Franziskus beim Besuch der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Rom
Papst Franziskus
Franziskus beim Besuch der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom
Franziskus beim Besuch der Gemeinde

16.11.2015

Papst zu Besuch in evangelischer Kirche in Rom Auf dem Weg

Franziskus hat die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Rom besucht und sich dabei zur Teilnahme am Abendmahl der jeweils anderen Konfession geäußert. Dazu ein domradio.de-Interview mit Jens-Martin Kruse, dem Pfarrer der Gemeinde.

domradio.de: Der Besuch des Papstes bei Ihnen in der Gemeinde war vermutlich auch überschattet von den Vorfällen in Paris, oder?

Jens-Martin Kruse (Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Rom): Das ist völlig richtig. Die Ereignisse haben uns sehr bewegt. Ich bin in meiner Begrüßung darauf eingegangen und habe deutlich gemacht, dass neben der Freude über den Besuch des Heiligen Vaters unsere Herzen auch voller Trauer und Entsetzen über das sind, was in Paris geschehen ist. Ich habe gesagt, dass wir Christen mit beiden Beinen in dieser Welt stehen. Dass wir aber gleichzeitig mit Jesus Christus eine große Hoffnung haben, der gesagt hat: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Wir haben dann in den Fürbitten für die Opfer und die Verstorbenen gebetet.

domradio.de: Wenn ein Papst eine evangelische Gemeinde besucht, heißt das ja nicht automatisch, dass er sich öffnet. Es kann ja auch ein Höflichkeitsbesuch sein. Aber der Besuch gestern war dann doch ein deutliches Zeichen. War es der Papst, der zum gemeinsamen Abendmahl eingeladen hat?

Kruse: Es war eine große Nähe zwischen der Gemeinde und dem Papst, sowie den Bischöfen und Kardinälen, die ihn begleitet haben. Das ist das Erste und Entscheidende. Das hat möglicherweise auch dazu geführt, dass sichtbarer wurde, wie nah wir uns sind. Auch in wichtigen theologischen Fragen, wie der Frage der Teilnahme am Heiligen Abendmahl. Ich denke, Franziskus hat eine Tür geöffnet und deutlich gemacht, dass wir als Kirchen überlegen müssen, wie ein gemeinsamen Abendmahl möglich werden kann. Da hat er schon einen deutlichen Wink gegeben, indem er gesagt hat, wir dürften nicht warten bis die letzten theologischen Streitigkeiten geklärt sind. Jeder einzelne Christ stehe in einer Verantwortung vor Gott und sei seinem Gewissen verpflichtet. Das war schon sehr deutlich.

domradio.de: Es war dem Papst ein besonderes Anliegen, mit den Gemeindemitgliedern direkt in Kontakt zu kommen. Ein Kind und zwei Erwachsene durften ihm Fragen stellen. Welche Fragen waren das?

Kruse: Eine Frage hat unser Sohn Julius erzählt. Er ist neun Jahre alt und hat erzählt, dass er gerne in den Kindergottesdienst geht und es ihm Freude macht, die Geschichten von Jesus zu hören. Und dann hat er Franziskus gefragt, was ihm als Papst die meiste Freude mache. Der Papst hat geschmunzelt und gesagt, es gebe viele Pflichten für ihn, aber es sei ihm ein Herzensanliegen, Gemeindepfarrer zu sein: ins Krankenhaus oder ins Gefängnis zu gehen. 

domradio.de: Sie hatten gestern die Möglichkeit, den Papst kurz privat zu treffen. Können Sie uns teilhaben lassen an dem Gespräch?

Kruse: Wir waren gemeinsam zu einer kleinen Pause in der Sakristei. Der Papst und ich haben uns noch ein bisschen weiter unterhalten, die Fragen der Ökumen vertieft. Der Papst hat nochmal sehr deutlich unterstrichen, was Paulus sagt: Ein Glaube, ein Herr, eine Taufe. Und weil das so ist, wollen wir als Lutheraner und Katholiken den Weg zur Einheit der Kirche weitergehen. Das hat der Papst nochmal unterstrichen und betont, wie wichtig ihm das ist.

Das Interview führte Tobias Fricke. 

(dr)

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