Altar mit Brot und Wein
Altar mit Brot und Wein

11.09.2019

​Theologen legen Votum zur Kommuniongemeinschaft vor "Wechselseitige Teilnahme ist theologisch begründet"

​Die Trennung bei der Kommunionfeier wird von vielen ökumenisch gesinnten Katholiken und Protestanten als besonders schmerzlich erfahren. Prominente Theologen aus beiden Konfessionen stellen das Thema neu zur Debatte.

Vor dem Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt wird wieder mit neuer Dringlichkeit die Frage nach einer gemeinsamen Feier des Abendmahls oder der Eucharistie gestellt. Für viele Außenstehende scheint gerade daran ablesbar, ob sich in den Fachdialogen etwas bewegt, das auch für die einzelnen Gläubigen erfahrbar ist. Offenkundig ist natürlich, dass die Frage nach der Einheit der Christen oder wenigstens der Katholiken und Protestanten nicht in Deutschland entschieden wird.

Wie schwierig das Terrain ist, zeigte sich zuletzt am Bemühen der Deutschen Bischofskonferenz, wenigstens für konfessionsgemischte Ehen und Familien eine seelsorgliche Regelung zu finden. Eine Minderheit der Bischöfe trug den 2018 vorgelegten Text wegen grundsätzlicher Bedenken nicht mit und wandte sich an Rom. Nach Interventionen der vatikanischen Glaubensbehörde und des Papstes wurden die Leitlinien schließlich als unverbindliche Orientierungshilfe veröffentlicht.

Einen neuen Aufschlag wagt jetzt der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK). Unter dem Titel "Gemeinsam am Tisch des Herrn - Ökumenische Perspektiven bei der Feier von Abendmahl und Eucharistie" stellte er am Mittwoch in Frankfurt sein Votum auf der Grundlage einer mehrjährigen Studienarbeit vor. Im Unterschied zum Text der Bischofskonferenz beschränken sich die Theologen nicht auf die Spezialfrage des gemeinsamen Kommunionempfangs von Paaren, sondern behandeln das Thema umfassend. Dabei geht es ihnen um einen Zwischenschritt: die wechselseitige "Teilhabe" an den konfessionellen Feiern - auf dem Weg zur "vollen sichtbaren Einheit".

Nicht kirchenoffiziell aber gewichtig

Der ÖAK ist zwar kein kirchenoffizielles Gremium, sondern ein Zusammenschluss von Theologen, aber durchaus mit Gewicht. Dies zeigt sich schon daran, dass er zwei Bischöfe als Vorsitzende hat. Derzeit sind es Martin Hein, der scheidende Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, und der Limburger Bischof Georg Bätzing, der auch der katholische Gastgeber des bevorstehenden Ökumenischen Kirchentags ist.

Der Kreis besteht bereits seit 1946 und damit fast zwei Jahrzehnte länger als die offiziellen katholisch-evangelischen Dialoge - zunächst bekannt unter dem Namen "Jaeger-Stählin-Kreis" nach den damaligen bischöflichen Vorsitzenden. Vorgänger Bätzings auf katholischer Seite war jahrzehntelang kein Geringerer als der Mainzer Kardinal Karl Lehmann.

"Differenzen nicht kirchenrechtlich trennend"

Die jetzt vorgelegte Studie hat den Anspruch, die Erkenntnisse der bisherigen ökumenischen Dialoge zur Thematik zu bündeln. Exegetische Studien und historische Forschungen lassen nach Auffassung der Autoren die in der Bibel grundgelegte und in der Traditionsgeschichte bezeugte Vielgestalt der eucharistischen Feierformen erkennen. An diesen Befund schließen sich systematisch-theologische Reflexionen über Abendmahl/Eucharistie und Amt an und begründen das auch pastoral motivierte Votum.

Dieses lautet im Kern: Der ÖAK "betrachtet die Praxis der wechselseitigen Teilnahme an den Feiern von Abendmahl/Eucharistie in Achtung der je anderen liturgischen Traditionen als theologisch begründet". Sie sei "insbesondere in der Situation konfessionsverbindender Familien pastoral geboten". Sowohl im Blick auf den Einzelfall als auch auf die allgemeine Normgebung dürfe sich niemand mit den bisherigen Lösungen zufriedengeben. Eine aktuell jeweils vereinbarte "neue Form der eucharistischen Liturgie jenseits der historisch gewachsenen Traditionen", betonen die Theologen, sei mit diesem Votum nicht beabsichtigt. Das erreichte Maß an Verständigung gerade auch zum Thema Abendmahl/Eucharistie selbst erlaubt es ihrer Ansicht nach nicht mehr, "die verbliebenen Differenzen als kirchentrennend zu betrachten".

Damit macht sich der ÖAK - bei allen Differenzierungen und guten Begründungen - letztlich eine protestantische Sicht zu eigen. Dass er mit diesen Argumenten auch alle katholischen Bischöfe überzeugt, kann nach den Auseinandersetzungen über die "Orientierungshilfe" eher bezweifelt werden. Bätzing mahnte mit Blick auf seine Amtsbrüder: "Das Einzige, was ich mir in dem nun beginnenden Diskussionsprozess nicht vorstellen kann, ist ein apodiktisches: so nicht! Dann werde ich zurück fragen: Wie denn dann? Wie denn anders?"

Norbert Zonker
(KNA)

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