Kommunionausteilung
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08.01.2020

Dogmatikerin Julia Knop über Entwicklungen in der Ökumene "Ökumene sollte ganz selbstverständlich sein"

Wie weit ist die konfessionelle Versöhnung und was ist in Zukunft möglich? Die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop sieht viele inhaltliche Schnittpunkte. Oft fehle es aber an Bewusstsein für diese Schnittmengen und für die eigene Bringschuld. 

DOMRADIO.DE: Gerade um ein gemeinsames Abendmahl und eine gemeinsame Eucharistiefeier entbrennen ja die größten Debatten. Sehen Sie denn in dieser Hinsicht einen baldigen nächsten Schritt in der Ökumene kommen?

Prof. Dr. Julia Knop (Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Erfurt): Ich sehe zumindest einen großen Schritt, der vonseiten der theologischen Wissenschaft geleistet worden ist: Der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) hat im Herbst letzten Jahres ein Papier vorgelegt, dessen Titel die Überschrift für die Podiumsdiskussion am Mittwochabend in Erfurt geliefert hat: "Gemeinsam am Tisch des Herrn". Dieses Votum erhebt den Anspruch, das, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten ökumenisch an Lehrgesprächen und theologischen Gesprächen stattgefunden hat, auf konkrete Konsequenzen hin zu durchzubuchstabieren.

Das Papier kommt zu dem Schluss, dass eine wechselseitige Teilnahme am Abendmahl und an der Eucharistie theologisch gut begründet ist. Das ist noch keine allgemeine Interkommunion, noch kein reguläres gemeinsames Abendmahl. Es ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur vollen Eucharistiegemeinschaft. Das Votum gibt aber gute Gründe dafür an, dass ich als katholischer Christ und als katholische Christin am evangelischen Abendmahl teilnehmen kann und dass es umgekehrt theologisch gerechtfertigt ist, evangelische Christinnen und Christen – nicht nur die, die in einer ökumenischen Ehe leben –, zur katholischen Eucharistie einzuladen. Das ist in der Tat ein großer Schritt. Damit muss man sich auseinandersetzen, und dazu müssen sich m.E. die Kirchenleitungen, aber auch die Gläubigen aktiv und möglichst informiert verhalten. Wir hoffen, heute Abend darüber intensiv ins Gespräch zu kommen.

DOMRADIO.DE: Gerade erst hat der evangelische hannoversche Landesbischof Ralf Meister gesagt, dass er ökumenische Gemeinden für möglich hält. Halten Sie das auch für möglich?

Knop: Das ist eine tolle, attraktive Zukunftsvision. Wir haben ja jetzt schon viele ökumenische Gemeinde-Partnerschaften. Und wir haben – das dürfen wir nicht vergessen – auf breiter Basis gute ökumenische Erfahrungen bei den Gläubigen: im Leben, im Alltag, im Beruf, in den Theologien, im Religionsunterricht, im Gottesdienst. Warum nicht auch auf Gemeindeebene?

Der Vorschlag zeigt für mich aber auch, dass sich das Verständnis von Konfessionalität verändert. Man denkt Konfessionalität nicht mehr so stark von der Institution, von Autoritäten und Strukturen her, sondern eher als einen christlichen Stil oder eine Spiritualität, die jemanden ansprechen kann, auch wenn er institutionell der anderen Konfession zugehört. Auch deshalb wächst vor Ort sicherlich und hoffentlich vieles immer mehr zusammen. In Diaspora-Situationen und insgesamt im Zuge zunehmender Säkularität werden wir ohnehin nur dann überzeugend und letztlich überlebensfähig sein, wenn wir gemeinsam für den christlichen Glauben eintreten. Es wäre doch töricht, wenn wir bei immer weniger Christen und immer größerem Personalmangel in der Fläche ausbluten, weil wir auf konfessioneller Abgrenzung bestehen, statt gemeinsam vor Ort unseren gemeinsamen Glauben zu kultivieren.

DOMRADIO.DE: Welche Punkte sind Ihrer Meinung nach im 21. Jahrhundert die größten, an denen sich evangelische und katholische Christen gegenseitig reiben?

Knop: Da kann man verschiedene Ebenen anschauen. Auf der Lehrebene ist sicherlich weiterhin die Amtsfrage ein Problem. Allerdings sind die Gespräche da auch weiter als viele meinen. Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass man, besonders in der römisch-katholischen Kirche, die eigene ökumenische „Bringschuld“, den eigenen Korrektur- und Entwicklungsbedarf unterschätzt. Man ist katholischerseits rasch geneigt zu sagen: Wenn die anderen unsere Sicht anerkennen und sich entsprechend weiterentwickeln, damit wir sie anerkennen können, ist alles in Ordnung. Der eigene Reformbedarf, aber auch die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten, werden da vielleicht zu gering angesetzt.

Bei den inhaltlichen Punkten sind wir, nicht zuletzt, was das Verständnis der Eucharistie/des Abendmahls angeht, aber tatsächlich schon sehr, sehr weit. Das zeigt nicht zuletzt das Votum des ÖAK. Aber viele ökumenisch-theologische Entwicklungen sind einfach nicht bekannt. Manche Hauptamtliche in der Seelsorge und in den Kirchenleitungen sind auf dem Stand der Ökumene stehen geblieben, der am Ende ihres Studiums gegeben war. Bei manchen anderen verbindet sich ökumenisches Desinteresse mit antiökumenischen Klischees, die immer weiter wiederholt werden, aber dadurch nicht richtiger werden. Es gibt in den Gemeinden, in der theologischen Wissenschaft und in den Kirchenleitungen viele hoch engagierte und sehr gut informierte Ökumenikerinnen und Ökumeniker, die auf gute gemeinsame Erfahrungen zurückgreifen können und ökumenisch ambitioniert bleiben – aber es gibt eben auch die anderen, die davon nichts wissen wollen, dagegen polemisieren und jeden ökumenischen Fortschritt im Keim ersticken wollen.

DOMRADIO.DE: In anderen Ländern gibt es teilweise weniger Berührungspunkte und auch mehr Kritik als in Deutschland. Macht das den Dialog nochmal komplizierter?

Knop: Ich denke, wir haben hier in Deutschland, dem Land der Reformation, enorm große Chancen in Sachen Ökumene. Es hat mal jemand gesagt: "Die Theologen in Deutschland haben seinerzeit die Spaltung verursacht. Jetzt sind sie auch am Zug, intensiv an der Einheit zu arbeiten." Ich glaube, wir haben, nicht zuletzt aufgrund der vielen guten ökumenischen Erfahrungen und der bestens aufgestellten ökumenischen Theologien in Deutschland, hier eine besondere Verantwortung und zugleich besondere Möglichkeiten, in der Weltkirche diese Themen zu setzen und das Bewusstsein für die Ökumene zu stärken.

DOMRADIO.DE: Wie könnte man da vorgehen?

Knop: Viele deutsche Theologinnen und Theologen und Bischöfe sind ja auf allen Ebenen des ökumenischen Gesprächs weltkirchlich bereits hoch engagiert. Da passiert schon sehr, sehr viel. Das könnte man ausbauen und – vonseiten der Wissenschaft und der Kirchenleitungen, etwa der Bischofskonferenz – ökumenische Themen, Erfahrungen und Optionen noch stärker und proaktiv in die Weltkirche einbringen. Gute Erfahrungen soll man teilen!

DOMRADIO.DE: Was erhoffen Sie sich von der Podiumsdiskussion heute Abend?

Knop: Dass das erwähnte Papier zum einen bekannter wird, aber auch, das Rollen klarer werden. Das Votum ist eine positive Herausforderung, auf die die einzelnen Gläubigen, die Hauptamtlichen, die Gemeinden, Theologinnen und Theologen beider Konfessionen und schließlich Bischöfe und Kirchenleitungen beider Konfessionen jeweils in ihrer Rolle und Kompetenz reagieren sollten: die Gläubigen durch die persönliche Entscheidung, am Abendmahl oder der Eucharistie der anderen Konfession teilzunehmen oder das bewusst nicht zu tun, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch weitergehende Reflexion der aufgerufenen theologischen Fragen, die Kirchenleitungen durch offizielle Stellungnahmen zum Thema eucharistischer Gastfreundschaft. Anlässlich des Ökumenischen Kirchentags 2021 wird die Frage nach Abendmahlsgemeinschaft bzw. eucharistischer Gastfreundschaft mit Sicherheit aufkommen. Dafür jeweils die eigene Verantwortung zu klären und auch die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und Kompetenzen wahrzunehmen – das wäre mir für heute Abend wichtig. Aber zunächst geht es uns ganz grundlegend darum, das Votum und seine Argumentation zu präsentieren und eine öffentliche Diskussion anzuregen.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich für die Ökumene in der nahen Zukunft?

Knop: Dass sie ganz selbstverständlich wird und dass ökumenische Sensibilität zum Charakterzug des Katholischen wird. 

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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