Dachorganisationen des organisierten Sports und die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg haben die wechselseitige Anerkennung von Schulungen zur Prävention sexualisierter Gewalt vereinbart. Das teilten die Kirchen am Dienstag nach einem Spitzentreffen in Stuttgart mit. Das unterzeichnete Dokument setze "beim vorbeugenden Vorgehen von Kirche und Sport auf gemeinsame Standards".
Zudem entlaste das Papier jene Ehrenamtlichen, die sowohl im Sport als auch in der Kirche engagiert seien: Sie benötigen künftig nur noch eine Schulung. Die Vereinbarung hält in einer Checkliste die Mindestanforderungen für die wechselseitige Anerkennung von Präventionsschulungen fest.
Hinschauen statt Wegsehen
Zu den verpflichtenden Inhalten der Schulungen zählen den Angaben zufolge "Informationen zu Formen und Ausmaß von sexualisierter Gewalt" sowie über Täterstrategien und Risikofaktoren. Zudem gibt es Verhaltensregeln und Übungen zu Nähe und Distanz. Die Schulungen müssen zudem über "Handlungsmöglichkeiten bei Vermutungen" sowie über Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten informieren.
Mit den Präventionsschulungen, die Engagierte in den Kirchen und im Sport absolvieren müssten, werde "die Grundlage dafür geschaffen, dass mehr hingeschaut und weniger weggesehen wird", sagte die badische Landesbischöfin Heike Springhart.
"Kirche unterschätzte Kraft des Sports"
Der Rottenburger Bischof Klaus Krämer sagte, Kirche und organisierter Sport seien "tragende Kräfte unserer Zivilgesellschaft". Nachdem die Kirche die verbindende Kraft des Sports lange unterschätzt habe, "nehme ich mit großem Respekt wahr, wie kontinuierlich und verbindlich der Dialog zwischen Kirche und Sport gewachsen ist", so Krämer.
Vertragspartner sind auf Seiten des Sports der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW), der Badische Sportbund Freiburg (BSB Freiburg), der Badische Sportbund Nord (BSB Nord) und der Württembergische Landessportbund (WLSB); auf Seiten der Kirchen sind dies die Evangelische Landeskirche in Baden, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, die Erzdiözese Freiburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart.
WLSB-Präsident Andreas Felchle sagte, die langjährige Partnerschaft zwischen Sport und Kirchen in Baden-Württemberg sei überdurchschnittlich gut und bundesweit vorbildlich.