Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen mit Bischof Wiesemann (3.v.l.)
Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen mit Bischof Wiesemann (3.v.l.)

29.03.2017

ACK-Vorsitzender Bischof Wiesemann zur Ökumene "Multilaterale Beziehungen"

Immer häufiger wird über mögliche Formen eines gemeinsamen Abendmahls diskutiert. Das ist allerdings nur ein Randthema bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, wie Bischof Karl-Heinz Wiesemann im Interview erklärt.

domradio.de: Ab diesem Mittwoch trifft sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zu ihrer zweitägigen Mitgliederversammlung. Der wahrscheinlich strittigste Punkt ist wohl dabei die Abendmahlsgemeinschaft. Könnte man nicht 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag sagen, es wäre ein guter Anlass für eine Änderung?

Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Bischof von Speyer und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland/ACK): Jede Zeit wäre ein guter Anlass, endlich wieder die ganze und volle sichtbare Einheit zu gewinnen. Wir als Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen sind natürlich in einer sehr großen Breite aufgestellt. Da sind auch die Orthodoxen, Anglikaner und Freikirchen dabei. Da steht diese Frage nicht im Vordergrund. Für uns stehen die Fragen im Mittelpunkt, wie wir gemeinsam Christus in der Gesellschaft bezeugen können und wie wir in einer säkularen Gesellschaft miteinander stärker Zeugnis ablegen können für die wichtigen Werte, die aus dem Glauben heraus kommen können, so dass wir uns gemeinsam für das stark machen können, was Christentum in unserer heutigen Zeit bedeutet. Das steht in dieser multilateralen Ökumene im Vordergrund.

domradio.de: Multilateral ist das große Stichwort. Bei uns steht meist die Beziehung zwischen katholischer und evangelischer Kirche im Vordergrund. Aber es gibt natürlich auch die orthodoxe Kirche und Freikirchen in Deutschland. Wie sieht denn die Beziehung zu denen aus katholischer Sicht in diesem Jahr aus?

Wiesemann: Wir arbeiten in der ACK alle zusammen in einem Gremium, das so etwas wie ein Kirchenrat ist. Woanders wird das so ähnlich genannt, bei uns heißt es Arbeitsgemeinschaft. Wir arbeiten da nun schon seit Jahrzehnten zusammen und haben sehr vertrauensvolle Beziehungen. Da spürt man auch manchmal, dass Dinge sehr unterschiedlich betrachtet werden. Die Verletzungsgeschichten aus der Zeit nach der Reformation betreffen ja auch nicht nur die beiden großen Kirchen, sondern in besonderer Weise auch die kleineren Kirchen, die täuferischen Gemeinschaften, die sehr stark verfolgt worden sind - auch und gerade von den großen Kirchen. Deswegen ist es wichtig, dass wir zusammenkommen und gemeinsam miteinander aufarbeiten und uns gemeinsam im Glauben stärken sowie die Verbindungen aller Christen zusammen suchen. Das ist bei der Vielfalt natürlich nicht immer ganz einfach, weil ganz kleine und ganz große Partner da zusammensitzen. Es sind welche dabei, für die letztendlich nur die Gläubigentaufe gilt, während die traditionelleren Kirche auch die Kindertaufe praktizieren. Wir haben eine ganze Menge Themen, über die wir zusammen sprechen müssen. Aber es herrscht immer eine sehr positive Atmosphäre, was sehr schön ist.

domradio.de: Gerade bei der Taufe gibt es einen freudigen Anlass, denn die großen Kirchen kennen jetzt seit zehn Jahren die Taufe der "anderen" Seite gegenseitig an. Das ist eigentlich auch ein Grund zum Feiern, oder?

Wiesemann: Wir haben die Magdeburger Tauferklärung, die vor zehn Jahren abgegeben worden ist. Natürlich hat man auch die Taufen schon vorher anerkannt, aber das war schon ein wichtiger und feierlicher Akt, um deutlich zu machen, dass die Taufe unser gemeinsames Fundament ist. Wer getauft ist, gehört zum Leib Christi. Das ist unser Glaube. Das heißt, er gehört im Innersten zu Christus und damit gehören auch wir im Innersten zusammen. Wir müssen zwar die volle Kircheneinheit noch suchen, aber durch die Taufe ist uns schon eine gewisse Einheit gegeben. Das Verbindende ist stärker als das Trennende. Das sagt uns die gemeinsame Taufe. Wir werden heute im Magdeburger Dom, wie vor zehn Jahren, einen Gottesdienst anlässlich dieses Jubiläums feiern und einen Festakt abhalten.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

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