Blick auf den Kölner Dom
Blick auf den Kölner Dom
Bischof Georg Bätzing
Bischof Georg Bätzing
Kardinal Marx predigt
Kardinal Marx predigt
Bischof Felix Genn bei der Silvesterpredigt in der Lambertikirche in Münster
Bischof Felix Genn bei der Silvesterpredigt in der Lambertikirche in Münster
Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick
Bischof Michael Gerber
Michael Gerber, Bischof von Fulda, geht nach seiner feierlichen Amtseinführung als Bischof vor dem Dom
Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Bertram Meier
Bischof Bertram Meier
Erzbischof Burger
Erzbischof Burger
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße
Rainer Maria Kardinal Woelki und Präses Manfred Rekowski (r.)
Rainer Maria Kardinal Woelki und Präses Manfred Rekowski (r.)
Erzbischof Becker
Erzbischof Becker
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode
Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode

31.12.2020 - 18:30

Deutsche Bischöfe an Silvester "Weiterhin dem Leben trauen"

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat an Silvester eine stärkere Sorge- und Annahmekultur für Sterbende und ihre Angehörige gefordert. Auch die anderen deutschen Bischöfe erinnern zu Silvester an Folgen der Corona-Pandemie. Ein Überblick mit Videos.

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat an Silvester eine stärkere Sorge- und Annahmekultur für Sterbende und ihre Angehörige gefordert. Als Christ sei er überzeugt, "dass nicht die Ermöglichung 'aktiver Sterbehilfe' das Zauberwort ist, sondern 'intensivste Sterbebegleitung'", sagte der Kölner Kardinal am Donnerstag bei seiner Silvesterpredigt im Kölner Dom. Darunter verstehe er medizinischen, pflegerischen, sozialen und seelsorglichen Beistand.

Die Corona-Pandemie und das Sterbehilfe-Urteil des Bundesverfassungsgerichts hätten dem Thema Tod im Jahr 2020 viel Raum verschafft, sagte Woelki. Das Gericht hatte entschieden, dass es in Deutschland ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben gibt. Das schließe auch die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und dabei Angebote Dritter in Anspruch zu nehmen.

Woelki sagte, als Christ tue er sich bei der Entscheidung der Verfassungsrichter nicht leicht. Allein Gott sei nach christlichem Verständnis "Herr über das Leben und auch Herr über den Tod". Wer die Freiheit eines Sterbenden wahren wolle, müsse seiner Überzeugung nach "einen Schutzraum eröffnen helfen, in dem menschliche Zuwendung, umfassende Schmerztherapie, Palliativpflege und helfende, liebende Annahme stattfinden kann - und zwar überall in Deutschland", erklärte Woelki. 

Einsame Sterbende

Gerade aber in den Monaten der Pandemie seien viele Menschen einsam, mahnte der Erzbischof: "in unseren Pflegeeinrichtungen mit ihrer Angst vor der Krankheit und dem Sterbenmüssen, mit der Angst, den Arbeitsplatz und damit die eigene Existenz zu verlieren, in der Angst vor der häuslichen Gewalt und ihr nicht entfliehen zu können." Neben der Hoffnung durch den Impfstoff erfordere Pandemie vor allem menschliche Zuwendung. Darin werde immer auch Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar.

Auch weitere Bischöfe der beiden großen Kirchen in Deutschland haben am letzten Tag des Jahres an die Corona-Pandemie und ihre Folgen erinnert. In ihren Silvesterpredigten und -botschaften brachten sie zugleich die Hoffnung auf einen Wandel in der Gesellschaft zum Ausdruck.

Folgen der Corona-Pandemie

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, rief dazu auf, die Corona-Krise als Anstoß für Veränderung zu verstehen. Die Pandemie habe großes Leid über viele Menschen gebracht, sagte der Limburger Bischof. Aber sie könne auch zu einer Wende beitragen hin zu einem "besseren Leben, Entschl unigung, Solidarität und größerer Gerechtigkeit".

Der im fränkischen Coburg geplante Gottesdienst mit dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wurde wegen der hohen Corona-Fallzahlen dort abgesagt. In seiner Silverster-Botschaft rief der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Solidarität und Barmherzigkeit auf.

In den Gottesdiensten zum Jahreswechsel galten bundesweit strenge Hygiene- und Abstandsregeln. Zumeist konnten nur deutlich weniger Christen kommen als üblich. Viele Feiern wurden online übertragen.

Marx erinnert an Einzelschicksale

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx mahnte, bei allen Statistiken zu Corona-Toten und -Infizierten die dahinter stehenden Einzelschicksale nicht aus den Augen zu verlieren. Im zurückliegenden Jahr sei erfahrbar geworden, wie verletzlich das Leben und wie wichtig dessen Schutz sei.

Auch der Münsteraner Bischof Felix Genn äußerte sich zum Thema Sterbehilfe. Es gelte, zu verhindern, "dass der assistierte Suizid zu einer Normalvariante des Sterbens in unserem Land wird". Der Gesetzgeber müsse dies in der geplanten Neuregelung zur Beihilfe zum Suizid beachten.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wagte einen Ausblick auf die Zeit nach Corona. Die Chancen stünden gut, dass das Virus im kommenden Jahr besiegt werden könne. Die daraus erwachsende neue Freiheit müsse jedoch vernünftiger und verantwortungsbewusster gelebt werden als vor Corona.

Gerber würdigt krisenbewehrte Demokratie

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber dankte allen, die sich in der aktuellen Krisensituation in vielfältiger Weise engagierten. Eine krisenbewehrte Demokratie lebe entscheidend davon, "dass Menschen sich an unterschiedlicher Stelle einsetzen für das Gemeinwohl über das hinaus, was ein Staat per Gesetz einfordern kann", betonte Gerber. "Diese Kultur zu erhalten und zu fördern, ist Auftrag der unterschiedlichen gesellschaftlichen Kräfte, auch der Kirche."

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf rief dazu auf, weiter Rücksichtnahme zum Wohl anderer zu üben. Wichtig sei zudem, das kirchliche Engagement im Sozialbereich zu stärken. Innerkirchlich gelte es auch im neuen Jahr, "viele Baustellen" beherzt anzupacken.

Dabei gehe es nicht nur um Strukturen, "sondern auch um die Frage des kirchlichen Auftrags in dieser Zeit". Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht die Kirchen am Übergang zu einer neuen Epoche. Um die anstehenden Herausforderungen inmitten eines zunehmend kirchenfernen Umfelds zu bestehen, müsse die Ökumene und damit der gemeinsame Auftritt von Katholiken und Protestanten gestärkt werden. "Wir haben nicht einzuteilen in Nächste und Ferne, sondern haben uns allen als Nächste zu erweisen."

Online-Andacht auf einem Friedhof 

Der Augsburger Bischof Bertram Meier warnte vor selbst ernannten Querdenkern und populistischen Parolen. "Dumpfe Töne gegenüber Menschen anderer Kulturen, Religionen und Nationalitäten werden lauter - und salonfähiger." Er fügte hinzu: "Wehret den Anfängen!

Hören und schauen wir genau hin, was sich da entwickelt! Lassen wir uns nicht manipulieren! Vor allem prüfen wir selbstkritisch, mit wem wir uns gemeinsam zeigen - politisch und kirchlich, im wirklichen Leben oder digital!"

Es falle nicht leicht, dankbar auf 2020 zurückzuschauen, sagte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Das Coronavirus habe den Menschen die "Planbarkeit und Kontrolle für uns und unsere Lebensentwürfe an vielen Stellen entzogen". Dagegen stehe die Botschaft Gottes, der "Beständigkeit und Zukunft in unser Leben" bringen wolle.

Heße für Optimismus

In Hannover lud der evangelische Landesbischof Ralf Meister zu einer Online-Andacht auf einem Friedhof ein. "2020 ist ein Jahr des Abschieds gewesen", begründete Meister die Ortswahl. "Am schmerzlichsten für all jene, die einen Menschen zu Grabe getragen haben."

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße ermutigte, trotz der Pandemie und ihrer bedrückenden Folgen mit Optimismus in das Jahr 2021 zu gehen. "Weder Trauer noch Furcht sind die richtigen Wegbegleiter für den Übergang ins neue Jahr, sondern Mut, Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung."

Kardinal Schönborn sieht Silberstreif am Horizont

Die angelaufenen Corona-Impfungen sind für den Wiener Kardinal Christoph Schönborn ein "Silberstreif am Horizont". Sie gäben "Hoffnung auf ein Ende der endlosen Corona-Pandemie", sagte der Erzbischof in seiner ORF-TV-Ansprache zu Silvester. Er selbst werde sich "natürlich impfen lassen, schon aus Gründen meines Alters und auch meiner Vorerkrankungen". Der 75-Jährige hatte sich im Mai 2019 einer Krebsoperation unterziehen müssen.

Sorgen bereiteten ihm aber die Folgen der Pandemie, sagte Schönborn. Am Ende dieses Jahres, "in dem wir sehr stark erlebt haben, wie zerbrechlich unsere Welt ist", stelle sich ihm die Frage: "Was gibt uns Halt, was gibt uns Hoffnung?" Für ihn persönlich seien dies vor allem drei Dinge: die Schöpfung, das Gute im Menschen und das Vertrauen darauf, "dass der liebe Gott darauf schaut, dass alles gut wird".

Der Kardinal äußerte die Zuversicht, dass das Gute im Menschen "viel stärker ist als das Böse". Dieses Böse sei beim Terroranschlag eines Islamisten in Wien am 2. November unmittelbar sichtbar geworden.

"Aber wir haben gleichzeitig erlebt, wie viel Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft da ist. Wie viel Güte es im Herzen des Menschen gibt." Diese oft verborgene Güte lasse sich wachrufen, auch wenn das Gute in jedem Menschen "manchmal sehr, sehr verdeckt ist".

Bischof Dieser räumt Versäumnisse gegenüber Missbrauchs-Opfern ein

Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat Versäumnisse der Kirche im Umgang mit den Opfern von sexuellem Missbrauch eingeräumt. "Als Kirche im Ganzen haben wir die Schwachen und Gefährdeten nicht ausreichend vor sexueller Gewalt geschützt und uns ihnen nicht so zugewandt, wie sie es gebraucht hätten", sagte der katholische Theologe am Mittwoch laut Redemanuskript in seiner Silvesterpredigt im Aachener Dom.

Das habe nicht nur die Kirche, sondern die ganze Gesellschaft erschüttert, erklärte Dieser: "Es ist wie eine Desillusionierung: Auch in der Kirche gibt es diese reine und heile Welt nicht, in der Gewalt und Übergriff nicht geschehen können." Die Kirche sei "nicht so rein und heilig" wie Gott selbst. Priester und andere Verantwortliche seien nicht über alle sexuellen Anfechtungen und Versuchungen von Machtmissbräuchen erhaben. "Und wir Bischöfe sind nicht allem gewachsen und stehen nicht in allen Leitungsfragen immer fest und sicher da wie Felsen in der Brandung", räumte Dieser ein.

Um die Ursachen und Umstände von Missbrauch und Vertuschung aufzuklären und den Betroffenen zu helfen brauche es Reue, erklärte der Bischof. "Das Gute, das Gott uns erfahren lässt, hat dann eine Chance, wenn wir unsere Schuld bekennen und neu auf seine Hilfe vertrauen, um Verantwortung zu übernehmen und den Betroffenen zu begegnen."

Im November hatte das Bistum Aachen ein unabhängiges Gutachten über die Verantwortlichkeiten im Umgang mit dem sexuellen Missbrauch durch Kleriker in den Jahren 1965 bis 2019 in Empfang genommen und veröffentlicht. In dem Papier werden Hinweise auf mindestens 175 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker benannt und den Verantwortlichen im Bistum Aachen schwere Versäumnisse vorgeworfen: Gegenüber den Tätern habe die Kirchenleitung eine "unverdiente Milde" walten lassen.

Paderborner Erzbischof ermutigt zu Zuversicht für das neue Jahr

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat am Silvesterabend trotz aller Sorgen im zurückliegenden Jahr zu Zuversicht aufgerufen. Es sei Aufgabe des Menschen, sich "auszustrecken auf die nahende Zukunft, die auch eine Zeit Jesu Christi ist", sagte Becker am Donnerstagabend zum Jahresabschluss im Paderborner Dom. Himmel und Erde seien das Werk der Finger Gottes, und sie blieben in der Hand Gottes, sagte Becker in dem Gottesdienst, der auch als Livestream über Youtube übertragen wurde. "Niemand kann Welt und Leben der Vatersorge des ewigen Gottes entziehen", unterstrich Becker.

Die Schöpfung sei dem Menschen zur Gestaltung anvertraut und als Lebensmöglichkeit übergeben, erklärte der Paderborner Erzbischof laut Predigttext. "Wir Menschen haben die Schöpfung sowohl gestaltet als auch verunstaltet. Glück und Wohlstand haben unverkennbar ihre Kehrseiten", beklagte Becker. Die Schöpfung bleibe letztlich unvollendet. Deshalb sei die Bitte an Gott angebracht, dass er die Schöpfung heimhole und vollende. Es komme nun darauf an, die Erfahrungen und die Tatsachen des vergangenen Jahres vor Gott zu tragen und mit dem Erbarmen Gottes das nächste Jahr zu bestehen, sagte Becker.

Der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck warnte vor zu einfachen Lösungen in der Corona-Bekämpfung. Um alle Schritte müsse "abwägend gerungen und auch gestritten werden", sagte der Essener Bischof mit Blick auf das neue Jahr in einer Mitteilung zum Jahreswechsel.

Angesichts der Corona-Pandemie sehe er am Beginn des Jahres 2021 nicht "den Zauber eines Anfangs, sondern eher große Nachdenklichkeit, Sorgen, Furcht und manche Angst", sagte der katholische Theologe. Der Glaube könne für Christen in der aktuellen Lage ein besonderer Trost sein, so Overbeck.

Bischof Bode: Kirchen stehen vor neuer Epoche

Angesichts der Corona-Krise und der gesellschaftlichen Veränderungen sieht der katholische Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode die Kirchen am Übergang zu einer neuen Epoche. Wie diese aussehen werde, könne man noch nicht klar erfassen.

"Wir spüren aber, dass sie bevorsteht", sagte Bode am Donnerstagabend in seiner Silvesterpredigt im Osnabrücker Sankt-Petrus-Dom. Die Verunsicherung und Angst seien groß angesichts der Abbrüche von Traditionen, von religiösem Wissen, von den Zahlen derer, die zum Gottesdienst kommen, so Bode laut Redemanuskript. Dennoch sollten sich die Kirchen weiter um die Bedürfnisse aller Menschen kümmern - egal ob gläubig oder ungläubig. "Die christlichen Kirchen müssen zusammen mit allen Menschen guten Willens die Herberge sein, in der Heilung an Leib und Seele möglich wird." Dafür wolle er sich als Bischof weiter stark machen.

Bode, der auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, hob hervor: "Ich glaube, viele Menschen um uns herum und viele, die nicht durch Gottesdienst mit uns verbunden sind, haben weiter Erwartungen an unseren christlichen Glauben und an unsere Kirche." Als Beispiele für wichtige Einsatzfelder der Kirchen nannte er unter anderem die Seelsorge, das Bemühen um ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben und den Einsatz für Notleidende und Minderheiten. Auch sollten die Kirchen untereinander eine gute Ökumene pflegen. Bode betonte: "Wir haben nicht einzuteilen in Nächste und Ferne, sondern haben uns allen als Nächste zu erweisen, die uns aufnehmen und brauchen oder denen wir voll Sorge und Erbarmen nachgehen."

Präses Rekowski ruft zu Mitmenschlichkeit auf

Für den rheinischen Präses Manfred Rekowski ist Silvester nicht in erster Linie ein Tag der guten Vorsätze, sondern ein "Fest des Lebens". "Und dafür ist es wichtig, dass ich mich nicht zu bequem in dem einrichte, wie es ist", sagte Rekowski am Silvestermorgen in der Sendung "Kirche im WDR". Man dürfe nicht zu früh zufrieden sein mit den Verhältnissen, sondern müsse ein Ohr, ein Herz, eine helfende Hand für die haben, die zu kurz kommen. Rekowski rief dazu auf, der Silvesternacht "ein Feuerwerk der Menschlichkeit" folgen zu lassen.

Darüber hinaus gehöre für ihn zum Jahreswechsel nicht nur Fröhlichkeit, sondern auch Nachdenklichkeit, sagte der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland weiter. "Ich finde, ein Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, wenigstens einen Moment lang innezuhalten und auf das eigene Leben in den letzten zwölf Monaten zu schauen." Das tue er selbst auch. "Ich erinnere mich an die guten Erfahrungen, die ich im letzten Jahr gemacht habe. Ich denke aber auch an das, was mir Mühe gemacht hat und mich belastet und mir weiterhin Sorgen macht." All das lege er bei einem Gottesdienstbesuch in Gottes Hände.

(KNA, epd, dpa, DR)