Pfarrer Kruse: "In allen Kirchen Roms gibt es eine große Bereitschaft zur Ökumene"
Pfarrer Kruse: "In allen Kirchen Roms gibt es eine große Bereitschaft zur Ökumene"
Pfarrer Jens-Martin Kruse (deutschsprachige evangelische Gemeinde in Rom)
Pfarrer Jens-Martin Kruse
Papst Franziskus und Pfarrer Jens-Martin Kruse
Mit Papst Franziskus

12.01.2018

Pfarrer über seine Zeit in Rom, dem "Vorort der Ökumene" "Hier ist ökumenischer Aufbruch"

Zehn Jahre lang hat er die evangelisch-lutherische Gemeinde in Rom geleitet, nun verabschiedet er sich: Pfarrer Kruse verrät, was ihm Papst Franziskus mitgegeben hat und wie es sich als evangelischer Christ in Rom lebt.

DOMRADIO.DE: Heute Mittag waren Sie zum Abschiedsbesuch bei Papst Franziskus eingeladen. Wahrscheinlich war das ein ganz besonderer Termin, oder?

Jens-Martin Kruse (Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom): Auf jeden Fall. Dem Papst zu begegnen ist immer besonders. Zu Papst Franziskus ist in den vergangenen Jahren ein ganz intimes, vertrauliches, nahes Verhältnis entstanden, so dass es wirklich ein besonders schöner und sehr, sehr berührender Besuch und ein ganz einmaliges Erlebnis gewesen ist. 

DOMRADIO.DE: Was hat der Papst Ihnen mit auf den Weg gegeben?

Kruse: Zum einen habe ich mich bei ihm bedankt für seinen Dienst, für seine Verkündigung des Evangeliums, für die Art und Weise wie er seinen Glauben lebt – was man meiner Wahrnehmung nach durchaus als ökumenisches Primat bezeichnen kann. Der Papst leistet der Christenheit, der Ökumene, einen ganz entscheidenen Dienst. Dann haben wir uns über verschiedene ökumenische Aktivitäten verständigt und uns gegenseitig darin bestärkt, dass wir den Weg zur sichtbaren Einheit der Christenheit gemeinsam mutig und zuversichtlich weitergehen wollen.

DOMRADIO.DE: Rund zehn Jahre haben Sie in Rom gewirkt und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde geleitet. Wenn wir die zehn Jahre Revue passieren lassen: Welche ganz besonderen Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Kruse: Diese zehn Jahre sind eine ganz reiche und wunderbare Zeit. Wir in der Gemeinde haben das Gefühl, dass wir mit viel mehr Erlebnissen beschenkt wurden als man erwarten kann. Das ist ganz Unterschiedliches: Begegnungen mit den Menschen in meiner Gemeinde, viele schöne Gottesdienste, ein unglaublich reiches Reformations-Gedenkjahr; das sind natürlich genauso wunderbare Begegnungen in der Ökumene, sowohl auf Ortsebene mit den römisch-katholischen Kollegen und Pfarreien als auch mit den Bischöfen und Kardinälen im Vatikan und natürlich mit den beiden Päpsten, mit Benedikt XVI. und seit fast fünf Jahren mit Papst Franziskus.

DOMRADIO.DE: Unvergessen bleiben sicherlich die Besuche von Papst Benedikt im März 2010 und von Papst Franziskus im November 2015. Haben Sie den Eindruck, sie konnten hier die Ökumene gemeinsam ein Stück vorantreiben?

Kruse: Ich glaube, Rom ist heute so etwas wie der Vorort der Ökumene – ein ökumenisches Laboratorium, in dem wir leben und gestalten, was heute möglich ist. Ich denke, man kann im Rom im Kleinen sehen, was auch auf Weltebene gilt: Hier ist ökumenischer Aufbruch. Hier sind alle Ampeln auf grün gestellt. In allen Kirchen Roms gibt es eine große Bereitschaft zur Ökumene und die lutherische Gemeinde ist mittendrin. Wir haben mit unseren Möglichkeiten versucht, diesen Prozess zu unterstützen und zu fördern.

Ich habe das Gefühl, mit Papst Franziskus hat das Ganze noch einmal eine ganz neue, wunderbare Dynamik bekommen. Ich glaube, wer heute nach Rom kommt oder wer nach Rom schaut, der sieht, wo die Reise hingeht. Hier ist ganz viel Schwung, Begeisterung, Elan und auch Mut für mehr Ökumene.

DOMRADIO.DE: Bald schon gehts wieder Richtung Deutschland. Wird es dann wieder eine besondere Gemeinde werden, die Sie leiten?

Kruse: Ja, das wird auch eine besondere Gemeinde. Jede Gemeinde ist irgendwie besonders. Ich darf an der Hauptkirche Sankt Petri tätig sein, mitten in der Innenstadt von Hamburg. Das ist, denke ich, eine ganze schöne und wunderbare Aufgabe und ich hoffe und freue mich darauf, dass ich viel von meinen römischen Erfahrungen einbringen kann.

Mit der Hauptkirche Sankt Petri ist die Aufgabe der Ökumene verbunden und ich denke, dass ein "römischer Lutheraner" oder ein "lutherischer Römer" in Hamburg eine ganze Menge beisteuern kann. Mit der Hauptkirche Sankt Petri sind auch eine wunderbare Kirchenmusik und ein starkes Engagement für bedürftige Menschen im Beratungs- und Seelsorgezentrum verbunden. Das verspricht auf jeden Fall eine attraktive und herausfordernde Aufgabe zu werden.

DOMRADIO.DE: Steht Ihre Nachfolge in der Kirchengemeinde an der Christuskirche schon fest?

Kruse: Die Auswahlverfahren und die Gottesdienste, mit denen sich die Kanidaten vorstellen, werden Ende Januar beginnen. Am dritten Sonntag im Februar wählt die Gemeinde und dann wird man Mitte Februar wissen, wer mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin sein wird (Anm. d. Red.: Es wird eine kurze Vakanz in der Gemeinde geben, da Pastor Kruse bereits am 1. Februar in Hamburg sein neues Amt antreten wird.)

Das Gespräch führte Dagmar Peters.

(DR)

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