Metropolit Augoustinos von Deutschland
Metropolit Augoustinos von Deutschland

27.06.2016

Metropolit Augoustinos über das orthodoxe Konzil "Die Tür ist nicht zugeschlagen"

Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland, Augoustinos, hat als Delegierter am orthodoxen Konzil auf Kreta teilgenommen. Im Interview zog er eine erste Bilanz - und freut sich vor allem, dass das Konzil eine ständige Einrichtung werden soll.

KNA: Wie haben Sie das Konzil erlebt?

Metropolit Augoustinos (Griechisch-orthodoxer Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa): Es waren acht sehr erfüllte, aber auch anstrengende Tage. Das ist nicht nur auf die hier in meiner Heimat Kreta herrschende Hitze zurückzuführen, sondern auch darauf, dass wir detaillierte Textarbeit (in vier Sprachen!) an komplizierten theologischen Dokumenten geleistet haben - und zwar in bischöflichem Ornat. Knapp 300 Bischöfe aus aller Welt haben äußerst intensiv gearbeitet; ich selbst habe viele Bekannte wiedergetroffen, nicht nur aus dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, dem ich angehöre, sondern auch aus anderen Kirchen.

KNA: Welches sind für Sie die wichtigsten Ergebnisse?

Augoustinos: Da ich selbst schon seit über fünf Jahrzehnten in Deutschland lebe, war ich neben dem Thema der Diaspora insbesondere an dem Ökumene-Beschluss interessiert. Das wichtigste Ergebnis ist wahrscheinlich, dass das Heilige und Große Konzil zu einer ständigen Einrichtung unserer Kirche erklärt wurde, auf die wir also nicht wieder Jahrzehnte oder Jahrhunderte warten müssen, selbst wenn der Sieben-Jahres-Rhythmus, der auf dem Konzil anvisiert wurde, letztendlich nicht im Hirtenbrief des Konzils ausdrücklich erwähnt wird.

KNA: Welche Auswirkungen hat das Dokument über die Diaspora für die Orthodoxie in Deutschland?

Augoustinos: Der Zustand, dass es in Deutschland, ebenso wie in anderen Gebieten der Welt, mehrere sich überdeckende Diözesen gibt, wurde in dem besagten Dokument als kanonische Anomalie bezeichnet, für deren kirchenrechtlich einwandfreie Lösung wir aber noch nicht reif sind. Deshalb wurde beschlossen, in allen betroffenen Gegenden die bestehenden Bischofskonferenzen zu konsolidieren, sie werden jetzt also mit konziliarem Auftrag arbeiten, nicht als freiwillige oder lose Arbeitsgemeinschaften, sondern als lebendiger Ausdruck der Synodalität unserer Kirche.

KNA: Wird Ihr Nachfolger auch noch den Titel "Metropolit von Deutschland" tragen?

Augoustinos: Sie spielen darauf an, dass es auch die Empfehlung an die Ortskirchen gegeben hat, Doppelungen von Titeln zu vermeiden. Das betrifft auch Deutschland. Ich kann Ihnen aber versichern, dass auch mein Nachfolger diesen Titel tragen wird ...

KNA: Über die Ökumene wurde heiß diskutiert. Gab es dabei auch vorwärtsweisende Elemente?

Augoustinos: Unbedingt. Die Diskussion, die Sie ansprechen, hängt ja nicht zuletzt damit zusammen, dass auch die Orthodoxe Kirche eine Weltkirche ist, die in ganz unterschiedlichen Kontexten lebt. Bischöfe aus allen fünf Kontinenten haben von ihren unterschiedlichen Erfahrungen mit der Ökumene berichtet; diese Berichte sind in das Ökumenepapier eingeflossen, das den Dialog und Suche nach der verlorenen Einheit als bleibende Aufgabe unserer Kirche festschreibt. Das ist gut.

KNA: Sie haben die Absagen der vier Kirchen vor Beginn des Konzils heftig kritisiert. Haben Sie mittlerweile von diesen Kirchen Signale gehört, wie sie sich weiter verhalten wollen?

Augoustinos: Alle vier Patriarchen haben ihre Absagen mit den jeweils gefassten Synodenbeschlüssen ihrer Kirche begründet und uns - mehr oder weniger direkt - einen Erfolg der Arbeiten in Kreta gewünscht. Da von der Geschäftsordnung her auch eine nachträgliche Unterzeichnung der Beschlüsse von Kreta möglich ist und bei den verabschiedeten Dokumenten auch die Korrekturvorschläge einiger dieser Patriarchate berücksichtigt wurden, ist die Tür gar nicht zugeschlagen. Und wie gesagt: Das nächste Heilige und Große Konzil kommt.

KNA: Aus der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland waren drei Bischöfe auf Kreta, drei andere, die als Delegierte ihrer Kirchen vorgesehen waren, durften nicht mitkommen. Wird das die künftige Zusammenarbeit in der Orthodoxen Bischofskonferenz (OBKD) in Deutschland beeinflussen?

Augoustinos: Ja, es waren drei Bischöfe aus der OBKD, der rumänische Metropolit Serafim, der serbische Bischof Sergije und ich, in Kreta. Vergessen Sie nicht, dass auch der "Ökumenemann" unserer Bischofskonferenz als Mitglied der Delegation des Ökumenischen Patriarchats dabei war. Wir werden bei unserer Sitzung im November in Berlin natürlich den Daheimgebliebenen berichten. Übrigens auch dem Bundespräsidenten, den wir dann besuchen werden. Für die künftige Zusammenarbeit sehe ich keine Schwierigkeiten: Wir sind ein eingespieltes Team.

Das Interview führte Norbert Zonker.

(KNA)

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