07.04.2012 - 23:53

Kölner Kardinal ruft an Ostern zur Rückbesinnung auf den Glauben auf "Glaube an Auferstehung ist Kern des Christentums"

Zu Ostern hat Kardinal Joachim Meisner den Auferstehungsglauben als unverzichtbaren Wesenskern des Christentums betont. "Wer nicht an diese Auferstehung glaubt, ist kein Christ", <a href="http://www.domradio.de/comet/audio/mp3/29644.mp3" target="_blank">sagte der Erzbischof</a> beim Gottesdienst am Ostersonntag im Kölner Dom. Der Glaube an die Auferstehung Jesu und die Hoffnung auf die Auferstehung aller Christen seien untrennbar miteinander verbunden.

Der Kardinal erinnerte in seiner Predigt an das Buch "Die Zukunft hat schon begonnen" des 1994 verstorbenen Zukunftsforschers und Friedensaktivisten Robert Jungk. Er habe leidenschaftlich nach dem gefragt, was man heute schon für das Morgen planen könne. "Niemand hat mehr für das Morgen der Welt getan als der, der am Kreuz die Sünde der Welt auf sich genommen und damit getilgt hat und der am dritten Tage von den Toten auferstand", sagte der Kardinal. Niemand könne mehr für seine Zukunft tun, "als sein Leben im Herrn zu befestigen und an ihn zu glauben". "An Ostern hängt für uns alles", so der Erzbischof. "Wer nicht an diese Auferstehung glaubt, ist kein Christ".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erinnerte in Freiburg an die Freiheitsbewegungen des arabischen Frühlings und betonte, immer mehr Menschen ließen sich nicht mehr in Diktaturen zwingen. Aus christlicher Sicht sei aber die Osterbotschaft als "größte Freiheitsbewegung der Weltgeschichte" zu verstehen. Denn Gott habe in der Auferstehung Jesu den Menschen vom Tod befreit. Nötig sei nun, die von Gott geschenkte Freiheit auch verantwortungsvoll zu nutzen.

"Seien wir auf der Hut vor farblosen Stimmungsmachern, die gefangen sind im schier endlosen Wettlauf um Quote, Auflage oder Wählerstimmen", mahnte Zollitsch. Kritisch setzte er sich auch mit Entwicklungen im Internet auseinander: "Es muss uns nachdenklich stimmen, wenn manche Zeitgenossen im Schutz der Anonymität Meinungsfreiheit im Internet als Freibrief für Hetze, Diffamierung und Mobbing missverstehen."

Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat sich besorgt über die wachsenden sozialen Unterschiede in der Gesellschaft geäußert. Gerade in Berlin werde sehr deutlich, "dass die soziale Schere zwischen Reich und Arm in unserer Gesellschaft weiter auseinander zu gehen droht", sagte der Kardinal am Sonntag im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. In der "Hartz IV-Hauptstadt" lebe inzwischen jedes dritte Kind von Sozialleistungen.

Die soziale Lage sei in Berlin eine der größten Herausforderungen, ergänzte der Erzbischof. "Wir haben viele Jugendliche, die morgens ohne Frühstück gehen, oder etwa in Marzahn von der Caritas ihr Frühstück erhalten oder in Berlin-Hellersdorf Kinder, die da die einzige Mahlzeit in Jugendeinrichtungen dann am Mittag erhalten", sagte Woelki. Er unterstrich: "Ich denke, dass wir hier als Kirche uns gut positionieren müssen und aufstellen müssen."

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kritisierte eine zunehmende Ökonomisierung und Konsumorientierung. Die Kirche müsse verhindern, dass der Glanz von Ostern durch die vergänglichen Lichter der Lifestyle- und Wellness-Werbung ersetzt werde. Marx verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des Sonntags. Wenn er verschwinde, gehe "noch mehr verloren, als wenn Kulturdenkmäler verschwänden".

Für den Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat Ostern die menschliche Vorstellung vom Tod grundlegend verändert. Jesu Auferstehung zeige, dass das Leben, welches "durch den Tod hindurchgegangen ist", nicht mehr durch den "üblichen Tod des Menschen völlig aufgehoben" werden könne, sagte Lehmann. Gleichzeitig verbiete sich aber jede "schwärmerische Ausdeutung" der christlichen Botschaft von der Überwindung des Todes. Denn auch heute bleibe die "zerstörerische Macht" von Sünde, Ungerechtigkeit oder Krankheit bestehen.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen rief dazu auf, sich vom Zeitgeist zu lösen und Erneuerungen und Aufbrüche zu wagen. "Wir leben in einer Zeit, in der Zerstreuung mehr propagiert wird als Sammlung, in der Materialisierung, Banalisierung und Spaß die neuen Götzen sind", so der Erzbischof. "Wenn wir uns diesen Götzen nicht unterwerfen, dann werden wir frei für neues österliches Leben."

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode rief die Christen dazu auf, sich gesellschaftlich zu engagieren. Sie sollten nicht all die Abbrüche in Glaube und Kirche beklagen, sondern voller Hoffnung "in den Alltag der Menschen gehen". Die Kirche heute sei nicht mehr "die feste Stadt" mit den Milieus der Volkskirche. Umso wichtiger sei das Glaubenszeugnis jedes Einzelnen und auch kleiner Gruppen.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst sagte, der christliche Osterglauben werde dann glaubwürdig, wenn sich Menschen für eine Gesellschaft einsetzten, in welcher nicht die "Maßstäbe der Ökonomie, sondern diejenigen der Humanität" an erster Stelle
stünden: "Ein Wirtschaftswachstum, zu dessen Faktoren der Export von Kriegswaffen gehört, die anderen Menschen Tod und Verderben bringen, muss unseren entschiedenen Widerspruch hervorrufen", so der Bischof.

Münsters Bischof Felix Genn rief dazu auf, sich dem Festtagsgeheimnis zu öffnen. Er nannte es beim Gottesdienst am Ostersonntag in Münsters Überwasserkirche lächerlich, Ostern etwa zum Hasenfest umzufunktionieren. Der Bischof räumte ein, dass der Glaube an eine Auferstehung selbst für religiös erzogene Menschen nicht einfach sei und von vielen belächelt werde. Zugleich rief Genn dazu auf, sich auf die Hypothese einer Auferstehung einmal einzulassen, um die Nähe Jesu zu erfahren.

Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker hob die Bedeutung der Auferstehung Jesu für jeden einzelnen Christen hervor. Der Sohn Gottes sei nicht "persönlich für sich auferstanden", sagte er am Ostersonntag im Paderborner Dom. Vielmehr sei er für die ganze Welt auferstanden, um alle Menschen hinter sich her zu ziehen.

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck appellierte an die Katholiken, ihren Glauben geistlich zu erneuern und an neuen Strukturen der Kirche mitzuwirken. "Wer will, das es bleibt wie es ist, wird erleben, dass nichts bleibt, wie es ist", sagte er in der Osternachtsfeier am Samstagabend im Essener Dom. Wer dagegen das erhoffte Neue wolle, müsse sich einsetzen "für das, was bleibt, nämlich Gott und seine Liebe und Hingabe in Jesus".

Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff rief die Christen zum Schutz des Lebens und der Natur auf. Sie sollten Ja sagen zum Leben in einer Welt, die von lebensbedrohlichen und lebenszersetzenden Tendenzen bedroht sei, sagte er am Samstagabend im Aachener Dom.
"Dazu gehören die Bewahrung der Schöpfung und der Umweltschutz ebenso wie der verantwortliche Umgang mit modernen Technologien." Als weitere Aufgaben nannte der Bischof den Einsatz für behinderte, kranke und alte Menschen sowie für noch nicht geborene Kinder.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat in seiner Osterpredigt zum Einsatz für Gerechtigkeit aufgerufen. "Die Auferweckung Christi ruft uns in die Verantwortung, so dass auch hier und jetzt schon die Armen und Bedrängten aus dem Staub aufgerichtet werden", sagte er am Sonntag in der Düsseldorfer Johanneskirche. "Gott bringt Gerechtigkeit in eine Welt, in der Arme von Reichen unterdrückt und ausgebeutet werden."

Die Gerechtigkeit Gottes diene nicht nur dem Seelenheil des Einzelnen, sondern solle sichtbar und erfahrbar werden im Zusammenleben der Menschen, betonte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Gott sei der Herr auch über seelisches und soziales Leid, über existenzielle Nöte bis hin zum Tod. Die Osterfreude darüber, dass Gott durch Christi Auferstehung einen neuen Anfang schenke, schärfe auch den Blick für die Not der Anderen.

Christen müssten die Hoffnung dorthin tragen, wo andere Menschen entmutigt in die Zukunft schauen, sagte Schneider laut Redetext: "wo Enttäuschungen über die Entwicklung in Deutschland, Europa und der Welt zu Teilnahmslosigkeit oder Zynismus führen". Weil Gott lebendig mache und in jedem Ende einen neuen Anfang schenken könne, "setzen wir Hoffnungszeichen in unserer Welt und für unsere Welt - durch unser Beten und durch das Tun des Gerechten".

Das wichtigste Fest der Christenheit
Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest ist daher ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod. In der frühen Christenheit fanden oft Taufen an diesem Tag statt.

Im Jahr 325 bestimmte das Konzil von Nicäa den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling als Ostertermin. Seither wird das Auferstehungsfest in den westlichen Kirchen zwischen dem 22. März und dem 25. April begangen. Die orthodoxen Kirchen, die sich nach dem alten julianischen Kalender richten, feiern meist an einem anderen Datum.

Ostern hat sich wohl aus dem jüdischen Passah-Fest entwickelt. Trotz der Loslösung vom Judentum blieben wichtige Parallelen bestehen: Passah, die Erinnerung an den Auszug der Juden aus Ägypten, liegt in zeitlicher Nähe zu Ostern. Viele Inhalte des Passah-Festes haben ein Gegenstück in der christlichen Symbolik. So erinnert das Osterlamm, das aus dem an Passah geschlachteten Lamm hervorgeht, an das Sühneopfer Jesu, der dem christlichen Glauben nach zur Erlösung der sündigen Menschen starb.

Die Herkunft des Namens Ostern ist nicht völlig geklärt. Volkstümlich wurde er von der Frühlingsgöttin "Ostara" abgeleitet. Möglicherweise ist er auch Resultat eines Übersetzungsfehlers. Die lateinische Bezeichnung für die Osterwoche ("Weiße Woche"/"hebdomada in albis") wurde Religionshistorikern zufolge auch mit dem Wort für die Morgenröte "alba" - auf althochdeutsch "eostarun" - in Verbindung gebracht.