Fatima Zohra Medjadi (l.) und Marianne Rogall sitzen an der Friedestafel während des Hohen Friedensfestes vor dem Augsburger Rathaus.
Fatima Zohra Medjadi (l.) und Marianne Rogall sitzen an der Friedestafel während des Hohen Friedensfestes vor dem Augsburger Rathaus.

09.08.2017

1.400 Menschen tafeln zum Hohen Friedensfest unter freiem Himmel Augsburger begehen ihren einzigartigen Feiertag

Beim Augsburger Friedensfest ist der neue Träger des Friedenspreises bekanntgegeben worden: Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbunds. Bei der Feier danach gab es einen kleinen Zwischenfall.

Die Szene am Dienstagvormittag passt so gar nicht zu diesem Feiertag. Als das Augsburger Hohe Friedensfest mit einem Gottesdienst in der evangelischen Sankt-Anna-Kirche eingeläutet wird, beginnt eine alte Dame auf einmal zu murren. "Unmöglich", schimpft sie, wie solle sie denn da noch etwas sehen?, "Mensch!".

Jemand hatte sich vor sie gesetzt, auf einen der wenigen noch freien Plätze in dem überfüllten Gotteshaus. "Sei doch nicht so", flüstert da der Begleiter der Dame. "Heute ist doch Friedensfest!" Dann, mehr nach oben als zu der Frau gewandt, sagt er: "Frieden - manchmal gar nicht so leicht einzuhalten."

Einziger gesetzliche Feiertag, der nur in einer Stadt gilt

Umso wichtiger also, dass die Menschen einander immer wieder dazu mahnen. Die Augsburger tun das jedes Jahr am 8. August - mit ihrem Friedensfest. Es ist der deutschlandweit einzige gesetzliche Feiertag, der nur in einer Stadt gilt. Erstmals wurde er 1650 gefeiert, nachdem die Protestanten das Recht zur Religionsausübung und ihre Kirchengebäude wiedererlangt hatten.

Seither haben sie sich über die ganze Erde verbreitet. Ein Ausdruck dessen ist der 1947 gegründete Lutherische Weltbund (LWB) mit Sitz in Genf. Dessen Generalsekretär, Pfarrer Martin Junge (56), ist nun der neue Träger des alle drei Jahre vergebenen Augsburger Friedenspreises.

Das gibt Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) zum Fest bekannt und würdigt Junge als "geduldigen Brückenbauer zwischen den Kontinenten". Der evangelische Regionalbischof Michael Grabow nennt ihn zudem einen "herausragenden Verbinder". Junge wurde als Sohn einer Österreicherin und eines Chilenen in Chile geboren.

Dialog zwischen LWB und Vatikan

Junge selbst erklärt, der Friedenspreis ermutige ihn, "den Weg der Versöhnung zwischen Kirchen und Religionen fortzusetzen". Durch kontinuierlichen Dialog wüchsen Vertrauen und gegenseitiges Verständnis, Unterschiede könnten so überwunden werden. "Dies zeigt die Annäherung zwischen Lutheranern und Katholiken in den 50 Jahren des Dialogs zwischen LWB und Vatikan eindrücklich."

Nah beieinander sind Protestanten und Katholiken auch in Sankt Anna, jener Kirche, in der die alte Dame ihr Meckern eingestellt hat. Sie hört jetzt der Predigt von Domkapitular Wolfgang Klausnitzer zu. Der Leiter des Ökumenereferats des Erzbistums Bamberg sagt: "Vielleicht gelingt es uns in der Ökumene, eine Gestalt und ein Bekenntnis der christlichen Gemeinschaft zu finden, in dem wir Anglikaner, Katholiken, Lutheraner, Orthodoxe, Reformierte und Mitglieder der Freikirchen und anderer Kirchen unser je eigenes Bekenntnis zur Form der Kirche 'aufgehoben', bewahrt und biblisch vertieft finden, bereichert durch das Bekenntnis der anderen."

"Glauben braucht Bekenntnis, Außenwirkung, Öffentlichkeit."

Das Thema Vielfältigkeit spricht auch die evangelische Stadtdekanin Susanne Kasch an. Diese müsse man an den Menschen schätzen und respektieren, sagt sie. Der katholische Prälat Bertram Meier fügt hinzu: "Glauben braucht Bekenntnis, Außenwirkung, Öffentlichkeit."

In dieser Öffentlichkeit sitzen nach dem Gottesdienst rund 1.400 Menschen an der Freiluft-Friedenstafel auf dem Rathausplatz.

Friedenswünsche und großes Schlemmen

Vertreter mehrerer Religionen sprechen ihnen Friedenswünsche aus. Und dann beginnt das große Schlemmen: Die Tafel-Teilnehmer tauschen mitgebrachtes Essen aus und kommen ins Gespräch.

So wie Marianne Rogall und Fatima Zohra Medjadi. Die 84- und die 30-Jährige trennt ein großer Altersunterschied und die Herkunft: Rogall ist Deutsche, Medjadi aus Algerien. "Aber wir leben beide in Augsburg, glauben beide an Gott, auch wenn wir ihn anders nennen", sagt Rogall. "Und vor allem sind wir beide Menschen." Medjadi nickt. "Es ist schön, hier auf so viel Offenheit zu treffen."

Gegner melden sich via Plakat

Doch nicht jeder begrüßt diese Offenheit. Am Perlachturm neben dem Rathaus kommt es zu einem kleinen Zwischenfall, dort hängt kurzzeitig ein Plakat. "Gegen das, was ihr Frieden nennt. Multikulti tötet" steht darauf. Vertreter von Stadt und Polizei entfernen es rasch.

Ihnen zufolge könnte die rechtsextreme "Identitäre Bewegung" dahinterstecken. Wie sagte noch der Mann in der Kirche? "Frieden - manchmal gar nicht so leicht einzuhalten."

Christopher Beschnitt
(KNA)

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