Patriarch Bartholomaios I.
Patriarch Bartholomaios I.

30.05.2017

Patriarch Bartholomaios I. erhält Ehrendoktor der Uni Tübingen "Ökumenischer Brückenbauer"

Das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Weltkirche, Patriarch Bartholomaios I., ist von der Universität Tübingen als "ökumenischer Brückenbauer" gewürdigt worden. Er bekam von der Uni den Ehrendoktor verliehen.

Michael Tilly, Dekan der Evangelisch-theologischen Fakultät, lobte am Dienstag das Engagement des Patriarchen für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Außerdem habe Bartholomäus den Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden vorangebracht und sich für die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt, sagte Tilly.

Tilly und Bartholomaios erinnerten gemeinsam daran, dass es bereits im 16. Jahrhundert einen sieben Jahre dauernden Briefwechsel zwischen lutherischen Theologen in Tübingen und dem damaligen Patriarchen von Konstantinopel, Jeremias II., gegeben habe. Die Tübinger hatten eine griechische Übersetzung des lutherischen Augsburger Bekenntnisses an den Bosporus geschickt. Dem Patriarchen zufolge führten die theologischen Differenzen dann aber zum Abbruch des Dialogs. Er sei erst 400 Jahre später wieder offiziell mit dem Lutherischen Weltbund aufgenommen worden.

"Orthodoxe Theologie ist kein einheitlicher Block"

Der Patriarch sieht nach eigenen Worten in der orthodoxen Theologie heute ein wachsendes Interesse an Martin Luther. Insbesondere Luthers Freiheitsbegriff finde zunehmend Beachtung. Gleichzeitig sei das 500. Reformationsjubiläum ein guter Anlass, dass der Protestantismus einen neuen Zugang zur orthodoxen Theologie finde, die "kein einheitlicher Block" sei, sagte Bartholomaios.

Am Festakt für den Patriarchen nahmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, die EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber, der Vorsitzende der Ökumenekommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige, und der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, teil. Am Vorabend hatte der Patriarch am ersten Tag seines Deutschlandbesuchs nach einer Begegnung mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine orthodoxe Vesper in der Stuttgarter Stiftskirche gefeiert. An diesem Mittwoch reist der Patriarch nach Berlin. Der Besuch endet am 2. Juni.

Die orthodoxen Kirchen

Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 300 Millionen orthodoxe Christen, etwa eine Million davon in Deutschland. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel mit Sitz im heutigen Istanbul hat eine Art Ehrenvorsitz in der Orthodoxie inne. Die orthodoxen Kirchen gehören zu den großen Konfessionsfamilien des Christentums. Es sind jene Kirchen, die in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches entstanden sind oder von dort aus durch Mission gegründet wurden.

Aufgrund des Entstehungsgebietes werden sie auch "Ostkirchen" genannt. Nach jahrhundertelangem Streit um theologische, politische und kulturelle Fragen spaltete sich das Christentum im 11. Jahrhundert endgültig in einen östlichen und einen westlichen Zweig. Die orthodoxe sowie die römisch-katholische Kirche entwickelten sich danach weitgehend unabhängig voneinander.

(epd)

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