Die Apostolische Bibliothek und das Apostolische Archiv

Blick in die Biblioteca Apostolica Vaticana, dt. Apostolische Vatikanische Bibliothek, mit einem Deckenfresko sowie Wandgemälden und Bücherregalen am 8. November 2021 im Vatikan. / © Francesco Pistilli/KNA (KNA)
Blick in die Biblioteca Apostolica Vaticana, dt. Apostolische Vatikanische Bibliothek, mit einem Deckenfresko sowie Wandgemälden und Bücherregalen am 8. November 2021 im Vatikan. / © Francesco Pistilli/KNA ( KNA )

Die Vatikanische Apostolische Bibliothek und das Vatikanische Apostolische Archiv zählen zu den zentralen Einrichtungen des Heiligen Stuhls und verbinden die Bewahrung eines kulturellen Erbes mit moderner Forschung. 

Ursprünglich bildeten beide Institutionen eine Einheit, wurden jedoch zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch Paul V. organisatorisch getrennt und mit eigenen Aufgaben versehen. Heute stehen sie qualifizierten Forschenden aus aller Welt offen und nutzen zugleich moderne Technologien, um ihre Bestände zu sichern und zugänglich zu machen. Seit März 2025 ist der italienische Erzbischof Giovanni Cesare Pagazzi Archivar und Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche, ernannt von Franziskus.

Die Vatikanische Apostolische Bibliothek geht auf das 15. Jahrhundert zurück, als Nikolaus V. die päpstliche Sammlung von lateinischen, griechischen und hebräischen Handschriften Gelehrten zugänglich zu machen. Am 15. Juni 1475 erließ Papst Sixtus IV. die Bulle Ad decorem militantis Ecclesiae, die als Gründungsdokument der Bibliothek gilt.

Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf philologischen und historischen Disziplinen sowie auf Theologie, Recht und Naturwissenschaften. Die Bibliothek versteht sich als Instrument zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und steht Forschenden unabhängig von Religion oder Herkunft offen. Heute nutzen etwa 6.000 Wissenschaftler die Bestände.

Das Vatikanische Apostolische Archiv bewahrt hingegen die schriftlichen Zeugnisse der Kirchenleitung aus über zwölf Jahrhunderten. Auf rund 85 Regalkilometern lagern Millionen von Dokumenten, die zu den bedeutendsten historischen Quellen weltweit zählen. Für die Forschung wurde das Archiv 1881 durch Leo XIII. geöffnet und begründete damit den Ruf Roms als Zentrum geisteswissenschaftlicher Studien. 

Heute können Wissenschaftler Unterlagen bis zum Ende des Pontifikats von Pius XII. einsehen. Der frühere Name "Geheimarchiv" leitete sich vom lateinischen secretum ab und bezeichnete den besonders geschützten Charakter des Bestandes; 2019 wurde die historische Bezeichnung "Apostolisches Archiv" wieder eingeführt.

Beide Einrichtungen stehen vor der Aufgabe, ein jahrhundertealtes Erbe zu bewahren und zugleich neue Wege der Erschließung zu gehen. Sie verkörpern damit den Anspruch des Heiligen Stuhls, Wissen nicht nur zu sichern, sondern es auch für Forschung, Kultur und die gesellschaftliche Entwicklung fruchtbar zu machen. (Quelle: Vatican News)