kirche und die theologischen Differenzen sind weit weg?

Ditz: Das ist völlig richtig. Die Menschen hier sind meist mit den verschiedenen Religionen, die es in Berlin gibt, schon überfordert. Die Christen werden allgemein als Christen gesehen und es wird nicht mehr zwischen katholisch und evangelisch differenziert. Somit versteht auch niemand mehr die Probleme, die wir miteinander haben. Ich übrigens auch nicht.

DOMRADIO.DE: Es geht ja nicht nur um katholische Christen. Da kommen ja Christen aus der ganzen Welt. Wie finden die zusammen?

Ditz: Ja, es kommen auch viele Freikirchen dazu. Diese finden alle zusammen, weil es einen gibt, der uns eint und das ist Christus. Das ist die zentrale Person und wir sehen uns als diejenigen, die zu Christus gehören.

DOMRADIO.DE: Beim Neujahrsempfang heute, der nach dem Gottesdienst ist, verleihen Sie den Ökumenepreis. Dieser geht dieses Jahr an zwei Organisationen. Die erste ist das Ökumenische Europa-Centrum Frankfurt (Oder) e.V.. Warum wird das ausgezeichnet?

Ditz: Seit 25 Jahren baut das Centrum Brücken – nicht nur zwischen den Konfessionen, sondern auch über Ländergrenzen hinweg. Das bietet sich ja an in Frankfurt an der Oder. Zudem wurde im vergangenen Jahr ein Bischofstreffen von allen Bischöfen – egal ob katholisch oder evangelisch – an Oder und Neiße organisiert. Sie engagieren sich sehr stark in der Verständigungsarbeit, die ja auch eine Friedensarbeit ist. Das wollte der Ökumenische Rat unbedingt ehren.

DOMRADIO.DE: Das zweite Projekt ist das Ehrenamtlichenprojekt "weltweit" von Asyl in der Kirche e.V.. Worum geht es da?

Ditz: Dabei geht es darum die Geflüchteten nicht aus dem Blick zu verlieren. Seit zehn Jahren engagiert sich eine Gruppe von Ehrenamtlichen. Sie fördert vor allem die Bildung der Flüchtlinge, vermittelt Deutschkurse oder begleitet sie zu Ämtern. Unter den Ehrenamtlichen sind auch Lehrer, die dann selbst die Deutschkurse geben. Dieses Projekt wollten wir auch ehren. Es gibt also eben zwei Preisträger dieses Jahr.

DOMRADIO.DE: Kann es gelingen in einer säkularisierten Stadt wie Berlin den christlichen Glauben näher zu bringen?

Ditz: Auf jeden Fall. Es gelingt vor allem, wenn wir die Menschen mit positiven Irritationen herausfordern und sie wach rütteln. Da sind wir in jedem Fall gut aufgestellt.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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