Bischof Gebhard Fürst: Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz
Bischof Gebhard Fürst

26.03.2019

Bischof Fürst verteidigt Haltung zur "Ravensburger Erklärung" Christen sprechen über Miteinander der Kirchen

Ravensburg ist seit Jahrhunderten ökumenisch geprägt. So sorgte es für Aufsehen, als Bischof Fürst einforderte, eine Erklärung über das Miteinander von Katholiken und Protestanten zurückzunehmen. Jetzt kam es zum Gespräch.

Das geschieht heute selten: Bei einer Veranstaltung zu einem innerkirchlichen Thema stehen bereits eine Dreiviertelstunde vor Beginn mehr als 100 Menschen vor der Tür, um Einlass zu erhalten. Dutzende müssen am Montagabend sogar draußen bleiben, weil die Kapazität des Ravensburger Schwörsaals mit rund 400 Plätzen komplett ausgelastet ist.

"Ravensburger Erklärung"

Drinnen ging es um die "Ravensburger Erklärung" aus dem Jahr 2017, mit der sich Katholiken und Protestanten wechselseitig zu Eucharistie und Abendmahl in ihren Gottesdiensten eingeladen hatten. Der für das oberschwäbische Ravensburg zuständige Rottenburger Bischof Gebhard Fürst hatte später Ortspfarrer Hermann Riedle angewiesen, diese Einladung zurückzunehmen.

Die evangelische Kirche, Oberbürgermeister Daniel Rapp (CDU) und viele Christen in der historisch stark ökumenisch geprägten Stadt reagierten sehr verärgert, sahen sich in ihrem Engagement für das Zusammenwachsen der christlichen Kirchen behindert. Ein Schweigemarsch folgte. Fürst war daraufhin eingeladen worden, um seine Position vor Ort zu erläutern.

Sowohl am Anfang wie am Ende der Veranstaltung machte die stellvertretende Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderates, Monika Braun, deutlich, dass sie sich wünsche, dass sich die Türen der Kirchen öffnen. Ökumenisch engagierte Christen berichteten, dass sie den Tag der Unterzeichnung, den 8. Oktober 2017, nicht mehr vergessen würden.

Damals hatten nicht nur die Seelsorger beider Konfessionen, sondern auch viele einfache Gemeindemitglieder den Text mit seinen gerade einmal 74 Worten unterschrieben: "Hier vor Ort beginnen wir, vom Trennen zum Teilen zu gelangen, indem wir aufeinander zugehen. Hier vor Ort beginnen wir, Zeichen zu setzen für Frieden und Versöhnung, indem wir Türen öffnen. Hier vor Ort beginnen wir, uns an einen Tisch zu setzen und Grenzen zu überwinden. Hier vor Ort beginnen wir mit einer einladenden Kirche, indem wir uns offen und herzlich zu Kommunion und Abendmahl einladen. Hier vor Ort beginnen wir einen gemeinsamen Weg."

Fürst gegen Einladung zur Teilnahme an der Eucharistie

Fürst machte deutlich, dass er den allergrößten Teil dieser Erklärung unterstütze und zollte Respekt für das Engagement vor Ort. Lediglich die Einladung zur Teilnahme an der Eucharistie findet demnach nicht seine Zustimmung. Der Bischof zeigte sich betroffen, dass er nach der formalen Rücknahme habe hören müssen, er habe die Ökumene zerstört.

Er sei nach Ravensburg gekommen, "um Irritationen aufzulösen". Atmosphärisch gelang dies. Nachfragen machten allerdings deutlich, dass es bei unterschiedlichen Ansichten zwischen dem Bischof, der mit der bistums- und der weltweiten Dimension des Themas argumentierte, und den Menschen vor Ort blieb, die ihre persönlichen Erfahrungen eines Miteinanders zum Maßstab der Annäherung der Kirchen machen wollen.

Die Vertreter der evangelischen Kirche blieben am Montagabend bei ihrer Linie, die Dekan Friedrich Langsam vorher formuliert hatte: Die Protestanten, bei denen Christen anderer Konfession grundsätzlich zur Teilnahme am Abendmahl eingeladen sind, sehen ein innerkatholisches Problem und wollten nur "interessierte Zuhörer" sein. Zugleich hatte sich Langsam weitere Impulse für die Ökumene vor Ort gewünscht.

Bemühung um versöhnliche Sätze

In Richtung der Protestanten sagte Fürst, dass die Nicht-Einladung zur Eucharistie nicht als Urteil über den Glauben und die Haltung evangelischer Christen verstanden werden dürfe. Aber eine gegenseitige Einladung zu Abendmahl und Eucharistiefeier entspreche "nicht dem Stand der ökumenischen Beziehungen". Und nach katholischem Verständnis könnten "Kirchen nicht ortsgebunden fusionieren". Fürst machte zugleich deutlich, dass zum jetzigen Zeitpunkt weitere Schritte auf die Protestanten auch mit der Gefahr einer innerkatholischen Spaltung verbunden seien.

Am Ende der zwei Stunden mühten sich alle Seiten sehr um versöhnliche Sätze, die von Beobachtern für möglich gehaltene Eskalation blieb aus. Fürst würdigte, dass 400 Menschen über einen Kernpunkt des christlichen Glaubens gesprochen hätten. Er habe gespürt, dass Katholiken und Protestanten als Getaufte gemeinsam auf dem Weg seien.

Braun dankte Fürst für dessen Gesprächsbereitschaft. Dies gelte - "trotz Unterschieden in Einzelfragen".

Michael Jacquemain
(KNA)

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