Orthodoxes Konzil auf der Kippe
Orthodoxes Konzil auf der Kippe

17.06.2016

Vor Beginn des Panorthodoxen Konzils wird weiter gestritten Leere Stühle und gegenseitige Vorwürfe

Es sollte ein Zeichen der Einheit der Orthodoxie werden - doch das seit Jahrzehnten geplante Panorthodoxe Konzil wird von Konflikten überschattet. Noch wird im Hintergrund nach Auswegen gesucht.

Mit zahlreichen Flaggen mit dem Logo des Panorthodoxen Konzils grüßt der Internationale Flughafen von Chania die anreisenden Gäste. In der Stadt selbst ist von dem bevorstehenden Großereignis noch wenig zu spüren. Nur mit einem kleinen Aushang in der Kathedrale der "Einführung Mariens in den Tempel" werden die täglichen Abendgebete für das Konzil angekündigt. In den Hotels in der Nähe der Orthodoxen Akademie von Kolymvari haben sich Delegationen der teilnehmenden Kirchen einquartiert. Davor parken die Fahrzeuge der zum Schutz eingesetzten Polizei.

10 von 14 Kirchendelegationen sind angereist - von einer "allorthodoxen" Synode kann also nicht mehr die Rede sein. Vor allem fehlt die russisch-orthodoxe Kirche, die mehr als die Hälfte der orthodoxen Gläubigen weltweit und mehr als die Hälfte der Bischöfe zählt. In der traditionsbewussten Orthodoxie steht das erst im zweiten Jahrtausend entstandene Moskauer Patriarchat erst an fünfter Stelle hinter den altkirchlichen Patriarchaten - seit langem ein schwelender Konfliktherd.

Spekulationen über Absagegründe

Über den Grund für die kurzfristige Absage aus Moskau wird weiter heftig spekuliert. Immerhin hatte sich Patriarch Kyrill I. noch im Februar vor seiner Bischofssynode gebrüstet, dass die vorangegangene Konferenz der Vorsteher (Synaxis) in Chambesy bei Genf in zentralen Punkten seinen Anträgen gefolgt sei.

Umso schärfer fällt jetzt die Kritik nach dem Rückzieher Moskaus aus. Der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, für seine diplomatische Sprache bekannt, verurteilte die Entscheidung ungewöhnlich scharf. Er warf den Russen einen Mangel an "gesundem kirchlichen Denken vor" und fügte in Anspielung auf die Größenverhältnisse hinzu, es komme auf die Glaubensmächtigen an und nicht auf die Zahlen. Die russische Kirche lebe "nach der Logik und dem Kalkül weltlicher Macht".

Frage nach weiterem Vorgehen

Mit Spannung wurde erwartet, wie die reguläre "Kleine Synaxis" der Kirchenführer an diesem Freitag mit dem Boykott der vier Kirchen umgehen würde. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. (76) von Konstantinopel hatte die Forderungen nach einer Verschiebung des Konzils oder der kurzfristigen Einberufung einer Sonder-Synaxis unter Hinweis auf die Beschlüsse von Chambesy zurückgewiesen. Er sei nicht befugt, das laufende Verfahren zu verändern.

Das Konzilssekretariat teilte nach dem ersten Treffen der zehn Vorsteher - begleitet von je zwei Bischöfen ihrer Delegation - am Vormittag nur mit, dass die geplante "Botschaft" des Konzils, die seit vergangenem Samstag von einer Arbeitsgruppe entworfen wurde, beraten worden sei. Demnach würde das Programm wie geplant durchgezogen - wogegen sich allerdings die serbische Delegation vor ihrer Anreise ausgesprochen hatte.

Dazu passt, dass der Pressesprecher des Ökumenischen Patriarchats, Erzdiakon John Chryssavgis, in einem Beitrag für das New Yorker Ökumene-Portal "www.firstthings.com" jenen Kirchen, die nicht nach Kreta kommen, das Recht absprach, "das Ergebnis diktieren" zu können. "Es ist eine grundlegende Annahme des internationalen Rechts, dass jede Partei, die sich weigert, an den Tisch zu kommen, ihr Recht aufgibt, bei der Abstimmung berücksichtigt zu werden", schreibt er.

Akzeptanz der Konzilsbeschlüsse infrage gestellt

Dennoch dürfte es die Akzeptanz der Konzilsbeschlüsse in Frage stellen, wenn sie in dieser Weise zustandekommen. Die Teilnehmer hoffen allerdings, dass sich aus dem Konzilsgeschehen eine positive Dynamik entwickelt, der sich auch die Abwesenden auf die Dauer nicht entziehen können. Das Moskauer Patriarchat will nun immerhin, wie es hieß, zu den Beratungen einen "Beobachter" entsenden.

Bei aller Stärke muss Moskau aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen - nicht zuletzt auch angesichts der kirchlichen Situation in der Ukraine, wo die Politik auf eine kirchliche Eigenständigkeit drängt. Dort stehen der orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zwei unabhängige, allersings von der Weltorthodoxie nicht anerkannte unabhängige Kirchen gegenüber. Ein möglicher Verlust seiner ukrainischen Gemeinden und Kleriker würde Moskau schwer treffen.

Norbert Zonker
(KNA)

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