Der frühere italienische Ministerpräsident Mario Draghi ist am Donnerstag in Aachen mit dem Internationalen Karlspreis geehrt worden. Der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) erhielt die renommierte Auszeichnung für seine historischen Verdienste um den Erhalt des Euro und der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Gewürdigt wird mit der Auszeichnung auch der 2024 vorgelegte "Draghi-Report" mit weitreichenden Reformvorschlägen zur Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit.
Würdigung durch Aachener Bischof Helmut Dieser
Zuvor hatte auch der Aachener Bischof Helmut Dieser Draghi gewürdigt. In seiner Predigt im Aachener Dom bezeichnete er den Karlspreisträger als "Mahner, Vordenker und Macher für Europa". Zugleich forderte Dieser die Europäer auf, entschlossener für Werte wie Menschenwürde, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit einzutreten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dankte Draghi in seiner Laudatio für dessen "großartiges Lebenswerk", er habe sich um Europa verdient gemacht und tue dies immer noch. In der Finanz- und Schuldenkrise habe Draghi 2012 den Euro und die Währungszone stabilisiert, heute sei der Euro unangefochten. Dafür seien die Europäer ihm zutiefst dankbar. Mit seiner schonungslosen Analyse zur Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit habe der frühere EZB-Chef zudem ein grundlegendes Umsteuern der Europäischen Union angemahnt.
Merz fordert neue europäische Entschlossenheit
Die Welt sortiere sich gerade neu, "wir erleben inzwischen wöchentliche Krisenlagen", sagte Merz. Europa habe nun die Chance, die neue Weltordnung so mitzugestalten, "dass in ihr Normen und Regeln statt Willkür und das Recht des Stärkeren gelten". Dafür brauche es einen klaren Kurs und einen kühlen Kopf: "Wir müssen selbstbewusst unsere eigenen Interessen definieren und wir müssen bereit sein, für die Wahrung dieser Interessen auch etwas einzusetzen." Es gehe in einer neuen europäischen Entschlossenheit um wirtschaftliche Stärke und militärische Verteidigungsfähigkeit. Europa müsse zudem die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland entschlossen unterstützen, "weil es der Kampf auch für unsere Freiheit ist".
Europa habe sich aufgemacht, eine Macht zu werden, "die dem Sturm dieser neuen Zeit trotzt und die zugleich mit Freiheit und Recht, mit Frieden und Wohlstand für sich wirbt", sagte der Kanzler und warb für eine "grundlegende Modernisierung" und Umsetzung des Draghi-Reports. "Wenn wir es richtig machen, dann werden diese Jahre der großen welthistorischen Bewegung im Rückblick Jahre der Weiterentwicklung und der Stärkung eines geeinten Europas sein."