Würzburg ist klein, allerdings groß genug, um sich dort gehörig zu verlaufen. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel bin ich irgendwie vor der juristischen Fakultät der Uni Würzburg gestrandet. Davor seht eine Gruppe junger Frauen, ich frage sie nicht nur nach dem Weg, sondern auch, was sie vom Katholikentag mitbekommen haben.
Franziska (26) findet es toll für Würzburg. Persönlich tangiert es sie allerdings nicht. "Da kommt doch auch hoher Besuch in die Stadt", sagt sie, "und meine kleine Schwester freut sich, dass sie schulfrei hat". Auch an Johanna (22) geht der Katholikentag vorbei, "aber meine Mutter überlegt, ob sie nach Würzburg kommt", sagt sie.
Würzburg, ein Tag bevor es losgeht. Noch merkt man der Stadt das besondere Katholikentags-Feeling nicht an. Eher sind es Touristengruppen aus aller Welt, die in der Altstadt unterwegs sind.
Vor einer italienischen Eis-Theke treffe ich Herbie und Jennifer aus den USA. Sie fragen, ob ich englisch spreche und bitten mich, den italienischen Eisverkäufer zu fragen, ob er Mint-Schokoladeneis habe. Hat er nicht, nur dunkle und helle Schokolade.
Ich komme mit den beiden ins Gespräch, sie möchten wissen, was die vielen Fahnen und weißen Hütten in der Stadt bedeuten. "That's the convention of german catholics", erkläre ich. "What is that about?" – "We'll praise the lord", fasse ich etwas verkürzt die Botschaft des Glaubensfestes zusammen.
Eine Ampel weiter treffe ich Harald (58). Er ist Lehrer an der St. Ursula Schule in Würzburg. "Wir sind Gastgeber für den Katholikentag", sagt er.
Seine Schule ist das spirituelle Zentrum. "Aber morgen früh ist bei uns noch Abitur", erklärt er. Gut, dann können die geplagten Mädchen und Jungen gleich danach den Stress im spirituellen Zentrum abbauen.
Nach gefühlten 25 km kreuz und quer durch die Stadt, schaffe ich es vom Hotel zum Tagungsort des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Das ZdK trifft sich traditionell am Tag vor dem Katholikentag – so auch heute.
"Aber selbstverständlich dürfen Sie das."
Ich habe gefragt, ob ich DOMRADIO.DE-Kugelschreiber auf die Tische im ZdK-Tagungsraum legen darf, als kleine Aufmerksamkeit von uns. "Ah, wie schön, sie sind vom Domradio", höre ich, "wo finde ich euch denn?" – "Immer der Nase nach", sage ich, "an unserem Stand an der Bühne am Unteren Markt bringen wir eines der weltweit größten Weihrauchfässer in Schwung. Das ist unsere ganz besonders wohltuende DOMRADIO.DE-Duftmarke auf dem Katholikentag".
Hab Mut, steh auf!
"Hab Mut, steh auf", ist das Motto der "catholic convention". Die Band Sternallee hat dazu das Mottolied geschrieben: "Hab Mut, steh auf, du bist gerufen, die Welt braucht deine Arme, deine Hände und dein Herz". Mit diesem Lied eröffnen die über 200 ZdK-Frauen und -Männer ihre Tagung.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist die Vertretung der Laien in der katholischen Kirche. "Kein Katholikentag ohne das ZdK, kein ZdK ohne den Katholikentag“, sagt die ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp.
Doch dann folgt gleich der Downer: Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann erinnert in seinem Grußwort daran, dass in jedem Jahr Hunderttausende aus der Kirche austreten. Er fordert von der Kirche eine neue Glaubwürdigkeit.
Dazu passt, dass Irme Stetter-Karp darauf aufmerksam macht, dass die Kirche in Deutschland weiblich ist. In Bayern zum Beispiel sind 70 Prozent der Pfarrgemeinderäte Pfarrgemeinderätinnen, also Frauen.
Passiert da was?
Tut sich da endlich etwas in der Kirche? Gibt es aus Rom Signale, dass der Vatikan auch Weiheämter für Frauen öffnet, wie in Würzburg viele fordern? Hm, die Kirche hat ihr ganz eigenes Tempo, das ist bekannt, also geduldig bleiben, gespannt abwarten.
Irme Stetter-Karp zwingt sich zur Diplomatie, aber man merkt ihr an, dass es ihr nicht leicht fällt, ihre Ungeduld zu bändigen. Zahlreiche Bischöfe haben sich auf dem Katholilkentag angemeldet. "Wir werden unsere Fragen an die Hirten herantragen", sagt Stetter-Karp.
Auf dem Rückweg zum Hotel besuche ich die Kollegen am DOMRADIO.DE-Stand. Das gigantische Weihrauchfass ist schon aufgebaut. Als eine Art Generalprobe legt Martin etwas Kohle auf – und dann den Weihrauch.
Ein himmlisches Halleluja in Form einer Weihrauchwolke zieht über den Unteren Markt – Ich bin gespannt, was passiert, wenn wir nach ganz oben ins Regal greifen und die volle Dosis Weihrauch auflegen.