Warteschlange bildet sich vor Queer-Gottesdienst beim Katholikentag

Kraft, Beistand und Segen

Beim Katholikentag hat ein Queer-Gottesdienst viele Besucher angezogen. Die Veranstalter sehen darin ein Zeichen für eine größere Sichtbarkeit nicht-heterosexueller Christen. Früher hätten Queer-Gottesdienste am Rand stattgefunden.

Ein T-Shirt mit der Aufschrift "Katholisch und Queer" / © Niklas Hesselmann (KNA)
Ein T-Shirt mit der Aufschrift "Katholisch und Queer" / © Niklas Hesselmann ( KNA )

Mehr als 200 Menschen haben am Samstag beim Katholikentag in Würzburg einen Queer-Gottesdienst besucht. Wie bei einigen anderen Feiern bildete sich vor der Augustinerkirche eine Warteschlange. "Früher fanden solche Gottesdienste am Rand statt, heute sind wir mittendrin", sagten die Organisatoren zu Beginn der Feier.

Mit dem englischen Wort queer bezeichnen sich Menschen, die nicht heterosexuell sind oder deren geschlechtliche Identität nicht mit gesellschaftlichen Rollenbildern übereinstimmt. Unter ihnen sind Personen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung die wohl größte Gruppe. Im Verlauf des Gottesdienstes sprachen sich die Teilnehmenden gegenseitig Kraft, Beistand und Segen zu. In mehreren Beiträgen forderten sie die bedingungslose Anerkennung von Menschenwürde in Kirche und Gesellschaft - unabhängig von Geschlecht, Sexualität oder Lebensweise.

Debatte um Segnungen für alle in der Kirche

Die Feier fand vor dem Hintergrund der Debatte über Segnungen homosexueller Paare in der katholischen Kirche statt. Der Vatikan hatte Ende 2023 mit dem Dokument "Fiducia supplicans" spontane Segnungen homosexueller Paare außerhalb der Liturgie erlaubt. Dabei solle jedoch nicht der Eindruck einer kirchlichen Eheschließung entstehen.

2025 wurde in Deutschland eine Handreichung veröffentlicht, die auch feierliche Elemente wie Gesang und Gebet vorsieht. Das Papier "Segen gibt der Liebe Kraft" richtet sich an Seelsorgerinnen und Seelsorger und behandelt Segnungen "für Paare, die sich lieben". Genannt werden darin auch Paare "in der ganzen Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten".

Streit mit dem Vatikan

Zuletzt war es darüber zu Spannungen zwischen deutschen Bischöfen und dem Vatikan gekommen. Unter anderem empfahl der Münchner Kardinal Reinhard Marx seinen Mitarbeitern, die Handreichung in ihrer Arbeit zu berücksichtigen. Papst Leo XIV. erklärte daraufhin auf die Frage einer Journalistin, der Vatikan sei mit "förmlichen Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren" nicht einverstanden.

Der queere Gottesdienst beim Würzburger Katholikentag stand unter dem Motto "Das Leben ist bunt - Vielfalt in der Kirche?!". Vorbereitet wurde die Feier von der Initiative #OutInChurch, dem Augustinerkloster Würzburg, dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), dem Netzwerk katholischer Lesben, der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche sowie "Queer und Christ im Bistum Würzburg".

#OutInChurch

Es ist eine große konzertierte Aktion: Auf einer Internetseite und im Rahmen einer Fernsehdokumentation haben sich 125 Menschen in der katholischen Kirche geoutet. Sie alle sind haupt- oder ehrenamtlich in der Kirche tätig und zugleich Teil der queeren Community, wie die Initiative "#OutInChurch - für eine Kirche ohne Angst" mitteilte. Die Initiative fordert unter anderem, das kirchliche Arbeitsrecht so zu ändern, "dass ein Leben entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität" nicht zur Kündigung führe. (KNA, 24.1.2022)

 © Julia Steinbrecht (KNA)
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Quelle:
KNA