Vor 30 Jahren begann es in Stuttgart mit einem "Gottesdienst für Schwule und Lesben und ihre Freundinnen und Freunde". An diesem Sonntag blickt die katholische Kirche in der baden-württembergischen Landeshauptstadt auf 30 Jahre Queer-Gottesdienste im Stuttgarter Westen zurück. Diese seien "seit 1996 ein fester Anker für die Regenbogen-Community", erklärte das katholische Stadtdekanat vorab.
Der Queer-Gottesdienst findet an jedem dritten Sonntagnachmittag im Monat in der katholischen Kirche Sankt Fidelis statt. Willkommen seien "alle Menschen unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität" und Angehörige aller Konfessionen, hieß es.
Stola in Regenbogenfarben
"Zu uns kommen Menschen aus Stuttgart und darüber hinaus", erläutert der Theologe Heiko Hauger, der seit 20 Jahren dabei ist und als Referent beim Bistum Rottenburg-Stuttgart arbeitet. Manche Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes kämen einmal im Jahr, manche monatlich; manche seien auch in ihrer Ortsgemeinde aktiv, "und für manche ist es der einzige Andockpunkt zur Kirche". Menschen seien mit ihrem Coming-out unterschiedlich unterwegs. "Es ist natürlich nicht jedes Mal das Thema; aber es darf ein Thema sein", so Hauger.
Ein besonderes Symbol beim monatlichen Queergottesdienst sei eine Stola in Regenbogenfarben, hieß es weiter. Mehrere Priester zelebrieren laut Stadtdekanat abwechselnd die Eucharistiefeier.
Offizielle Lehre "schwer auszuhalten"
Josef Gloning war beim ersten Gottesdienst für Schwule und Lesben dabei. "Vor 30 Jahren lebten wir in einer anderen Zeit", sagte er. Gesellschaftlich habe sich viel verändert, "die Lehre der Kirche jedoch nicht", kritisiert er. Gloning wörtlich: "Diese Diskrepanz zwischen gelebter Spiritualität und offizieller Haltung ist für viele nach wie vor schwer auszuhalten." Der katholische Katechismus nennt Homosexualität nach wie vor eine "Neigung, die objektiv ungeordnet ist".
Einen Schub bekam der Stuttgarter Queer-Gottesdienst den Angaben zufolge auch durch die vor vier Jahren gestartete Initiative #OutInChurch, bei der sich inzwischen bundesweit mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der katholischen Kirche als queer outeten.