Papst Leo XIV. wird spanischen Medienberichten zufolge Anfang Juni in Madrid wahrscheinlich Betroffene von sexuellem Missbrauch aus dem Bereich der katholischen Kirche treffen. Das Erzbistum Madrid bestätigte der Nachrichtenagentur Europa Press, dass man intensiv an einem solchen Treffen arbeite. Es wird den Angaben zufolge voraussichtlich am 7. oder 8. Juni in der Apostolischen Nuntiatur in der spanischen Hauptstadt stattfinden.
Auch der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Argüello, deutete am Dienstag auf einem Forum an, dass ein Treffen zwischen dem Papst und Missbrauchs-Betroffenen "durchaus möglich" sei. "Zweifellos empfinden wir in der Kirche einen besonderen Schmerz und eine besondere Verantwortung gegenüber den Opfern in unserem Umfeld", betonte Argüello.
Neues Entschädigungssystem
Nach fast dreijährigen Verhandlungen hatte Spanien vor wenigen Wochen zusammen mit der Kirche und unter Vermittlung des Vatikans ein neues Entschädigungssystem für Betroffene sexuellen Missbrauchs aus dem kirchlichen Bereich eingeführt. Es richtet sich an Menschen, deren Fälle juristisch verjährt oder deren Peiniger gestorben sind und die sich nicht direkt mit ihren Forderungen an die katholische Kirche wenden möchten. Ein staatlicher Ombudsmann vermittelt und trifft die Entscheidung, sollten sich Kirche und Betroffene nicht einig werden.
Papst Leo XIV. wird vom 6. bis zum 12. Juni in Spanien erwartet. Nach Treffen mit der Regierung und dem König sowie nach zahlreichen Großveranstaltungen in Madrid wird der Pontifex in Barcelona unter anderem den Christus-Turm der Sagrada Familia weihen. Mit dem Festakt wird der 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí gefeiert. Seinen Spanienbesuch wird der Papst auf den Kanarischen Inseln abschließen, um den Fokus auf die dortige Migrationskrise zu legen.