Viel los in der christlichen Blogger-Welt
Viel los in der christlichen Blogger-Welt

29.09.2016

"Theoradar.de" analysiert die Welt christlicher Internet-Blogs Von Cathwalks und Kuschelkirchen

Christliche Blogger behandeln im Internet eine große Vielfalt an Themen - von Bisexualität über behinderte Kinder bis zu theologischem Feuilleton. Eine neue Plattform will nun einen schnellen Überblick geben.

Katholiken können auch Mode. Wer denkt, der Model-Catwalk habe nicht auch eine spirituelle Komponente, der sollte einmal den Blog "thecathwalk.net" lesen. Das "Onlinemagazin für katholische Lebensart" versteht sich als Lifestyle-Blog, in dem über "Gottes schöne Welt" geschrieben wird - das können päpstliche Rundschreiben, moderne Sakralarchitektur oder eben auch die Fashion Week sein. Aktuell viel geklickt wird ein Text, in dem das junge Redaktionsteam Vorurteile gegenüber Hausfrauen thematisiert.

"thecathwalk.net" ist eines von zahlreichen christlichen Blogs - Internetseiten, in denen private Autoren wie in digitalen Tagebüchern ihre Gedanken über Gott und die Welt mitteilen, sich untereinander vernetzen und kommentieren. Auf "kreuz und queer" etwa, einer Seite im Rahmen des Internetportals evangelisch.de, schreibt unter anderem die Wiener Theologin Katharina Payk über Bisexualität und Diskriminierung. Andere Blogs nennen sich "Kuschelkirche", "GekreuzSiegt" oder "feinschwarz", die Themen reichen von der Abtreibung bis zum Pfarrereinsatz am Oktoberfest.

Große christliche Blogosphäre

Doch wie erfährt der Leser überhaupt, welche Themen gerade auf welchen Seiten angesagt sind? "Die christliche Blogosphäre ist groß und unübersichtlich für Außenstehende", weiß Tobias Sauer. Der 26-jährige Trierer hat kürzlich sein katholisches Theologiestudium abgeschlossen und bloggt selbst seit mehreren Jahren. Er hat die Seiten DreifachGlauben.de und Ruach.jetzt ("Initiative für innovative Verkündigung") gestartet. Um aber nicht nur Insidern, sondern einem breiteren Publikum einen Überblick über die christliche neue Medien-Welt zu geben, hat er mit dem Berliner Fabian Maysenhölder die neue Seite "theoradar.de" auf den Weg gebracht.

"Bislang war es aufwändig, einen Überblick über Themen der christlichen Blogosphäre zu bekommen", erklärt Maysenhölder. Der 30 Jahre alte evangelische Theologe und Online-Journalist und Sauer wollen mit ihrem Anfang September gestarteten Portal "theoradar.de" daher einen Einstiegspunkt in die christliche Blogosphäre bieten. Es sind jedoch nicht die subjektiven Interessen der beiden Macher, sondern Algorithmen, die hier am Werk sind.

Theoradar basiert auf einer kontinuierlich erweiterten Datenbank, in der aktuell rund 100 Blogs enthalten sind. Eine automatische Software analysiert, welche Beiträge besonders viel Resonanz in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Google Plus erhalten. Daraus wird ein Ranking-Wert berechnet, aus dem sich mehrere Toplisten speisen.

Besucher der Seite können sich anschauen, welche Beiträge in der jeweiligen Woche oder im aktuellen Monat besonders angesagt sind oder welche gerade in ihrer Wahrnehmung aufsteigen.

Öffentliches Archiv

Ein positiver Nebeneffekt sei, dass Themen länger festgehalten würden, erläutert Maysenhölder: "Auf Facebook und Twitter rauscht alles schnell vorbei. Theoradar hingegen macht es durch ein öffentliches Archiv möglich, noch in zwei Jahren nachzuschauen, welche Themen im September 2016 heiß diskutiert wurden."

Auch auf der Meta-Ebene ist Theoradar aufgestellt - mit einem eigenen Blog im Portal, der unter anderem die Frage erörtert, ob Christen überhaupt bloggen sollten. Sauer ist überzeugt: "Das ist eine Form von Glaubensverkündigung." Man trete in den Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen, man könne auch mal unfertige Gedanken äußern. Zwar gebe es im katholischen Milieu Menschen, für die es in Glaubensfragen keine Abweichungen von ihrer Wahrheit gebe. "Wir versuchen aber, eine Diskussionskultur zu schaffen, in der jeder seine Meinung sagen kann. Auch in der Theologie gibt es so viele Punkte, über die man kontrovers diskutieren kann", sagt Sauer.

Wer bloggt, mache sich angreifbar, der werde aber auch gezwungen, sich selbst, seinen Glauben, seine Theologie zu hinterfragen, sagt Maysenhölder - und fordert: "Bloggt, Ihr Christen, bloggt!"

Michael Merten
(KNA)

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