Religionsunterricht
Religionsunterricht in einer achten Klasse eines Gymnasiums
Susanne Orth
Susanne Orth

09.08.2017

Baden-Württemberg gestaltet Religionsunterricht konfessionell-kooperativ Ökumenisch aber getrennt

Katholische und evangelische Religionslehrer wechseln sich von Jahr zu Jahr ab. Dieses Modell testen Schulen in Baden-Württemberg. Ist das der Religionsunterricht der Zukunft? Ein Interview mit Susanne Orth aus dem Erzbistum Freiburg.

domradio.de:  Bedeutet konfessionelle Kooperation auch, dass der Religionsunterricht ökumenisch gestaltet wird?

Susanne Orth (Leiterin der Bildungsabteilung im Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg): Also ökumenisch nennen wir es nicht, sondern eben konfessionell-kooperativ. Denn katholische und evangelische Lehrkräfte unterrichten während eines Schuljahres abwechselnd die Schüler und Schülerinnen beider Konfessionen. Das heißt, die Lehrer sitzen nicht gemeinsam vor den Kindern, sondern unterrichten getrennt voneinander. Das spezielle konfessionelle Profil bleibt also erhalten.

domradio.de: Wie ist es dazu gekommen, dass man den Religionsunterricht in Baden-Württemberg an einigen Schulen in konfessioneller Kooperation gestaltet?

Orth: Uns ist schon lange Ökumene wichtig. Wir wollen auch im Religionsunterricht zeigen, dass wir als Kirchen gut zusammenarbeiten. Schülerinnen sollen darin gezeigt bekommen, was uns verbindet, aber auch was uns unterscheidet.

Der Religionsunterricht soll den Schülern helfen, einen eigenen Standpunkt zu finden und gleichzeitig andere konfessionelle und religiöse Standpunkte kennen zu lernen. Das bedeutet, dass Kindern, die Konfession des anderen Mitschülers deutlich wird.

domradio.de: Wie funktioniert das in der Praxis, wenn in einem Jahr der evangelische Religionsunterricht an der Reihe ist, was macht dann der katholische Lehrer?

Orth: Beide Lehrer müssen sich gut miteinander absprechen und als Team arbeiten. Sie reichen bei uns vorher einen Plan ein, in dem sie zeigen, wie sie die nächsten zwei Jahre gestalten wollen und die Themen aufteilen. Und in der Regel ist es so, dass parallel dann der eine Lehrer die eine Gruppe und der andere Lehrer die Parallelgruppe unterrichtet. Zwischendrin können sie sich ja auch immer miteinander austauschen. Denn oftmals gibt es ja auch Fragen zur anderen Konfession, wenn man da den Kollegen als Experten fragen kann, ist das sehr bereichernd für alle Seiten.

domradio.de: Wir haben immer weniger Taufen, das heißt, auch weniger Kinder die zum Religionsunterricht gehen. Dieser Trend betrifft ganz Deutschland. Wie kommt ihr Pilotprojekt in anderen Bundesländern an?

Orth: Man muss da noch mal genau hinschauen. Unser Modell funktioniert dann besonders gut, wenn evangelische und katholische Christen in einem Gebiet gleich stark sind und sich das bei den Schülern widerspiegelt. Dann braucht man nämlich beides  –  katholische und evangelische Religionslehrer. Erst beide machen einen solchen Unterricht möglich.

domradio.de:  Bis vor einigen Jahren war der konfessionell getrennte Religionsunterricht sogar im Grundgesetz verankert. Unterstützt die Politik die konfessionelle Kooperation?

Orth: Auch unser Religionsunterricht ist der, der im Grundgesetz verankert ist, denn es ist konfessioneller Unterricht. Was diesen auszeichnet, ist, dass er an eine konkrete Glaubensgemeinschaft – eben an die katholische oder evangelische Kirche – rückgebunden ist. Bei uns wechseln die Lehrer sich einfach ab. Das Grundgesetz gilt also nach wie vor. Es ist eine gute Grundlage um auch Formen solcher konfessioneller Zusammenarbeit zu entwickeln.

domradio.de: Gibt es Anfragen aus anderen Bundesländern, wie machen Sie das, wie sind Ihre Erfahrungen?

Orth: Es kommen tatsächlich Anfragen. Man muss immer schauen, wie die konkreten Bedingungen in den einzelnen Bundesländern sind. Die sind in Deutschland je nachdem, wie die Kultusbürokratie aufgebaut ist und wie Schulen verwaltet werden, enorm unterschiedlich. Man muss sich da auch anschauen, wie die Konfessionen verteilt sind. Wir haben Gegenden, wo fast nur Katholiken leben, andere, wo es fast nur Protestanten gibt und eben auch solche Regionen, wo sie ähnlich verteilt sind.

Da muss jedes Bundesland, jede Diözese, jede Landeskirche dann selber schauen, welche Formen bei ihnen funktionieren.

Wir haben halt das Glück, dass es ungefähr gleich viele Katholiken und Protestanten in Baden-Württemberg gibt. Und wir haben einen guten Kontakt zur staatlichen Schulverwaltung. Unsere amtliche Schulstatistik gibt uns ganz viel Infos über den Religionsunterreicht und wir sind eng im Gespräch mit Schulleitung und Schulen sind. Also haben wir gute Voraussetzungen gehabt, das Modell der konfessionellen Kooperation einzuführen.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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